Region Heilbronn-Franken will bei den Zukunftsthemen klotzen
Wasserstoff, Medizin, künstliche Intelligenz: Das Förderprogramm RegioWin könnte Millionen für sechs Leuchtturmprojekte aus der Region zuschießen.

Wasserstoff, künstliche Intelligenz und die Transformation der Wirtschaft spielen in Heilbronn-Franken an vielen Stellen bereits eine Rolle. Jetzt hat die Region unter der Federführung der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF) all ihre Pfunde in die Waagschale geworfen und sich um Fördergeld in Millionenhöhe beworben. Ins Rennen gehen sechs Leuchtturmprojekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 50 Millionen Euro.
Drei Schwerpunkte für die Entwicklung der Region
Für den Wettbewerbsbeitrag zum Förderprogramm RegioWin 2030 hat die WHF gemeinsam mit Akteuren aus Forschung, Entwicklung und Wirtschaft ein regionales Entwicklungskonzept auf den Weg gebracht. "Damit müssen wir die erste Hürde nehmen", sagt WHF-Geschäftsführer Andreas Schumm.
Es setzt drei inhaltliche Schwerpunkte: Transformation und Qualifizierung in der Produktion, Gesundheit sowie nachhaltige Mobilität und Energie. Gleichzeitig wurden die sechs Projekte erarbeitet, die im Dezember zur Förderung durch die EU und das Land Baden-Württemberg eingereicht wurden.
Eine Drehscheibe für den Wasserstoff

Große Hoffnungen liegen beispielsweise auf dem Wasserstoff-Projekt Hydrogen Hub HN-F. Am Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen soll ein Test-, Anwendungs-, und Transferzentrum entstehen, welches die mittelständischen Unternehmen in der Entwicklung und Erprobung von Wasserstofftechnologien unterstützt.
Es soll ergänzen, was bisher schon entstanden ist. Bei Audi in Neckarsulm wurde beispielsweise 2016 die Brennstoffzellenentwicklung angesiedelt. Mit dem Projekt H2orizon produzieren Zeag und DLR in Lampoldshausen mit Windkraft grünen Wasserstoff. Das Wirtschaftsministerium setzte 2020 noch eins drauf und spendierte für das Projekt Zero Emission 16 Millionen Euro.
Für Unternehmen und Kommunen soll sich mit dem Hydrogen-Hub ein Mehrwert durch wissenschaftliche Entwicklung und den Transfer in die Anwendung ergeben. Punkten will die Region mit europaweit einzigartigen Testmöglichkeiten, der Bedarfsdeckung der regionalen Wasserstoffwirtschaft mit nachhaltig produziertem Gas und darüber hinaus der Ansiedlung von Unternehmen im Umfeld. Die förderfähigen Projektkosten liegen bei 11,6 Millionen Euro.
Medizin soll Digitalisierung konsequent nutzen
Um Gesundheit und Medizin geht es beim Projekt I3-Lab am Molit-Institut. Dort soll eine molekularbiologische Laborkompetenz mit Bio-Bank aufgebaut werden. I3 steht dabei für die Verknüpfung von Digitalisierung, dem Bau eines Labors neben dem SLK-Klinikum am Gesundbrunnen und klinischen Studien.
Damit, so die Überzeugung der Verantwortlichen, könne sich die Life-Science-Branche in der Region Heilbronn-Franken entscheidend weiterentwickeln. Projektkosten: 12,5 Millionen Euro.
Eine Plattform für künstliche Intelligenz
Die Hochschule Heilbronn setzt unter dem Titel AI Training- & Qualification Campus (AI-TRAQC) auf künstliche Intelligenz. Damit auch kleine und mittlere Unternehmen diese Zukunftstechnologie nutzen können, sollen sogenannte KI-Transferbrücken errichtet werden. Beschäftigte sollen sich weiterbilden können, Experten eine Plattform zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit KI bekommen. Zudem werden Gründer unterstützt. Projektkosten: 10,5 Millionen Euro.
Und immer wieder die Transformation
Der TUM Campus Heilbronn und das Fraunhofer IAO in Heilbronn gehen mit dem Projekt F-IT4 Transformation ins Rennen. Sie wollen Unternehmen und ihre Beschäftigten befähigen, die digitale Transformation für sich zu nutzen. Auch hier spielt Qualifikation eine wichtige Rolle. Darüber hinaus sollen neue Austausch-, Vernetzungs- und Diskussionsformate entstehen, um die digitale Transformation regional und überregional zu verankern. Projektkosten: 3,2 Millionen Euro.
Anlaufstelle für Start-ups

Den Gründergeist unterstützen soll das "Spin-Off-Lab" in Künzelsau. Dahinter steht die Stadt Künzelsau. Sie möchte damit das erste "explizit auf Ausgründungen von Unternehmen" spezialisierte Gründungszentrum in Baden-Württemberg schaffen. Es unterstützt Unternehmen der Region dabei, wichtige Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Strukturwandel, Automatisierung der Produktion und Klimawandel anzugehen. Projektkosten: sechs Millionen Euro.
Erlebniswelt mit Zusatznutzen
Mit dem Projekt "Brainstation Lauda" soll ein Innovationszentrum im ländlichen Raum geschaffen werden. Geplant ist die Einrichtung von Räumlichkeiten, die gut an die Ballungsräume angebunden sind und durch ihre kommunikative Atmosphäre den Austausch fördern. Ein Coworking-Space soll Start-ups und etablierte Unternehmen zusammenbringen. In einem größeren Raum soll eine Erlebniswelt Anschauungsbeispiele bieten, möglicherweise durch eine Digitalwerkstatt für Kinder ergänzt. Projektkosten: 7,1 Millionen Euro.
Der RegioWin-Wettbewerb
Die Chancen für die Region Heilbronn-Franken, bei dem Förderprogramm RegioWin berücksichtigt zu werden, stehen nicht schlecht. Allerdings dürften kaum alle sechs Projekte grünes Licht bekommen. Heilbronn-Franken ist eine von elf Regionen in Baden-Württemberg, die sich mit 38 Projekten beworben haben. Themen sind Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Nachhaltige Mobilität, Gesundheitswirtschaft, Bioökonomie, Ressourceneffizienz und Energiewende. Die Fördermittel stammen maßgeblich aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), ergänzt vom Land Baden-Württemberg. Jedes Projekt wird bis zu Kosten von maximal 12,5 Millionen Euro zu 60 Prozent gefördert, 40 Prozent der Finanzierung müssen die Projektträger beisteuern.



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