Fußballfans in Kneipen: WM-Stimmung sinkt noch ein bisschen weiter

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Anhänger hadern ohnehin mit Umständen der WM in Katar. In den Kneipen müssen sie auch noch eine deutsche Auftakt-Pleite verdauen.

Von Stefanie Pfäffle
An der Dekoration hat es nicht gelegen: Die Monkey Bar in Heilbronn hat schwarz-rot-gold geflaggt und war zum deutschen WM-Auftakt am Mittwochnachmittag gut besucht. Die Niederlage gegen Japan drückte die Stimmung.
An der Dekoration hat es nicht gelegen: Die Monkey Bar in Heilbronn hat schwarz-rot-gold geflaggt und war zum deutschen WM-Auftakt am Mittwochnachmittag gut besucht. Die Niederlage gegen Japan drückte die Stimmung.  Foto: Seidel, Ralf

Und sie kommen doch: Trotz vieler Boykott-Aufrufe treffen sich am Fans in manchen Kneipen der Region, um Deutschlands ersten Auftritt bei der Fußball-WM in Katar zu verfolgen. Die angesichts der viel kritisierten Begleitumstände ohnehin nicht prickelnde Stimmung erhält einen weiteren Dämpfer.

Eine Viertelstunde vor Spielbeginn ist es im Haudi in Flein ruhig. Drei Gäste sind da. "Viele kommen aber auch erst zum Anpfiff", weiß Wirt Wolfgang Hauth. Mit 32 Jahren als Sportkneipier hat er viel Erfahrung. "Die große Stimmung war bisher nicht, die Leute haben halt geguckt, wenn sie eh da waren." Mit dem Start der Nationalkicker gehe es hoffentlich los. "Aber viele, die eh immer nur EM und WM schauen, sagen: Nö, diesmal nicht." Kein Wunder nach dem jüngsten Ärger um das kurzfristig verhängte Bier-Verbot in den Stadien vor Ort. "Wenn man zwei Tage vorher Vereinbarungen kippt, unglaublich ist das."

 


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Fußballgucken ohne Trikot

Wirt Timo Gries (rechts) schaut das deutsche Auftaktspiel bei Kollege Wolfgang Hauth im Haudi in Flein.
Wirt Timo Gries (rechts) schaut das deutsche Auftaktspiel bei Kollege Wolfgang Hauth im Haudi in Flein.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Unter den Gästen in Flein ist Timo Gries, Wirt der Gaststätte am Michaelsberg in Cleebronn. Die hat aktuell unter der Woche zu, deswegen nutzt er die Gelegenheit, um beim Kollegen Fußball zu gucken. Ohne Trikot allerdings, das trägt auch sonst niemand. Nur seine Brille ist schwarz-rot-gelb. "Momentan bin ich noch nicht so begeistert", gibt er zu. Allerdings könne man den Spielern, die jahrelang auf diesen Moment hintrainiert hätten, keinen Vorwurf machen. Als die WM vergeben wurde, waren die höchstens Teenager. Das sieht Manfred Antl ähnlich. "Jetzt sollte man die Diskussionen sein und sie spielen lassen, aber danach müssen sich die Verbände überlegen, ob sie die Fifa brauchen oder nur umgekehrt", findet der Fleiner. Man könne aber nicht drei Tage vorher mit Dingen anfangen, die man zehn Jahre lang versäumt habe.

Trikots liegen wie Blei in den Läden, Autofähnchen habe er auch noch keine gesehen, überlegt Hauth. Nur an der Uhrzeit könne der geringe Zuspruch auch nicht liegen. "Als bei der WM in Japan Freitagmorgen um halb neun Brasilien gegen England gespielt hat, saßen hier 30 Leute."

 


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30 Gäste in der Kneipe

Kurz vor dem Halbzeitpfiff in der Monkey Bar in Heilbronn. Pächter Markus Uhl hat in Sachen Schwarz-Rot-Gold ordentlich aufgefahren - Flaggen, Fähnchen, Girlanden, Blumenketten, Luftschlangen. Für ihn ist es die erste WM als Kneipier. "Bei den anderen Spielen war kein Interesse da, aber Deutschlandspiele ziehen halt doch noch", meint er zufrieden mit Blick auf die knapp 30 Gäste. Gleich im Eingangsbereich sitzt eine große Gruppe, die aber nicht "offiziell" da ist, wie zum Gesprächsstart sofort erklärt wird.

 


One-Love-Binde: Sanktionen hätten besser akzeptiert werden sollen

Alles klar, im hinteren Bereich sind weitere Tische mit Gruppen besetzt. Mario Schlotterbeck ist der einzige im Nationaltrikot. "So richtig Bock hab" ich nicht, die Stimmung ist einfach nicht wie im Sommer, jetzt ist Weihnachtszeit", stellt er fest. Zur Diskussion um die One-Love-Armbinde kann er nur sagen: "Wenn man "nen Arsch in der Hose gehabt hätte, hätte man die Sanktionen akzeptiert, wenn es einem so wichtig ist."

Die Geste der Spieler, die sich beim Mannschaftsfoto die Hand vor den Mund halten, finden er und Kollege David Funke gut. "Protest muss schon sein, die zwei Reporterinnen mit dem Regenbogentrikot und der Armbinde, das war top", sagt Funke. Aber: Elf Jahre hätte kein Hahn danach gekräht. "Die andere Seite sind ja auch die Spieler, für die ist es das größte Ziel, bei einer WM zu spielen. Die Jungs können nichts dafür." Für ihr Spiel können sie schon was. Am Ende heißt es 1:2 gegen Japan.

 


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Unbezahlt zum Spiel

Während der bezahlten Arbeitszeit dürfen Arbeitnehmer in der Regel wohl nicht Fußball schauen, wie die folgenden Beispiele aus der Region zeigen. Mitarbeiter des Sporthandelsverbunds Intersport in Heilbronn können zwar in der Sportsbar des Messezentrums Redblue alle Spiele der WM verfolgen. Sie müssen dazu allerdings ausstempeln und sich zuvor mit ihrer Abteilung abgesprochen haben. Das Interesse konzentriere sich momentan auf die deutschen Spiele, berichtet Vorstandschef Alexander von Preen. Bei der Würth-Gruppe in Künzelsau gibt es ebenfalls eine einfache Regelung, wie Pressesprecherin Sigrid Schneider erklärt: "Außerhalb der Arbeitszeit, also auch in den Pausenzeiten, steht es den Mitarbeitenden selbstverständlich frei, die WM-Spiele zu verfolgen."


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