Betroffene berichten von Chaos bei Mülltonnentausch in Heilbronn
Im Stadt- und Landkreis Heilbronn werden aktuell die Mülltonnen ausgetauscht. Doch dabei passieren Fehler – und die Betroffenen sind ratlos, was mit den falsch gelieferten Abfallbehältern passieren soll.
Stadt und Landkreis Heilbronn stellen ihr Müllsystem um. Hunderttausende Tonnen für Rest- und Biomüll werden durch neue Modelle mit Chips ersetzt. In den meisten Fällen funktioniert das auch. Doch manchmal geht es drunter und drüber. Stimme-Leser berichten von zu vielen oder zu wenigen gelieferten Tonnen, außerdem wurden vielerorts die falschen Behälter geliefert.
So wie bei Herbert Söhner in Bad Friedrichshall. Der Rentner wohnt in einem Zwei-Parteien-Haus und hat aktuell vier Restmülltonnen – auch, weil seine Mieter ein kleines Kind haben und viele Windeln benötigt werden. „Die Pampers stapeln sich, das liegt ja in der Natur der Sache.“

Müllsystem in Heilbronn wird umgestellt: Bad Friedrichshaller bekommt kleine statt große Restmülltonne
Für den Tausch hat Söhners Sohn beim Landratsamt eine 240-Liter-Tonne bestellt. Bekommen hat der 78-Jährige jedoch nur einen kleinen 60-Liter-Behälter. Obwohl er sich mehrfach an das Landratsamt gewendet hat, damit der Fehler korrigiert wird, ist bisher nichts passiert. Zwar habe man dort Verständnis gehabt, den Prozess aber nicht beschleunigen können.
Was ihn dabei am meisten ärgert: „Ich habe ja wenigstens noch eine Tonne bekommen. Ich kenne Menschen in Rappenau und Wimpfen, die gar keine bekommen haben.“ Für Herbert Söhner ist der Austauschprozess damit alles andere als ideal verlaufen. „Man ist ausgeliefert.“ Eine entsprechende Nummer, mit der sein Sohn den Mülltonnen-Antragsprozess online nachverfolgen konnte, hat bei ihm eine Fehlermeldung verursacht. „Ich bin ehrlich, ich blicke da auch nicht mehr durch.“

Zu viele Tonnen in Bad Wimpfen und Heilbronn-Böckingen
Einiges schief gelaufen ist auch in Bad Wimpfen, wie ein dort wohnender Stimme-Leser berichtet. Bestellt hat er je eine gelbe und eine schwarze Tonne, geliefert wurden jedoch gleich drei gelbe Tonnen und zwei schwarze. „Wir vermuten, dass auch eine gelbe Tonne von der ehemaligen Mieterin bestellt wurde, ehe sie beschloss, den Laden aufzugeben.“ Allerdings sei der Laden schon im September 2025 geschlossen worden.
Warum jedoch noch eine dritter Plastikabfall-Behälter geliefert wurde, sei ihm „völlig schleierhaft“. Nachdem der Wimpfener die Geister-Tonnen beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landratsamts gemeldet hatte, kam Bewegung in die Sache: Die Mülltonne für den geschlossenen Laden soll nun wieder abgeholt werden, die dritte gelbe Tonne habe ein neuer Gewerbebetrieb beantragt – woraufhin sie geliefert worden sei.
Landratsamt-Sprecher: Meistens sind falsche Bestellungen das Problem
Ein Sprecher des Landratsamts erklärt auf Anfrage: „Dass falsche Tonnen geliefert wurden, kam im Landkreis Heilbronn nur vereinzelt vor. Bei einer entsprechenden Reklamation wurde in den meisten Fällen schnell durch die beauftragte Verteilfirma reagiert.“ Wenn zu viele Tonnen verteilt wurden, seien „aus der bisherigen Erfahrung“ überwiegend falsche Bestellungen der Kunden das Problem gewesen, so der Sprecher weiter. „Diese hatten offenbar teils Schwierigkeiten, die für sie richtigen Tonnen zu bestellen.“
Mehrere Geister-Tonnen wurden in Heilbronn-Böckingen vor der Haustür eines 85-Jährigen abgestellt. Der Böckinger lebt seit 20 Jahren in dem Mehrfamilienhaus, wie er unserer Redaktion erzählt. Die Tonnen seien zwar mit der korrekten Adresse ausgezeichnet, aber mit falschen Namen. „Niemand kennt diese Leute, niemand kann die Tonnen zuordnen.“ Auch in der Nachbarschaft gebe es niemanden mit dem entsprechenden Namen. Immerhin seien die richtigen Tonnen für die Bewohner des Hauses ebenfalls geliefert worden, nur wohin die zusätzlichen Behälter nun sollen, weiß niemand.
Verzögerungen beim Hersteller sorgen für fehlende Tonnen in Heilbronn
In sozialen Netzwerken berichteten Leser aus Heilbronn außerdem, dass sie noch keine neue Tonne geliefert bekommen haben. Die Stadtverwaltung nannte vor Weihnachten Verzögerungen beim Tonnen-Hersteller Sulo als Grund dafür. Damals fehlten 5000 neue Behälter, die in den letzten beiden Dezemberwochen noch geliefert werden sollten, betroffen waren die Gebiete 74072 und 74076 in der Innenstadt.
Inzwischen sind fast alle fehlenden Tonnen in Heilbronn angekommen, wie ein Sprecher des Herstellers Sulo auf Anfrage erklärt. „Stand heute sind noch 110 Behälter offen, der Rest ist geliefert.“ Zum Jahresende sei es in der Produktion zu Engpässen gekommen, deshalb habe man den letzten Teil von vier Lieferungen nicht rechtzeitig fertigstellen können. Insgesamt seien 60.000 Abfalltonnen für die Stadt Heilbronn geliefert worden.
Die meisten Reklamationen im Landkreis Heilbronn hätten schnell bearbeitet werden können, so der Sprecher des Landratsamts. Aktuell gebe es aber viele Anfragen. „Wir sind aktuell mit Hochdruck daran, die E-Mail-Zuschriften und Reklamationen abzuarbeiten.“ Wer Fragen zur Umstellung habe, könne sich beim Landratsamt an umstellung2026@landratsamt-heilbronn.de oder die Telefonnummer 07131994398 wenden.


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