Zukunft der Museumsstuben in Neckarsulm unklar – mögliche Pächter abgesprungen
Dem bisherigen Pächter wurde gekündigt. Nach dem Bürgerentscheid zum Neckarsulmer Schlossplatz haben Interessenten zurückgezogen. Wie geht es mit dem beliebten Restaurant weiter?
Gläser, Geschirr, Tischdecken, Töpfe, Brotkörbe, Dekoartikel, Bilder und sogar CDs: Alles, was in einem Restaurant gebraucht wurde, stand in den letzten Wochen beim Flohmarkt der Museumsstuben zum Verkauf.
Nun ist Schluss im wahrsten Sinne des Wortes: Der Pachtvertrag mit der Stadt wurde gekündigt, weil das historische Gemäuer grundlegend saniert werden muss. Das Restaurant ist schon geschlossen, Ende des Monats geht das Gebäude wieder komplett an die Stadt zurück.
Nach Bürgerentscheid: Wie geht es mit den Museumsstuben in Neckarsulm weiter?
Im Vorfeld hatte es einigen Missmut gegeben: Die Stadtverwaltung wollte das komplette WG-Areal zum Schlossplatz umgestalten. Ein Teil davon, der unabhängig vom Bürgerentscheid umgesetzt wird, ist die Neukonzeption der Museumsstuben, die als Caterer für Veranstaltungen im Zweiradmuseum auftreten sollen.

Die Umgestaltung des Platzes wurde bei einem Bürgerentscheid abgelehnt. Darüber gab es eine Aussprache im Gemeinderat. Vertreter aus dem Ratsrund waren sich einig, dass man wohl die starke Kritik aus der Bürgerschaft, so CDU-Sprecher Eberhard Jochim, nicht genügend wahrgenommen habe. „Wer gestalten will, muss zuhören“, zog Oberbürgermeister Steffen Hertwig seine Lehre aus dem gescheiterten Vorhaben.
Zwei mögliche Pächter der Museumsstuben sind schon wieder abgesprungen
Die Kommunikation sei „einseitig und wenig bürgernah“ gewesen, kritisierte Ina Maria Berthold (FWV). Man müsse künftig „mehr Dialog und Augenmaß“ bei solchen Entscheidungen anwenden, forderte FDP-Stadtrat Gerald Friebe. Ob dies bei der Kündigung von Uwe Feuchtenbeiner als Pächter der Museumsstuben der Fall war, da gibt es zumindest auf Facebook klare Meinungen dazu. Vor allem unter dem Aspekt, dass zwei mögliche neue Interessenten wieder abgesprungen sind, hätte man wohl besser noch abgewartet.
Aber, wie der Römer sagt: Die Würfel sind gefallen, das Restaurant hat geschlossen und ein Zurück gibt es wohl nicht mehr. Die Erneuerung der Elektrik, Gebäudeleittechnik, Heizungsleitungen, Brandmeldeanlage, Lüftung und Kühlanlagen wird rund 900.000 Euro kosten. Man sei „mehrheitlich erschrocken“, betonte Michael Bender (SPD). Aber es sei auch klar: „Wir sollten das Aushängeschild Museumsstuben wieder in Betrieb bringen.“
Neckarsulmer CDU-Fraktion will Kosten nochmal auf den Prüfstand stellen
Die Museumsstuben seien zwar eine „wichtige Location für alle Neckarsulmer“, bemerkte Jasmin Zoll (CDU). Von den 900.000 Euro könne aber einiges gespart werden. So seien die Möbel und die Küchenausstattung nicht die Aufgabe der Stadt, sondern des Pächters.
Stefan Müller (Grüne) meinte hingegen: „Wir sollten nicht jeden Euro zweimal umdrehen.“ Wichtig sei es, wieder einen Pächter für die „Perle in der Innenstadt“ zu finden. Karl-Heinz Ullrich zeigte sich irritiert, dass schon Aufträge vergeben werden, bevor man einen Pächter habe. Besser sei es, den künftigen Betreiber in die Neugestaltung von Anfang an mit einzubinden. Bernhard Kuhn (FWV) meinte: „Die Museumsstuben müssen attraktiv sein, wir müssen umbauen, was notwendig ist.“
Ingo Siedler vom Hochbaumanagement der Stadtverwaltung machte noch einmal deutlich, dass es zunächst um die grundlegende Sanierung der Gebäudestruktur gehe. „Die exakte Gestaltung gehen wir dann möglichst mit dem neuen Pächter an.“ Bei vier Gegenstimmen wurde die Sanierung des Restaurants Museumsstuben auf Basis der detaillierten Kostenschätzung in Höhe von brutto 900.000 Euro vom Gemeinderat beschlossen.
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Kommentare
Jürgen Mosthaf am 28.07.2025 19:42 Uhr
Überall da wo die Kommune als Verpächter einer Gastronomie auftritt muss klar sein, dass dies niemals Geld in die klammen Kassen der öffentlichen Hand spülen wird. Es ist ein Geben und ein Nehmen. Dass die Stadt Neckarsulm mit ihrem Pächter über viele Jahre auf Verpächterebene ziemlich alleine auf weiter Flur steht, wurde etwas zu spät erkannt. Dass gute regionale Gastronomie immer weiter auf dem Rückzug ist hat vielfältige Gründe, denen eine Kommune nicht entgegentreten kann. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 % lindert allenfalls die massiv gestiegenen Kosten von Energie, Personal, Steuern und Abgaben sowie Wareneinkauf. Die Löhne bezahlt nicht der Wirt sondern der Gast. Und da sind nun mal deutlich Grenzen gesetzt. Und die öffentliche Hand sitzt mit 50 % Beteiligung immer mit am Tisch.
Dass viele Gastronomen weniger Stundenlohn als Ihre Mitarbeiter haben, ist auch kein Gerücht. Nur bei Gastronomen mit Migrationshintergrund kann man noch von Familienbetrieb sprechen.
Eine Kommune muss sich dessen bewusst sein, dass gute individuelle Gastronomie auch gute Pächter braucht. Das hat man in der Bundes-, und Landespolitik noch nicht erkannt. Dort wird man außer bei den Subventionen mit Bürokratie, Auflagen und Gesetzen so zugekleistert wie ein großer Industriebetrieb. Im Handwerk und in Dienstleistungbetrieben ist der Chef und Chefin für Alles zuständig.
Jürgen Mosthaf