WM-Start am Sonntag: Wie verkaufen sich Fan-Artikel?
Katar und Fifa lassen viele Menschen kritisch auf die Weltmeisterschaft blicken. Dabei waren die Turniere früher oft auch für den Handel attraktiv. Zieht die WM in Öhringen und Künzelsau noch Kundschaft an? Wie es um den Verkauf von Fan-Artikeln steht und womit Kneipenwirte beim Gastro Viewing rechnen.

Sonntag geht es los. Wenn man am Tag vor der Fußball-Weltmeisterschaft durch die Innenstadt von Öhringen spaziert, sieht man frisch montierte Weihnachtsbeleuchtung, doch Hinweise auf die sportliche Großveranstaltung sind Mangelware. Wie steht es um die WM-Stimmung? Ob die Weltmeisterschaft im Handel eine Rolle spielt und ob Kunden nach Fanartikeln suchen - dazu haben wir uns vor Ort umgehört.
Fan-Artikel in Schwarz-Rot-Gold erweisen sich als Ladenhüter
Während in den Auslagen vor dem Ein-Euro-Laden Tedi nur wenige Utensilien in Schwarz-Rot-Gold liegen, werden im Inneren Türkei- und Deutschlandflaggen verkauft, berichtet ein Verkäufer. Seine Kolleginnen und er können sich aber nicht an einen einzigen Fanartikel erinnern, der in den letzten Wochen über die Theke ging.
"Die WM-Stimmung ist völlig ausgeblieben", sagt Michael Rehklau von Intersport Gross. Am Eingang gibt es diverse Bälle in Metallkörben, doch der offizielle WM-Ball wird im ersten Stock verkauft. Verkäufer Rehklau zeigt Al-Rihla - das runde Leder, benannt nach dem arabischen Wort für Reise. "Artikel zur WM finden gar keine Nachfrage - nichts im Vergleich zu 2006".
Selbst Trikots der Nationalelf finden kaum Absatz

Rehklau erinnert sich noch an "den Run" bei der Weltmeisterschaft in Deutschland, doch jetzt sei "die Stimmung für die WM schlecht". Und andere Fanartikel? "Noch verkaufen wir keine Trikots, aber kurzfristig kommt eine kleine Stückzahl". Man hoffe, dass zu Weihnachten welche verschenkt werden.
"Nur vier, fünf Mal haben Kinder nach WM-Trikots gefragt", sagt Sven Reichert von Teamsport 89 in Künzelsau, wo neben Wander- auch Fußballartikel verkauft werden. "Wir sind auf eine Marke festgelegt, wir haben VfB-Trikots, aber keine WM-Artikel." Seine Kollegin Viktoria Bauer fügt hinzu: "Kommt man in den Laden, denkt man nicht, dass WM ist." Reichert zufolge bleibe der "Hype" generell einfach aus.
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Augenfälliger ist es bei der Bücherwelt Heyer in Öhringen: Ein Schaufenster widmet sich den Spielen und Katar. Julia Heyer betont, ihr sei wichtig gewesen, sowohl das Land, als auch den Sport, sowie konkret das Turnier breit aufzugreifen.
Öhringer Buchhändlerin will bei Passanten die WM in vielfältiger Art ansprechen
Neben Fußballer-Biografien liegt Lektüre zu Land und Leuten aus, neben ins Arabische übersetzten Kinderbüchern gibt es kritische Sachbücher zur Menschenrechtssituation und WM-Vergabe. "Ich wollte auf die Diskussionen um Katar hinweisen", sagt die 34-jährige Buchhändlerin. Kunden, mit denen Heyer spricht, sehen die WM oft kritisch, "doch das Interesse hält sich insgesamt sehr in Grenzen", sagt Heyer. Das Jugendbuch mit dem Titel "Der WM-Adventskalender" lässt aufhorchen - ist die Jahreszeit Grund für das Desinteresse? "Vielleicht, aber es kann sich ändern, falls die Nationalelf gewinnt", mutmaßt Heyer. So, wie der Appetit beim Essen kommt.
Gastwirte erwarten Fußballfans, konstatieren aber schwach ausgeprägte Grundstimmung
Im Café de Paris in Öhringen wird seit 25 Jahren Fußball übertragen, betont Stefanos Stefanidis, auch für das morgige Eröffnungsspiel zwischen Katar und Ecuador hätten sich bereits Stammgäste angekündigt. "Die sind alle fußballverrückt", bestätigt Stefanidis, daher werde er alle Spiele zeigen. Mit welchem Andrang er rechne, kann er nicht sagen, Reservierungen für das Restaurant lägen vor. "Die Stimmung ist sehr verhalten, wir lassen uns überraschen, wie viele zur WM-Eröffnung kommen."
Der Betreiber des Oxn, Konstantin Papadopoulos war sich eine Zeit lang nicht sicher, ob er WM-Spiele in seinem Künzelsauer Lokal zeigen wolle. Nun ist klar: die Wettkämpfe der Nationalelf zeigt er sicher. "Auf Nachfrage auch andere, gerade für Spiele von Kroatien oder Serbien interessieren sich hier viele Gäste", sagt Papadopoulos.
Verzicht von WM-Übertragung auf Weihnachtsmarkt
In den vergangenen Monaten hatten Gemeindeverwaltungen unter anderem in Frankreich erklärt, als kritisches Statement gegenüber der Weltmeisterschaft in Katar, Public Viewing zu verbieten. Im Oktober hieß es von der Stadt Künzelsau, man plane das erste Spiel der Nationalelf auf der Bühne bei "Advent am Schloss" zu zeigen. Nachgefragt, ob es dabei bleibe, sagt Renate Kilb von der Stadtverwaltung, man habe am Mittwoch beschlossen, auf die Übertragung zu verzichten. "Weihnachtsmarkt und Fußball-WM passen nicht zusammen", so Kilb.


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