Die Kritik an Corona-Schnellteststationen wächst

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Überprüfungen zeigen gravierende Mängel bei zahlreichen Schnelltestzentren. Seit September sind allein in Baden-Württemberg 915 Millionen Euro an Kosten für Tests aufgelaufen.

 Foto: Oliver Berg (dpa)

Die Corona-Pandemie ist seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges in den Hintergrund gerückt. Lediglich Ärzte, Pflegepersonal und Nutzer von Bus und Bahn, müssen noch Maske tragen. Beim Einkauf und Restaurantbesuch verzichten die meisten Bürger inzwischen auf den Mund-Nasen-Schutz.

Die Corona-Schnellteststationen halten sich allerdings hartnäckig in Stadt und Land, auch wenn ihre Zahl in den vergangenen Wochen leicht zurückgegangen ist. Im Landkreis Heilbronn gibt es immerhin noch 255 aktive Teststellen. Zu Spitzenzeiten lag ihre Zahl deutlich über 400. Im dünn besiedelten Hohenlohekreis sind es noch 25 Testzentren.


Mehr zum Thema

Fußgänger gehen an einer Teststation in der Innenstadt vorbei.
Stimme+
Meinung
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Vertrauensverlust wegen Betrug mit Corona-Schnelltests


Bund hält an Testverordnung fest

Auch wenn viele Länder und Kommunen inzwischen fordern, die Schnellteststationen zu schließen, hält der Bund an seiner Coronavirus-Testverordnung fest. Der Anspruch auf die sogenannten Bürgertests wurde vom Gesundheitsministerium sogar bis zum 30. Juni dieses Jahres verlängert. "Auch wenn die Inzidenzen langsam zurückgehen, ist es zu früh für eine Entwarnung. Das Virus zirkuliert nach wie vor und Tests sind Bestandteil einer präventiven Pandemiebekämpfung", begründet dies eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums auf Anfrage. Im Gesundheitsministerium des Landes sieht man das anders.

"Aufgrund der sinkenden Zahlen plädiere ich dafür, dass wird die Testung wieder in professionelle Hände übergeben und wegkommen von Laien-Testungen durch fachfremde Anbieter", betont der Amtschef im Gesundheitsministerium Uwe Lahl. "Das würde dem Bund viel Geld sparen und den Missbrauch reduzieren", redet der Ministerialdirektor Klartext. Um wie viel Geld es geht, zeigt ein Blick auf die Abrechnungen. Von September 2021 bis Ende April 2022 bezahlte der Bund für Corona-Bürger-Tests mehr als 5,5 Milliarden Euro. In Baden-Württemberg waren es 915 Millionen Euro.


Mehr zum Thema

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist auf 1240,3 gesunken.
Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Angestellte von Corona-Testzentren in der Region kontrolliert


Beschwerden nehmen zu

Dass Betreiber von Corona-Schnellteststationen nicht immer sauber abrechnen, liegt dabei auf der Hand (wir berichteten). Weil zunehmend Beschwerden eingingen, hat das Land einen externen Dienstleister beauftragt, Teststellen zu kontrollieren.

Bei der Überprüfung von 212 Teststellen zwischen 24. Februar und 30. März seien bei rund 58 Prozent gravierende Mängel festgestellt worden. "Bei der Hälfte der Fälle war keine Einsicht in die geforderten Dokumente möglich. Hygienische Mängel wiesen 15 Prozent der Teststellen auf", zählt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf. Ein großes Ärgernis sind in der Bevölkerung Gutscheine, mit der Stationen nach wie vor für die Tests werben. In fünf Fällen hatte die Stadt Heilbronn das zuständige Regierungspräsidium informiert. Geworben wird für Freigetränke in Kombination mit Schnelltests aber immer noch an vielen Stellen der Stadt.


Mehr zum Thema

Ein Mann lässt einen Corona-Schnelltest machen.
Foto: dpa
Stimme+
Lauffen
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Ermittler nehmen mutmaßliche Corona-Betrüger aus Lauffen fest


Betrug bei Teststationen

Die Betrugsfälle, die Betreibern von Corona-Teststationen vorgeworfen werden, häufen sich. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen wirft jetzt einem 50-Jährigen vor, 2021 für eine Teststation im Main-Tauber-Kreis Tests gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung falsch abgerechnet zu haben. Der Schaden wird auf rund 500 000 Euro geschätzt. Bei einer Durchsuchungsaktion am 28. April konnten Beweismittel und Bargeld beschlagnahmt werden. Anfang Mai ermittelte die Kriminalpolizei in der Region in neun Fällen wegen Betrugs. Im Hohenlohekreis soll ein Mann dabei mehr als eine Million Euro Schaden verursacht haben, weil er eine hohe fünfstellige Zahl an Test abrechnete, die nie durchgeführt worden sind.

 

Dieser Artikel wird in unserem Nachrichten-Podcast MorgenSTIMME erwähnt - für weitere Nachrichten aus der Region, Deutschland und der Welt, können Sie hier den ganzen Podcast anhören.

Mit dem Podcast MorgenSTIMME informieren wir Sie von Montag bis Freitag über die wichtigsten lokalen, regionalen und nationalen Nachrichten auf Stimme.de und überall, wo es Podcasts gibt.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben