Die wichtigsten Antworten zum Thema Organspende
Die Entscheidung im Bundestag treibt viele Menschen in der Region um. Wir haben mit einigen gesprochen und geben Antworten auf häufig gestellte Fragen der Stimme-Leser.

Die Entscheidung zur Reform der Organspende in Deutschland treibt die Stimme-Leser um. Dutzende emotionale Zuschriften haben uns erreicht. Kritik und Zustimmung zu dem Ergebnis und unserer Berichterstattung halten sich die Waage. In einer E-Mail berichtet eine Intensivpflegerin von der großen Unsicherheit, die Angehörige oft empfinden, wenn sie den geliebten Menschen vermeintlich "ruhig schlafen" sehen.
Sie hätten dann Zweifel, ob der Tod auch wirklich eingetreten sei. Einige Leser beklagen die in ihren Augen nicht ausreichenden Informationen zum Thema. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen und geben Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Gibt es genügend Informationen?
Im Vorfeld der Entscheidung haben die Medien ausführlich berichtet. Auch wer sich im Internet schlau machen möchte, hat auf vielen gut verständlichen Seiten die Möglichkeit dazu − etwa unter der Adresse www.organspende-info.de der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung oder direkt bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) unter www.dso.de. Im November war Christina Schleicher, Geschäftsführende Ärztin der DSO-Region Baden-Württemberg, bei der Abendvorlesung unter der Pyramide. Hier können unsere Abonnenten den Bericht zur Abendvorlesung nachlesen.
In diesem Video erfahren Sie, wie eine Organspende abläuft:
Informiert der Arzt?
Patienten können sich bei ihrem Hausarzt informieren. Peter Abend, der 35 Jahre lang niedergelassener Arzt in Gundelsheim war, sagt, in den Praxen gebe es Informationsmaterial, das von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werde. Die Frage, ob er während seiner ärztlichen Tätigkeit häufig auf das Thema angesprochen worden ist, verneint er: "Das war eher ein Nebenaspekt, etwa wenn es um eine Patientenverfügung ging." Abend glaubt, dass es für Laien ohnehin schwer ist, die komplexe Materie umfassend zu verstehen.
Wird in Krankenhäusern auch alles für Organspender getan?
Dazu sagte Christina Schleicher bei der Abendvorlesung: "Jeder kommt als Patient in ein Krankenhaus, nicht als Organspender." Bei schweren Hirnschäden würde immer alles angewandt, was die Hightech-Medizin zu bieten habe. Irgendwann komme dann der Punkt, zu entscheiden, "in welche Richtung die Reise geht": Verbesserung oder Verschlechterung? Wie ist der Verlauf bei dem Patienten? Genesung, gar Heilung? Oder ist die Situation aussichtslos, gibt es vielleicht schon Symptome eines Hirntods?
Wie sicher ist die Hirntod-Diagnostik?
Die Frage nach der Sicherheit der medizinischen Voraussetzung für eine Organspende stellten wir 2018 dem früheren SLK-Anästhesisten Axel Menzebach, der inzwischen Chefarzt am Donau-Isar-Klinikum in Deggendorf ist. Der Klinikverbund wurde damals zum wiederholten Mal mit dem bayerischen Organspendepreis ausgezeichnet, von dort kommen regelmäßig viele Organspenden. Menzebachs Antwort in Auszügen: "Der irreversible Funktionsausfall des Gesamthirns gilt als Kriterium für den Tod. Für mich gibt es keinen Zweifel, dass ein Mensch tot ist, wenn dieser Funktionsausfall nach ärztlichem Protokoll festgestellt ist. Die Kriterien dafür sind sehr streng. Es gibt eine körperlich-neurologische Untersuchung. Schon dabei ist eine externe Manipulation unmöglich. Ein Beispiel: Wenn man mit einem Wattestäbchen das Auge leicht berührt, setzt sofort der Reflex ein, das Auge zu schließen, wenn das Gehirn noch funktioniert, das kann man nicht verhindern. Zusätzlich wird das Gehirn mit Apparatemedizin untersucht. Dabei sieht man, ob Hirnregionen noch durchblutet werden oder nicht."
Könnten "hirntote" Patienten vor der Organentnahme aufwachen?
Im Internet kursieren Berichte, wonach "hirntote" Patienten kurz vor der Organentnahme wieder aufgewacht seien. Kann das sein? Nein, sagte Christina Schleicher bei der Abendvorlesung. "Mir ist kein einziger solcher Fall bekannt. Und bei diesen angeblichen Wunderfällen ist kein einziger dabei, bei dem der Hirntod zuvor nach den gültigen Richtlinien festgestellt worden war." Bei www.organspende-info.de heißt es dazu: "Auch wenn unter künstlicher Beatmung das Herz-Kreislauf-System aufrechterhalten werden kann, baut sich beim Vorliegen des Hirntods das Hirngewebe nach und nach vollständig ab. Eine Rückkehr ins Leben ist ausgeschlossen. Der Befund ist eindeutig. Die Untersuchungen der Hirntoddiagnostik verhindern eine Verwechslung mit anderen Erkrankungen und Symptomen, zum Beispiel Koma, Wachkoma oder Locked-in-Syndrom. Bei diesen Erkrankungen können noch einige Hirnstammreflexe nachgewiesen werden. Das ist beim Hirntod nicht der Fall."

Stimme.de
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