Was wäre, wenn: So sind Heilbronn und Hohenlohe auf eine neue Pandemie vorbereitet
Vor einem Jahr endeten letzte Corona-Einschränkungen: Welche Lehren haben Schulen, Wirtschaft und Behörden aus der Pandemie gezogen, und was passiert, wenn es wieder eine gibt? Wir haben uns in Heilbronn und Hohenlohe umgehört.

Monatelanger Unterricht zu Hause, den Lehrer nur in der Videokonferenz oder mit Papierunterlagen an der Haustür: Die Isolation der Schüler wirkt nach. So weit soll es nicht mehr kommen. Das ist das erklärte Ziel der Bildungsverantwortlichen, sollte eine nächste Pandemie ausbrechen. Viviane Kalisch geht davon aus, dass niemand lange Schulschließungen hinnehmen würde – aufgrund der Erfahrungen durch Corona. „Die Folgen werden uns noch lange beschäftigen“, sagt die Vorsitzende des Heilbronner Gesamtelternbeirats. Gut vorbereitet auf eine Pandemie mit kurzzeitigem Online-Unterricht seien Schulen, sagt Viviane Kalisch. „Die technischen Möglichkeiten sind weitestgehend bei allen Schulen angeschafft worden.“ Auch Lehrer hätten sich ausreichend weitergebildet. Allerdings: Heilbronn ist ein Sonderfall, weil hier in den nächsten Jahren alle Schüler ein digitales Gerät bekommen sollen.
Jana Kolberg, GEW-Vorsitzende aus Hohenlohe, ist weit skeptischer, auch wenn der rechtliche Rahmen für Fernunterricht gegeben sei. Lehrer hätten keine eigene E-Mail-Adresse durch das Land. Ebenfalls fehle eine einheitliche Lernplattform. Sie fordert mehr Lehrer – nur so ließen sich beispielsweise Klassen teilen, wie es während Corona zeitweise üblich war.
Wirtschaft in der Region Heilbronn: Kammern setzen in der Pandemie-Vorsorge auf Erfahrung
In der Wirtschaft muss jedes Unternehmen selbst für eine mögliche Pandemie vorsorgen, abgestimmte Pläne etwa der Kammern gibt es nicht. „Während der Corona-Pandemie hat die IHK Heilbronn-Franken – wie jedes Unternehmen – ein internes Hygienekonzept entwickelt und umgesetzt. Das ist natürlich im Fall einer Wiederholung abrufbar und kann auch angepasst werden“, teilt die IHK mit. Darüber hinaus hat die IHK Corona-Beratungsleistungen angeboten. Auch die können wieder erfolgen, falls notwendig.
„Im Falle einer erneuten Pandemie könnte die Handwerkskammer Heilbronn-Franken auf ihre Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zurückgreifen“, teilt die Handwerkskammer mit. „Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, unsere Prozesse weiter zu digitalisieren, so dass heute ein Großteil unserer Mitarbeiter in der Lage ist, problemlos von zu Hause aus zu arbeiten. Die Handwerkskammer wäre daher weiterhin in der Lage, ihr Leistungsspektrum vollumfänglich anzubieten. Unsere Beratungen können sowohl telefonisch als auch per Videokonferenz durchgeführt werden“, heißt es.
Die Handwerkskammer könnte jederzeit das Hygienekonzept reaktivieren, das sich während der Pandemie bewährt hat (Abstand, Plexiglasscheiben, Ausgabe von Corona-Tests und FFP2-Masken).
SLK-Kliniken Heilbronn haben aus der Corona-Pandemie gelernt
Die Corona-Pandemie hat das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen gestellt, zudem hat sie aufgezeigt, welche Schwachstellen besonders im Klinikbereich vorliegen. „Auch zukünftig wird der Ausbruch einer Pandemie nur sehr begrenzt planbar sein“, erklärt Mathias Burkhardt, Pressesprecher der SLK-Kliniken Heilbronn.
Dennoch habe man durch die Pandemie hilfreiche Erfahrungen gesammelt, die bei einer erneuten Krise helfen würden, schnell zu reagieren. „Dazu gehört ein Organisationskonzept, das aufzeigt, wie wir Ressourcen innerhalb des Verbundes so nutzen, dass wir die akute Situation möglichst gut bewältigen, aber auch die Regelversorgung nicht aus den Augen verlieren – etwa mit einer angepassten Stationsstruktur.“ Zudem würde eine Pandemie-Lenkungsgruppe mit Entscheidungsgewalt eingesetzt werden. „Wir haben zudem unsere Lieferketten, vor allem in Bezug auf Schutzkleidung und Versorgung mit Desinfektion, neu aufgestellt und unsere Materialvorhaltungen in einem sinnvollen Umfang erhöht.“
Im Rahmen des zweiten Bauabschnitts am Klinikum am Gesundbrunnen seien infrastrukturell separate Zugänge für Infektionspatienten vorgesehen. „Mit unserem verbundeigenen Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention sind wir sowohl strukturell als auch personell gut ausgestattet und vorbereitet.“ Auch die Vernetzung mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst sei eng.
Handel und Gastronomie in Heilbronn: „Eine weitere Pandemie überleben wir nicht“
„Eine neue Pandemie ist jenseits meiner Gedankenvorstellung“, sagt Eva Schnepf. „Wir erholen uns gerade noch von Corona“, so die Heilbronner Einzelhändlerin. „Kurzarbeit und Notdienst“ sind aber die Begriffe, die ihr bis heute nahe gehen. Auch der Umsatzrückgang, den Schnepf auf rund 20 Prozent beziffert, halte an. „Man kann die Uhr nicht zurückdrehen“, bedauert die Geschäftsführerin des Heilbronner Schreibwarengeschäfts Seel. Eigentlich will sie gar nicht mehr über die Pandemie sprechen, so schrecklich sei die Zeit gewesen. Nur eines ist in ihrem Geschäft geblieben. Die Plexiglasscheibe an der Kasse: „Die hält auch im Alltag einiges ab.“
„Wir hoffen in erster Linie, dass die Politik ihre Hausaufgaben gemacht hat“, betont Martin Kübler. Dass dies tatsächlich so ist, glaubt der Chef des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis Heilbronn allerdings nicht. „Wir zahlen bis heute die Zeche, und wir würden sie bei der nächsten Pandemie wieder zahlen“, fürchtet Kübler.
Noch immer seien die Corona-Hilfe in vielen Betrieben noch nicht abgerechnet ärgert er sich. „Uns kann auch niemand sagen, wie lange das noch dauert, nicht einmal die Förderbanken“, so Kübler. „Eine weitere Pandemie überleben wir nicht“, ist sich sein Kollege Thomas Aurich sicher. Die Polster seien in der Gastronomiebranche seit 2020 bis auf die Rippen abgeschmolzen. Deshalb ärgere ihn bis heute die Wiedereinführung der 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen.
Gesundheitsämter in der Region Heilbronn und Hohenlohe nach der Corona-Pandemie
Die Gesundheitsämter in der Region waren anfangs überfordert, um die Corona-Pandemie auf Kreisebene allein zu managen: technisch, strukturell und personell. Allein die Übermittlung von Daten per Fax sprach damals Bände. Seitdem hat sich einiges verbessert – auch im Zusammenspiel mit Bund und Land. Der öffentliche Gesundheitsdienst wurde vor Corona ausgedünnt. Diese Zeiten sind vorbei. Die Gesundheitsämter wurden personell aufgestockt. In vielen Bereichen gelinge dies „sehr gut“, sagt Lea Mosthaf, Sprecherin des Landratsamts Heilbronn.
„Schwierig gestaltet sich jedoch die Gewinnung von Ärzten“, präzisiert ihr Kollege vom Landratsamt Hohenlohekreis, Sascha Sprenger. Grundsätzlich sehe man sich für den Fall der Fälle gut aufgestellt, meint Mosthaf: „Strukturelle und organisatorische Schwachstellen, vor allem im Hinblick auf die technische und digitale Ausstattung, wurden verbessert, Melde- und Kommunikationswege optimiert und beschleunigt.“ Dies bestätigt Sprenger für den Hohenlohekreis. Digitale Programme zur Erfassung und Auswertung von Daten seien angepasst und erweitert worden: „Dies erleichtert den Informationsaustausch zwischen Ärzten und medizinischen Einrichtungen, dem Gesundheitsamt und der obersten Landesbehörde.“ Mitarbeiter des Gesundheitsamts würden regelmäßig geschult, um für Krisen- und Katastrophenlagen gewappnet zu sein. Alle relevanten Akteure seien nun enger vernetzt, erklärt Mosthaf: kreisübergreifend sowie auf Bundes- und Landesebene.
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