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G9 für alle? Was Schulleiter in der Region sagen und welche Hürden es gibt

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G9 schon ab Schuljahr 2025/26 ist das G9 wieder im Gespräch. Schulleiter sehen in der Umstellung komplexes Thema, aber Vorteile für Schulen und Schüler. Was für und was gegen die Einführung spricht.

Wenn es nach Ministerin Theresa Schopper geht, dann schreiben künftig wieder alle Schüler nach neun Jahren am Gymnasium das Abitur. Die Schulleiter begrüßen die Vereinheitlichung, sehen aber auch Herausforderungen.
Wenn es nach Ministerin Theresa Schopper geht, dann schreiben künftig wieder alle Schüler nach neun Jahren am Gymnasium das Abitur. Die Schulleiter begrüßen die Vereinheitlichung, sehen aber auch Herausforderungen.  Foto: Armin Weigel

Wird bereits im kommenden Jahr nach 20 Jahren G8 zurückgerudert und das Abitur an allen Gymnasien in der Region wieder nach neun Schuljahren absolviert? "Wenn es nach mir geht, wäre zum Schuljahr 2025/26 der richtige Zeitpunkt, dass dann wieder G9 eingeführt wird", sagte Theresa Schopper vor kurzem in einem Interview der Heilbronner Stimme.

Die baden-württembergische Kultusministerin wies dabei darauf hin, dass ihr Ministerium derzeit schon an einem inhaltlichen Entwurf für ein neues G9 arbeite. Doch wie realistisch sind Schoppers Pläne?

Stellen alle Gymnasien gleichzeitig auf G9 um? Heilbronner Sprecherin ist skeptisch

Antje Kerdels formuliert ihre Skepsis positiv: "Ich bin gespannt, wie sehr das Kultusministerium den angestrebten Zeitrahmen einhalten kann", sagt die Sprecherin der Heilbronner Gymnasien und Leiterin des Robert-Mayer-Gymnasiums (RMG). Denn das komplexe Thema der Umstellung berge einige Herausforderungen. "Wenn alle auf einmal umstellen, fehlt ein Abschlussjahrgang", gibt Kerdels etwa die Folgen für Universitäten und den Arbeitsmarkt allgemein zu bedenken.

Sollte daher jedes Gymnasium sukzessive umstellen und erstmal nur eine fünfte Klasse in G9-Form anbieten? Für größeren Unfrieden würde sicherlich sorgen, wenn nur eine Schule in der Raumschaft G9 anbietet, in Heilbronn also nur eins der fünf städtischen allgemeinbildenden Gymnasien. Darauf gebe es dann womöglich einen Run, sodass viele Anmeldungen abgewiesen werden müssten. Und bliebe der Hochbegabtenzug, den das RMG anbietet, bei G8? "Ich bin froh, dass ich mir solche Gedanken nicht machen muss", sagt Kerdels. Die Umsetzung müsse die Politik steuern, nicht die Schulen.

Vorteil von G9 an Gymnasien: Es gibt Zeit für den Reifeprozess

Allgemein begrüßt die Schulleiterin, dass G9 den Schülern zwar mehr Zeit gebe, persönlich zu reifen und dafür regelmäßigen außerschulischen Aktivitäten nachgehen zu können - vom Musizieren übers Sporttreiben bis zum Engagement in Vereinen und Kirchengruppen. Gleichzeitig findet Kerdels, dass die Anforderungen an die Schulen heute andere sind als vor 20 Jahren. Und daher G9 "einen Mehrwert jenseits der zeitlichen Entlastung der Schüler" bieten solle: "Aktuelle Schieflagen lösen wir nicht automatisch durch mehr Freizeit." Studierfähigkeit, Demokratieerziehung, Berufsorientierung sind ein paar der Felder, bei denen Kerdels die Gymnasien in der Verantwortung sieht: "Das kann nicht ressourcenneutral geschehen." Sie sieht daher die größten Probleme im Bereich der Lehrerversorgung. Das könne aber auch gut laufen, wenn es genügend Lehramtsabschlüsse gebe.

Rahmenbedingungen haben sich verändert

Dazu komme die Raumnot. Denn die Rahmenbedingungen fürs Unterrichten haben sich seit dem alten G9 stark verändert: Es gibt Ganztagsbetreuung, Mittagessen, es werden flexible Arbeitsräume für eine veränderte Unterrichtskultur und moderne Methoden benötigt. Während G9 besuchten etwa 1100 Schüler das RMG, heute ist es auch mit zirka 820 voll - bei gleich vielen Eingangsklassen. Personal, Räume, Finanzen: Das Kultusministerium hat einiges zu bedenken. Daher will sich die Stadt Heilbronn zu dem Thema auch noch nicht äußern. "Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle Überlegungen dazu reine Spekulation", lässt die Pressesprecherin Suse Bucher-Pinell verlauten: "Klare Aussagen zur räumlichen Situation sind erst möglich, wenn das Konzept vorliegt."

Wechsel muss für Schüler machbar sein

Edwin Straßer, Schulleiter am Ganerben-Gymnasium Künzelsau, blickt G9 positiv entgegen. "Es ist wichtig, dass Schüler keine Schwierigkeit haben, eine für sie passende Schule zu finden, wenn sie wegen eines Umzugs der Eltern beispielsweise wechseln müssen", plädiert Straßer für eine Vereinheitlichung der Systeme. Unterschiedliche Profile hätten das in der Vergangenheit erschwert. Das Ganerben-Gymnasium hat vier Eingangsklassen. Mit Blick auf ein neues Baugebiet der Stadt und die Rückkehr zu G9 könnten es in Zukunft wieder fünf Eingangsklassen werden. Denn: "Die Schüler, die zu uns kommen, haben eine Gymnasial-Empfehlung", berichtet Straßer. Doch nicht alle, die eine Gymnasial-Empfehlung haben, melden sich am Ganerben-Gymnasium an, sondern auf der Realschule.

Leiter des Hohenlohe-Gymnasiums Öhringen äußert sich positiv

Frank Schuhmacher, Leiter des Hohenlohe-Gymnasiums Öhringen (HGÖ), hat sich bereits gleich nach Bekanntwerden der Pläne zur Umstellung auf G9 positiv geäußert. Am HGÖ wurde erst jüngst der Schulversuch mit G9 verlängert, um den Wünschen der Eltern und Schüler zu entsprechen. Pro Jahrgang habe es nur ein oder zwei Interessenten für G8 gegeben. Die große Mehrheit will das Abitur in neun Jahren erreichen, weiß Schuhmacher.

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