Keine Ruhe am Sontheimer Jörg-Ratgeb-Platz
Anwohner in Sontheim beschweren sich erneut über anhaltende Ruhestörungen. Die Stadt Heilbronn weist den Brennpunktvorwurf zurück.

Die Bilder und Videos, die Passanten gemacht haben, sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen junge Erwachsene beim Feiern, beim Koksen im Freien und beim Trinken. Pizzaschachteln liegen auf dem Boden, genauso wie leere Bierflaschen. Laute Musik dringt aus den aufgestellten Gettoblastern oder aus den Boxen der Autos. So laut, dass der ganze Platz beschallt wird.
Die Szenen sind am frühen Abend dokumentiert, genauso wie tief in der Nacht. An einem Feiertag steht gegen 22.30 Uhr ein Bierwagen am Platz und schenkt offenes Bier aus. "Das geht jetzt seit Jahren so. Wir sind hilflos und fühlen uns alleingelassen", versichern mehrere Anwohner übereinstimmen.
Fast tägliche Feiern
Nach ihren Aussagen habe sich auf dem Jörg-Ratgeb-Platz in Sontheim nichts geändert, seit die Heilbronner Stimme im Oktober 2021 darüber berichtet hat. "Fast jeden Tag feiern die Jugendlichen lautstark bis 23 Uhr und am Wochenende bis 2 oder 3 Uhr oder bis die Polizei kommt", berichtet ein Anwohner, der seinen Namen aus Angst vor Repressalien nicht offen nennen will. "Wenn wir uns beschweren, werden wir blöd angemacht", betont eine Frau. Auch Drohungen habe es bereits gegeben. "Es ist unmöglich auf dem Balkon zu sitzen, oft können wir nicht einmal fernsehen", klagt eine weitere Anwohnerin.
"Die Polizei kommt zwar, greift aber nicht durch", lautet der Vorwurf eines älteren Herren. Alle haben sich in den vergangenen Tagen an die Heilbronner Stimme gewandt. Für die Polizei stellt sich die Situation anders dar. "Wir hatten in drei Monaten - überwiegend am Wochenende - 13 Einsätze wegen Ruhestörungen", bilanziert Pressesprecher Carsten Diemer. Damit sei der Platz aus polizeilicher Sicht eine Örtlichkeit, die im Vergleich nicht besonders auffällig sei. Andere Örtlichkeiten in der Stadt würden deutlich häufiger angefahren.
Pauschale Stigmatisierung
Auch Harry Mergel weist den Vorwurf zurück, der Jörg-Ratgeb-Platz sei ein Brennpunkt. "Wir wenden uns entschieden gegen diese Behauptung", betont der Oberbürgermeister. "Für diese pauschale Stigmatisierung gibt es keinerlei Belege. Vielmehr werden die dort wohnenden Menschen durch diese falsche und fahrlässige Behauptung ungerechtfertigterweise diskriminiert", sagt Mergel auf Anfrage. Für die Bürger vor Ort klingt das wie Hohn. "Harry Mergel hat nicht verstanden, dass wir bedroht werden und physisch und psychisch an den Folgen der Störungen leiden", klagt eine Sontheimerin.
Bei der Bürgerversammlung am 26. Oktober 2021 in Sontheim hatte Mergel noch von "Licht und Schatten" am Jörg-Ratgeb-Platz gesprochen und zugegeben, dass "unser Ordnungsdienst abends regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf Platzverweise und Bußgelder erteilen muss, um zu verhindern, dass dort nächtliche Ruhestörung zum Alltag wird".
Nehmen Beschwerden ernst
Auch in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung am 3. Mai stand das Thema auf der Tagesordnung. "Wir nehmen ihre Beschwerden sehr ernst", verspricht der neue Leiter des Sontheimer Polizeipostens Nico Mariano. Aber rein statistisch gesehen ist der Jörg-Ratgeb-Platz kein Brennpunkt", sagt auch der Polizeioberkommissar.
"In letzter Zeit haben wir verschiedene Gruppierungen angetroffen und auch eine alkoholisierte Person, die die Provokation gesucht hat", schildert Michael Schwihel, Leiter vom kommunalen Ordnungsdienst die Lage. Den Mann habe man wegen Ruhestörung angezeigt. "Für uns ist der Jörg-Ratgeb-Platz schon ein Einsatzschwerpunkt", sagt Schwihel. Deshalb sei der KOD auch häufiger vor Ort. Auch die Polizei will den Verfolgungsdruck hochhalten. Wir werden auf jeden Fall weiter regelmäßig kontrollieren", verspricht Nico Mariano.
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