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Bolzplatz verlegt
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„Das ist schon heftig“ – Was Anwohner in Neckarsulm zum gestoppten Kita-Neubau sagen

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Auf dem Neuberg in Neckarsulm wurde ein Bolzplatz verlegt, um Platz für eine Kita zu schaffen. Die kommt nun wohl doch nicht, doch das Geld für den Sportplatz ist weg. Was Anwohner davon halten.


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Bei schönstem Sonnenschein spielen ein Mädchen und ein Junge Fußball. Die beiden lachen, während sie sich den Ball zuspielen und über den Rasenplatz auf dem Neuberg in Neckarsulm rennen. Ein leichter Wind geht, am Himmel ist keine Wolke zu sehen.

Doch die Idylle hat einen Makel, denn der Sportplatz, auf dem die beiden Kinder spielen, hat 706.000 Euro gekostet. Er wurde neu gebaut, direkt neben dem alten Hartplatz in der Straße „Im Hägelich“. Dadurch sollte Platz geschaffen werden für eine Kita, die nun wohl doch nicht kommt.

Kita-Neubau wackelt: Stadt Neckarsulm sieht weniger Bedarf an Kita-Plätzen

Wie unsere Redaktion berichtet, ist die Stadt offenbar von zu hohen Zahlen ausgegangen, was den Bedarf an Kita-Plätzen angeht. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen sei rückläufig, deshalb sei es nötig, die Planung „gegebenenfalls zu korrigieren“. 

Deshalb ist dort, wo der Hartplatz war, jetzt erstmal nur eine umgepflügte Wiese. Im April soll es eine neue Bedarfsanalyse im Gemeinderat vorgestellt werden. Es wäre also möglich, dass die Kita doch noch gebaut wird. 

Wo jetzt eine umgepflügte Wiese ist, war vorher ein Hartplatz auf dem Neuberg in Neckarsulm. Der neue Sportplatz direkt daneben hat 700.000 Euro gekostet.
Wo jetzt eine umgepflügte Wiese ist, war vorher ein Hartplatz auf dem Neuberg in Neckarsulm. Der neue Sportplatz direkt daneben hat 700.000 Euro gekostet.  Foto: Christoph Donauer

700.000 Euro für Sportplatz-Verlegung: „Das ist schon heftig“

706.000 Euro, um einen Sportplatz zu verlegen, obwohl dann keine Kita gebaut wird: Was halten Anwohner davon? „Das ist schon heftig“, sagt eine Frau, die gerade ihr Auto ausräumt. Ob genug Bedarf da ist, müsse man doch vorher prüfen. „Gerade in der heutigen wirtschaftlichen Lage.“

Eine 32-Jährige pflichtet ihr bei. 700.000 Euro findet sie mit Blick auf den neuen Platz viel. „Für das?“ Außerdem sind sich die beiden einig, dass auf dem Hartplatz vorher viel mehr los war. „Dort wurde Basketball gespielt und das ist meines Wissens auch der einzige Hartplatz, auf dem man das konnte“, sagt die 32-Jährige. Nun seien weniger Kinder unterwegs. „Das finde ich schade.“

„Ich hätte mit der Kita kein Problem gehabt“, sagt Lara Petzold. Die 23-Jährige wundert sich, dass der Neubau nun vorerst gestoppt wurde, auf sie selbst habe das aber keine Auswirkungen. Egal ob Kita oder Spielplatz, es sei „ohnehin sehr ruhig hier“. 

Sportplatz für viel Geld verlegt: Warum weniger Kinder in Neckarsulm den neuen Platz nutzen

Unverständlich findet Jürgen Kuntze die Situation. Er wohnt direkt gegenüber des früheren Hartplatzes. „Mir wäre eine Kita lieber als alles andere gewesen“, sagt er. Mehr Plätze für Kinder, direkt am Stadtrand und in Gehweite der Natur, aus Kuntzes Sicht wäre das ideal gewesen. Er hofft nun, dass kein Wohnhaus gebaut wird. „Es ist hier eh schon alles sehr dicht. Das wäre zu viel.“ 

Auf dem Hartplatz sei immer Fußball, Basketball und Tischtennis gespielt worden, erzählt Kuntze. „Die sind bis spätabends rumgerannt, das war klasse.“ Den neuen Sportplatz findet er einen Rückschritt: Bei nassem Wetter könne man nicht richtig Fußball spielen und wird dreckig, Basketball und Tischtennis kann man dort gar nicht spielen. 

Neckarsulmer hoffen, dass Kita doch kommt – „So viel Geld für so einen Sportplatz“

Ähnlich sieht das Ernst Friesen, der mit einem seiner fünf Enkel auf dem neuen Sportplatz ist. Der Junge turnt gerade auf dem Klettergerüst herum, das vorher auf dem Hartplatz stand. Friesen kritisiert ebenfalls, dass der alte Platz mit Tischtennisplatten und Basketballkörben auch für ältere Kinder etwas zu bieten hatte. „Das war ein super Spielplatz!“

„Was ist eigentlich der Grund, warum man den Kindergarten jetzt nicht baut? Das verstehe ich nicht“, sagt er. Immer wieder heiße es, die Kita in der Harzstraße sei zu klein, der Bedarf sei also da, vermutet er. „Stattdessen wird so viel Geld ausgegeben für so einen Sportplatz“, sagt Friesen. Er hofft, dass die Kita doch noch gebaut wird – auch wenn er vermutet, dass es nun wohl eher ein Wohnhaus wird. 

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