Situation in der Heilbronner Innenstadt: Leser erwarten mehr von der Verwaltung
In vielen Zuschriften an die Stimme kommt der Unmut über die Situation in der Heilbronner Innenstadt zum Ausdruck. Vielen Lesern ist das Angebot im Zentrum zu einseitig. Der Fokus der Stadt sei zu sehr auf Bildung gerichtet, lautet ein weiterer Vorwurf.

Auf die Berichterstattung über die Situation der Innenstadt von Heilbronn haben sich zahlreiche Leser gemeldet.
Dr. Klaus Hacker aus Neckarsulm ist der Meinung, dass die mehrmaligen Lockdowns den Innenstädten massiv geschadet haben und Kunden zum Einkaufen ins Internet getrieben haben. "Die Verwaltung sollte das erkennen und sich extrem stark bemühen, die Attraktivität der Innenstadt wieder herzustellen." Zur Ergänzung der außerordentlichen, großzügigen Hochschulförderung durch die Schwarz-Stiftung solle die Stadt eine ansprechende, den Bedürfnissen der Bewohner erfüllende Vision für die Stadt Heilbronn entwickeln.
Die Verlagerung der Drogenszene aus der Innenstadt sei Polizei und Verwaltung in der Vergangenheit immer wieder gelungen, schreibt Alfred Kulka aus Flein. "Dies müsste auch jetzt vor dem Rathaus - also in exponierter Lage - zumindest teilweise gelingen." Vielfalt und internationale Speiseangebote seien erfreulich, sollten aber nicht an jeder Straße und Ecke sein. Dafür könne man aber die Verwaltung nicht verantwortlich machen.
Ob dies der richtige Zeitpunkt sei, um über die Frage zu fachsimpeln, wie die Innenstadt attraktiver werden könne, fragt Gabriele Schüz-Bader aus Heilbronn-Sontheim. Maskenpflicht, 2G plus und ein abgesagter Weihnachtsmarkt tragen nicht gerade dazu bei. Dass Ludwigsburg ein anderes Flair als Heilbronn habe, liege an der dortigen historischen Bausubstanz. Außerdem gebe es durch Hochschulen und eine Filmakademie Studenten, die für eine sympathische Atmosphäre eine Rolle spielen. "Heilbronn als Lidl- Universitätsstadt hat's da einfach schwer."
Kerstin Stephan aus Heilbronn sagt, dass die Lebensqualität durch die momentanen Zustände in Heilbronn ziemlich reduziert sei. "Einkaufen oder bummeln in Heilbronn macht keinen Spaß mehr, im Gegenteil. Ab und zu unternehme ich mal einen Versuch - und flüchte nach kurzer Zeit doch wieder aus der Innenstadt heraus." Das "problematische" Publikum verunsichere Passanten. Städte wie Neckarsulm, Öhringen oder Weinsberg bevorzuge sie für Einkäufe in kleinen Fachgeschäften.
"Es wäre schön, wenn unser Oberbürgermeister seine Scheuklappen endlich abnehmen würde." Denn nicht nur Studenten und Mitarbeiter von großen Lebensmittelkonzernen seien Bürger der Stadt, sondern auch Heilbronner, die ihre Stadt schon l(i)ebenswerter und vielfältiger erlebt hätten. "Leider werden in der Verwaltung einseitige Prioritäten gesetzt und die Innenstadt dabei vergessen."
Leute mit entsprechender Kaufkraft seien kaum mehr Teil des City-Publikums, schreibt Murat Erimel auf der Stimme-Facebook-Seite. Die Gastro-Meile sei gut, aber eben nicht alles. "Ich fürchte, die Stadt selbst kann es nicht und ist den Entwicklungen hilflos ausgeliefert. Einfallslosigkeit und mangelnde Einflussnahme der Stadt, ihrer Ämter und des Stadtmarketings sind offensichtlich", schreibt der Heilbronner.
Die aus Erimels Sicht völlig abstrusen Mietpreisvorstellungen der Handvoll Besitzer der Innenstadtimmobilien kämen hinzu. "Kein Mensch und keine Innenstadt brauchen noch mehr Dönerbuden, mehr Nagelstudios, mehr Wettbüros, mehr Barbershops oder noch mehr falsch parkende AMGs." Man solle realistisch sein, was die Erwartungen anbelangt und jeden Unternehmer feiern, der etwas Neues in der Innenstadt versucht. Die Stadt selbst sei nicht schlecht, hinke aber meilenweit ihren Möglichkeiten hinterher.
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Kommentare
Wilfried Binder am 15.12.2021 17:35 Uhr
man am Wollhaus Wände, Dächer und Umfeld begrünt. Den Busbahnhof vor dem Wollhaus überdacht und mit begrüntem, begehbarem, Dachgarten versieht.
Mit Außengastronomien auf den begrünten Dächern, und die großen Verkaufsflächen im Wollhaus für kleine, vielfältige Geschäfte und diverse Gastronomien umgestaltet, schafft man ein attraktives Einkaufsquartier mit Aufenthaltsqualität.
Dazu ist ein umgestaltetes Wollhaus nach wie vor ideal erreichbar mit Busbahnhof, Tiefgarage, Taxi und einer noch zu schaffenden Radinfrastruktur.
Das "Grün" leistete einen nicht unerheblichen Beitrag gegen Hitze imSommer, zur CO2- und Feinstaubreduzierung und zur immer drängenderen Wasserspeicherung - Stichwort "Schwammstadt".
Als Beispiel möchte ich hier z.B. auf die Gebäudebegrünungsmaßnahmen in Singapour hinweisen.
Aus meiner Sicht sind Gebäude wie z.B. die Stadtgalerie (optisch wie ein Ufo in zu enger Parklücke) lieblos, ohne Erlebnis- und ergo auch ohne Aufenthaltsqualität.
Etwas mehr Mut und Gestaltungswillen und aus dem hässlichen Entlein ist ein Highlight urbaner Einzigartigkeit mit überregionaler Beachtung zu schaffen!