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Explodierende Preise und Mangelwaren in der Gastronomie

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Die Folgen des Kriegs in der Ukraine kommen jetzt im Restaurant an. Preise für Fleisch und Mehl gehen durch die Decke. Speiseöle sind nicht mehr lieferbar.

Foto: weyo/stock.adobe.com
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Die Gastronomiebetriebe kommen nicht zur Ruhe. Nachdem die Corona-Pandemie die Branche mehr als zwei Jahre lang mit Schließungen, Einschränkungen und ständig wechselnden Verordnungen auf Trab hielt, kommen nun die Lieferengpässe ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine in den Hotels, Restaurants und Gaststätten der Region an.


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"Fritten und Chips könnten der Kaviar der Zukunft sein." So formuliert es der Heilbronner Stadtverbandsvorsitzende des Dehoga Thomas Aurich überspitzt. Fakt ist aber, dass inzwischen Frittierfett und Sonnenblumenöl Mangelware sind. "Mir berichten Kollegen von Vorfällen, dass angekündigte Lieferanten einfach nicht mehr kommen, weil sie keine Ware liefern können", schildert der Gastronom die Lage.


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Leere Regale für Öl und Mehl

"Viele Lieferanten verteilen Frittierfett nur noch an Stammkunden. Zusatzware gibt es nicht und Neukunden werden überhaupt nicht mehr aufgenommen", hat Carsten Höß, Chef der Gaststätte zum Fischerheim in Sontheim, festgestellt.

"Ich gehe jetzt zum dritten Mal in dieser Woche einkaufen und bekomme einfach keinerlei Öl. Und auch Mehl gibt es auch kaum noch", klagt auch Alexander Fritz vom Hotel-Restaurant Sonne in Talheim. Zudem seien die Preise innerhalb eines Jahres um rund 100 Prozent gestiegen. "Ich halte das jetzt noch eine Woche aus, dann bin ich durch", betont der 56-Jährige. Auf bestimmte Speisen und Zutaten müsse er dann im Restaurant verzichten. "Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass wir einmal Verhältnisse wie in der DDR bekommen", sagt Fritz. Zunehmend würden jetzt auch andere Produkte wie Reinigungsmittel aus den Regalen verschwinden.


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Lieferengpässe und Personalnot

Das zweite große Problem in der Gastronomie ist die Belieferung mit hochwertigem Rindfleisch. Hierbei kommen zwei Faktoren zusammen. Die Lieferengpässe vor allem bei argentinischem Fleisch auf den Weltmärkten, weil russische Frachter nicht mehr fahren, und die Mitarbeiternot in den Schlachthöfen und Zerlegebetrieben. "Die Containerpreise verzehnfachen sich gerade. Dieselpreise und Personalengpässe sorgen zudem für schwere Störungen im Warenfluss und für eine enorme Verteuerung", sagt ein Schlachthofmitarbeiter, der nicht genannt werden möchte.

"Aktuell verarbeiten wir Preiserhöhungen von bis zu 100 Prozent", so der Mitarbeiter. Hinzu kommen explodierende Energiepreise. "Prozesswärme wird unbezahlbar. Neue Kontrakte für Strom und Öl kosten bis zu 120 Prozent mehr als 2021", schildert der Mann die Lage in der Branche. Und noch ein Effekt schlägt langsam durch. Der Krieg in der Ukraine stört nun auch die Landwirtschaft schwer, weil deutlich weniger Erntehelfer kommen werden.

Preisspirale macht Sorgen

Dadurch werden die Preise weiter steigen. "Ich habe vor drei Tagen Rindfleisch eingekauft. Das Kilogramm ist bereits sechs bis sieben Euro teurer als noch vor zwei Wochen", hat Martin Kübler festgestellt. "Allein bei einem Rostbraten macht das 1,50 Euro aus", rechnet der Dehoga-Chef im Landkreis Heilbronn vor. "Hinzu kommen die Fritierfettpreise und die steigenden Personalkosten. Da kommt gerade eines zum anderen", klagt Kübler. Immerhin stellt der Betreiber der Neckarsulmer Ballei und des Clubhauses im Bad Rappenauer Golfclub fest, dass die Menschen wieder verstärkt in die Restaurants gehen. "Der À-la-carte-Bereich hat sich gut entwickelt. Die Gäste kommen langsam wieder und freuen sich, dass die Corona-Einschränkungen fallen", sagt Kübler. Dagegen herrsche bei Feiern und Tagungen weiterhin Zurückhaltung.

Derweil sieht Thomas Aurich das nächste Problem auf die Branche zukommen. "Ich glaube die Pasta wird bald einen ähnlichen Stellenwert bekommen wie Pommes frites", schätzt der Dehoga-Chef. Mit denselben Folgen wie Lieferengpässe und Preissteigerungen.

 

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