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Unnötige 700.000-Euro-Investition? Warum der Kita-Neubau in Neckarsulm gestoppt wurde

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In Neckarsulm geht es um eine große Summe: 700.000 Euro wurden möglicherweise unnötig investiert. Doch warum wurde der Kita-Neubau gestoppt? 


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Es liest sich ein wenig wie der „Irrsinn der Woche“: Im Neckarsulmer Neuberg wurde ein Bolzplatz für 700.000 Euro neu gebaut, weil auf dem Gelände des bisherigen die Kita Hägelich entstehen sollte. Der Baubeschluss für die Kita ist zwischenzeitlich ausgesetzt. Warum wurde eine nicht unerhebliche Summe sprichwörtlich in den Sand gesetzt?

Grund für die Verlegung waren Überlegungen zum Bau einer neuen sechsgruppigen Kita. In einem extern erstellten Gutachten ist für das Wohngebiet Neuberg ein wachsender Betreuungsbedarf für Kinder festgestellt worden. Daher habe der Neubau der Kita Hägelich eine „hohe Priorität“, um den wachsenden Betreuungsbedarf im Neuberg zu decken, so das Gutachten. 

Kita-Neubau in Neckarsulm: Zahlen im Kindergartenbedarfsplan waren falsch

Nun stellt sich heraus: Die Zahlen waren womöglich falsch, der Bedarf ist nicht so hoch, wie im Gutachten ermittelt. Ein Neubau der Kita Hägelich wurde im Sommer 2025 gestoppt. Die Stadt hat ein neues Gutachten für „einen mittleren vierstelligen Betrag“ zur Entwicklung der Kinderzahlen in Auftrag gegeben, das am 30. April im Gemeinderat vorgestellt wird. 

Aber, obwohl bekannt war, dass die Kita gar nicht gebraucht wird, wurde der Bolzplatz verlegt und auf dem alten Gelände ein Erdwärmetauscher eingebaut, der die – nicht existierende – Kita mit Erdwärme versorgen soll. Kostenpunkt alleine dafür: 150.000 Euro. Ein Schildbürgerstreich?

Wird die Kita Hägelich in Neckarsulm nun gebaut oder nicht?

„Aus technischen Gründen hätte der Bolzplatz nicht verlegt und neu gebaut werden müssen“, sagt die Stadtverwaltung. Weil aber einige städtische Kitas sanierungsbedürftig sind und hohe Instandhaltungskosten verursachen, sei das letzte Wort für oder gegen einen Neubau im Neuberg noch nicht gesprochen.

Zudem gibt es Überlegungen des Landes, ein verpflichtendes letztes Kitajahr einzuführen, was den Bedarf an Kindergartenplätzen wieder erhöhen würde. Zuletzt sei die Nachfrage, auch aufgrund steigender Gebühren, eher zurück gegangen. Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich noch nicht absehen, ob der frühere Bolzplatz im Hägelich als Bauplatz für eine mögliche neue Kita benötigt wird oder nicht.

Irrsinn oder vorausschauende Planung? Das sagt die Stadt Neckarsulm

Die Stadtverwaltung betont: „Der bestehende Bolz- und Spielplatz im Hägelich sollte niemals ausschließlich der geplanten neuen Kita dienen, sondern steht allen Kindern und Jugendlichen im Wohngebiet Neuberg zur Verfügung.“ Der Spielplatz soll unabhängig vom Neubau der Kita erhalten und durchgängig bespielbar bleiben. Den Beschluss für die Verlegung des Bolzplatzes hat der Gemeinderat zusammen mit dem Baubeschluss für den Neubau der Kita Hägelich im November 2023 gefasst. 

Um zu vermeiden, dass der Bolz- und Spielplatz über einen längeren Zeitraum ausfällt, wurde er ab Oktober 2024 verlegt und als wasserdurchlässiger Schotterrasen neu angelegt. „Dies war ausdrücklicher Wunsch im Gemeinderat“, so die Pressestelle im Neckarsulmer Rathaus.

Neuer Bolzplatz im Neckarsulmer Neuberg dient als Klimaschutz-Maßnahme

Mit dem neuen Bolzplatz „wurde eine neue öffentliche Grünfläche am Siedlungsrand geschaffen, die einen harmonischen Übergang zwischen der Siedlungsbebauung und der freien Landschaft bildet. Von dieser Entsiegelungsmaßnahme profitiert das gesamte Wohngebiet.“

Die Verlegung sei auch im Rahmen der Klimafolgen-Anpassung eine sinnvolle Maßnahme. Dementsprechend wurde der Neubau des Bolzplatzes im Herbst 2023 beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war der Baubeschluss für die neue Kita zurückgestellt, das Projekt wurde aber weiterbearbeitet. „Sollte der Neubau der Kita Hägelich umgesetzt werden – was zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend feststeht –, kann das Gelände des früheren Bolzplatzes als Bauplatz genutzt werden.“ 

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