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Über neue Oberstufe zum Abitur an Realschulen? Reaktionen aus der Region

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Laut einem Medienbericht stößt die Landesregierung Kooperationen für Real- und Gemeinschaftsschulen an. In der Region Heilbronn-Franken gibt es Verwunderung und Freude zugleich.

Realschulen in Baden-Württemberg sollen sich eine Partnerschule suchen, die über eine Oberstufe zum Abitur führt. Solche Verbundoberstufen soll es laut "Bild" mit allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasien oder Gemeinschaftsschulen geben können.

In der Region herrscht einerseits Freude über die Pläne der Landesregierung, zugleich aber auch Verwunderung: Schon jetzt können Real- und Gemeinschaftsschüler nach Klasse zehn an allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasien weitermachen. Außerdem hat sich die Landesregierung auf die Reform des Bildungssystems verständigt, Details waren bekannt.

Feste Kooperation für Realschulen: So fallen Reaktionen in der Region aus

"Wir wollen vermitteln, dass es alle Möglichkeiten gibt", sagt Andreas Sturm, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, im Gespräch mit der Heilbronner Stimme über die Pläne für die Realschule. Zugleich tritt er Behauptungen entgegen, wonach an Realschulen künftig das Abitur machbar sein soll. "Das ist absoluter Quatsch." Das Papier greift laut dem Medienbericht noch einen weiteren Punkt auf und betont ausdrücklich: "Wir stehen für die Gleichwertigkeit von dualer und akademischer Ausbildung."


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"Wenn das passiert, ist es für uns eine wichtige Bildungsreform", sagt Melanie Haußmann, Rektorin der Heilbronner Heinrich-von-Kleist-Realschule. Schon jetzt fänden viele Realschüler vor allem über berufliche Gymnasien den Weg zum Studium. Dennoch ist Melanie Haußmann überzeugt: "Das Schulsystem würde damit aufgeräumt", sagt sie und spricht von einer Aufwertung der Realschule.

Weg über Realschule zum Abitur als Chance für schwächere Kinder

Die Rektorin ist eine Geschäftsführende Schulleiterin in der Stadt. Haußmann begrüßt es, dass mit diesem Schritt duale und akademische Ausbildung gleichwertig würden. Sie bekennt sich zur akademischen Bildung, aber auch Meister leisteten viel. "Wir brauchen auch Handwerker, nicht nur studierte Architekten."

Die Pläne hätten für Melanie Haußmann praktische Folgen: Mit solchen Kooperationen könne man in Grundschulen noch besser den Eltern vermitteln, dass Kinder auch über die Realschule das Abitur machen können. Darauf bereiten Realschulen zwar bereits vor, "dann würde es aber offiziell", so Melanie Haußmann. Derzeit gebe es noch einen Run auf Gymnasien mit der Folge, dass schwächere Kinder den Anforderungen nicht gerecht würden. "Rückläufer" auf Realschulen, sagt die Rektorin, gebe es vor allem ab Klasse sieben.

Mit G9 könnte für Realschüler der Übergang auf allgemeinbildende Gymnasien ruhiger werden

Laut Koalitionsbeschluss soll an den allgemeinbildenden Gymnasien wieder nach neun Schuljahren das Abitur gemacht werden (G9). Durch die Streckung der Bildungspläne für G9, sagt Antje Kerdels vom Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn, könne der Wechsel von Real- oder Gemeinschaftsschüler an ein allgemeinbildendes Gymnasium "organischer ablaufen". Die Geschäftsführende Schulleiterin der Gymnasien in Heilbronn findet es gut, wenn Real- und Gemeinschaftsschüler die Chancen zum Abitur haben.

Kooperationen mit Gymnasien sind zumindest für Gemeinschaftsschulen nichts Neues, sagt Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Für Realschulen erwartet er einen Aufwand, denn schließlich müssten dafür Gymnasien gefunden und die Vereinbarungen geschrieben werden. Worin der Mehrwert liegen soll, kann der GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn nicht nachvollziehen: Schon jetzt gebe es für Realschulabsolventen den "Königsweg" (Schröder) über ein berufliches Gymnasium zum Abitur. In Heilbronn liege ein breites Spektrum vor, für Absolventen der zehnten Klasse sei das eine "wunderbare Situation".

Landesregierung verständigt sich auf die Reform des Bildungssystems: Das steht drin

Die Landesregierung einigt sich auf eine Reform des Bildungssystems: Sprachförderung in Kitas wird gestärkt. Zwei gleichwertige Wege führen zum Abitur (G9-Gymnasien, praxisnah und beruflich orientiert über Real- und Gemeinschaftsschulen). Werkrealschulen können Real- oder Gemeinschaftsschulen werden oder sich mit ihnen zusammenschließen. Die Grundschulempfehlung wird verpflichtend, es gibt mehr Ganztagsgrundschulen.

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