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Eltern kritisieren geplante verbindlichere Empfehlung für weiterführende Schule

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Verbindlichere Grundschulempfehlungen und Verbundrealschulen: Die Landesregierung treibt ihre Bildungsreformpläne weiter voran. Die Opposition fühlt sich nicht mitgenommen, Eltern und Lehrer kritisieren die Pläne.

Schüler einer Grundschule arbeiten in einem Klassenzimmer an Mathematikaufgaben.
Schüler einer Grundschule arbeiten in einem Klassenzimmer an Mathematikaufgaben.  Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Nach dem zweiten Gespräch von Regierung und Opposition über mögliche gemeinsam getragene Bildungsreformen hat die Opposition die Gespräche für gescheitert erklärt. „Wir haben keinen Sinn gesehen, diese Gespräche fortzusetzen“, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch am Donnerstag im Kloster Bebenhausen bei Tübingen, wo die Runde getagt hatte. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte, er habe bei Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nur wenig Offenheit zu Gesprächen gesehen. Man sei vor die Wahl gestellt worden, das Regierungspaket zu unterschreiben oder eben nicht. Er wolle nun erneut zu Gesprächen der Fraktionschefs einladen, so Rülke.

Die Regierung will ihre Bildungsreformen allein umsetzen. „Wir kommen jetzt wieder ins normale Verfahren: Die Regierung regiert, die Opposition opponiert“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. Die grün-schwarze Koalition hatte Vorschläge für größere Reformen vorgelegt. Unter anderem will sie den Werkrealschulabschluss abschaffen und erreichen, dass sich bestehende Werkrealschulen mit Realschulen zu Verbundrealschulen zusammenschließen. Allgemeinbildende Gymnasien sollten bereits zum Schuljahr 2025/2026 wieder damit beginnen, in neun Jahren zum Abitur zu führen (G9). Verständigt hat sich Grün-Schwarz auch darauf, die Grundschulempfehlung wieder verbindlicher zu gestalten.

Grün-Schwarz will Grundschulempfehlung verbindlich einführen

Die Koalition hat eine recht klare Vorstellung davon, wie sie das Bildungssystem im Südwesten weiterentwickeln will. Am Donnerstag hat sie mit SPD und FDP darüber gesprochen. Die grün-schwarze Koalition peilt größere Reformen an. Unter anderem will sie den Werkrealschulabschluss abschaffen und erreichen, dass sich bestehende Werkrealschulen mit Realschulen zu Verbundrealschulen zusammenschließen. Allgemeinbildende Gymnasien sollen bereits zum Schuljahr 2025/2026 wieder damit beginnen, in neun Jahren (G9) zum Abitur zu führen. Verständigt hat sich Grün-Schwarz auch darauf, die Grundschulempfehlung verbindlich einzuführen.

Eine verbindliche Empfehlung wäre ein Rückschritt, sagte Joshua Meisel, Vorsitzender des Landesschülerbeirats einer Mitteilung zufolge. Dadurch werde die Bildungsgerechtigkeit in Baden-Württemberg eher behindert als gefördert.

GEW erwartet, dass Druck auf Kinder zunimmt

Laut Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) laufen derzeit Elterngespräche zur Grundschulempfehlung auf Augenhöhe, Eltern hätten das letzte Wort über die Wahl der weiterführenden Schulart. Einige Eltern würden zukünftig wieder "unliebsamere Noten" hinterfragen. Der Druck auf die Kinder nähme zu, sagt der GEW-Kreisvorsitzende Heilbronn. Dass G9 in eineinhalb Jahren beginnen soll, ist für ihn ein ambitioniertes Vorhaben.

Es gebe keine Bildungspläne dazu, obwohl G9 neu aufgestellt werden soll. Im Spätjahr gibt es immer Veranstaltungen für die Eltern von Viertklässlern. Bis dahin sollten seiner Ansicht nach Informationen vorliegen: Eltern wollen ja wissen, sagt er, was auf ihre Kinder zukomme.

Schafft Baden-Württemberg noch den Anschluss an führende Bildungsnationen?

"Trotz der Faszination einiger gesellschaftlicher Gruppierungen für G9 hat die Regierungskoalition ihren Blick geweitet und nun auch die Schulen der integrativen Säule neben dem Gymnasium in den Blick genommen", kommentiert Matthias Wagner-Uhl. Er ist Vorsitzender des Vereins der Gemeinschaftsschulen.

Matthias Wagner-Uhl sieht nun die Chance, dass die Schulwelt in Baden-Württemberg irgendwann doch noch den Anschluss an die international führenden Bildungsnationen schafft. Umso wichtiger sei, dass die Koalition das schulische Angebot neben dem Gymnasium keinesfalls auf eine Klientel der vermeintlich praktisch Begabten reduziert. "Die Jobs von morgen verlangen nach einem höheren Qualifikationsniveau, als wir es aus der Vergangenheit kennen - wer daran zweifelt, sollte sich mit den Erkenntnissen der OECD-Bildungsforscher rund um PISA-Chef Andreas Schleicher beschäftigen."

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