Nach Angriff auf Eppinger: Star-Produzent und Mallorca-Künstler berichten Erschreckendes
Zum Opening reisen Tausende an den Ballermann. Doch nicht alle haben friedliche Absichten. Künstler aus der Region berichten – und geben Tipps, wie man sich schützen kann.
Erst geht man ab, dann wird man abgezogen. Oder sogar Schlimmeres. „Ende Januar dieses Jahres bin ich nachts um drei Uhr vom Bierkönig zum Hotel gelaufen“, berichtet Oliver Deville. „In einer dunklen Gasse ist dann plötzlich einer über mich hergefallen. Wir haben zwei Minuten lang gekämpft. Dann habe ich nachgegeben und ihn mit meinem Geldbeutel abhauen lassen. Schließlich hatte ich Todesangst und wusste nicht, ob der Angreifer ein Messer dabei hat und vielleicht auch noch auf mich einsticht.“
Deville ist Musikproduzent, hat an zahlreichen Mallorca-Party-Hits mitgewirkt und ist mehrfach mit Gold- und Platin-Platten ausgezeichnet. Beispielsweise ist er mitverantwortlich für Songs wie „Dicht im Flieger“ von Julian Sommer, „Malle Ladies“ von Carolina und DJ Aaron sowie „Bierkapitän“ von Markus Becker und Richard Bier. Gegenüber der Heilbronner Stimme berichtet Deville am Telefon, dass ihm bei dem Überfall 70 Euro geraubt wurden. „Mein Portemonnaie hat mir der Dieb wieder entgegengeworfen, nachdem er das Geld rausgenommen hatte.“
Wird die Kriminalität auf Mallorca immer schlimmer?
Körperliche Angriffe, wie sie der Eppinger Simon Kreß im August 2023 ebenfalls nahe des Bierkönigs auf Mallorca erlebt hat, sind also offenbar kein Einzelfall. Wobei es sich bei der Attacke auf Kreß nicht um einen Überfall, sondern um unmittelbare Schläge gehandelt hat, deren Hintergründe nach wie vor unklar sind. Bis heute sind die Täter nicht gefasst. Geraubt wurde dem 27-jährigen Kraichgauer nichts. Die Täter waren vermutlich deutsche Touristen.

Musikproduzent Deville betont: „Was die Kriminalität angeht, habe ich den Eindruck, dass es auf Mallorca immer schlimmer wird. Auch die Straßenhändler fassen einen häufiger an und versuchen, etwas abzugreifen.“ Besonders im Winter, wenn die Touristen als Käufer ausbleiben. „Ich nehme nur so viel Geld mit, wie ich an dem Abend vermutlich brauche. Persönliche Dokumente oder Kreditkarten habe ich abends auf Mallorca gar nicht bei mir“, erläutert Deville. „Die Gefahr, überfallen zu werden, ist immer da. Und ich kenne einige Leute, denen das passiert ist.“
Mallorca: Anstieg der Straftaten in 2025 im Vergleich zum Vorjahr
Wie die Pressestelle der Balearen auf Stimme-Nachfrage mitteilt, sei Mallorcas Hauptstadt Palma ein vergleichsweise unbedenkliches Reiseziel – „auch wenn es keine absolute Sicherheit gibt. Die häufigsten Delikte sind Taschendiebstahl und Diebstahl durch Unachtsamkeit.“ Raubüberfälle seien deutlich weniger häufig. Trotz aller Partylaune solle man seine Wertsachen stets im Blick behalten und gerade in überfüllten Bereichen der Feier-Hochburgen besonders vorsichtig sein.
Das Auswärtige Amt betont in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen, dass in touristischen Zentren „entlang der Mittelmeerküste sowie auf den Kanaren Vorsicht vor Taschendiebstahl und Kleinkriminalität angebracht“ sei. Wie „Das Inselradio“ aus Palma de Mallorca berichtet, ist die Zahl der gemeldeten Straftaten auf Mallorca im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gestiegen. Mit 56.120 erfassten Delikten bedeutet das ein Zuwachs von 3600. Bemerkenswert dabei: Diebstähle ohne Gewalt haben um 15,6 Prozent zugenommen. Bei Raubdelikten mit Gewalteinwirkung gebe es sogar einen Anstieg um 19 Prozent. Sexual- und Tötungsdelikte seien hingegen rückläufig.
Party-Opening auf Mallorca: Neue Sicherheitsmaßnahmen in Urlaubssaison 2026
Im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ berichtet der Mallorca-Sänger Partycrasher, dass die Kriminalität an der Playa de Palma immer schlimmer werde. Für ihn sei besonders die Zunahme von K.o.-Tropfen-Fällen bedenklich. Davon seien nicht nur Frauen, sondern auch Männer betroffen. Es gehe darum, diese zu betäuben – und sie dann auszurauben.

Das offizielle Opening im Bierkönig startete bereits am 16. April. Im Megapark geht es ab Donnerstag, 23. April, los. Ein aktueller Bericht des „Mallorca Magazins“ zum Start der Party-Saison 2026 weist darauf hin, dass die Stadtverwaltung von Palma zusammen mit der örtlichen Polizei einen Sicherheits-Maßnahmenplan für den kommenden Sommer beschlossen habe. Deutlich höhere Polizeipräsenz soll vor allem illegale Straßenhändler zurückdrängen sowie die Anzahl der Raub-, Gewalt- und Betrugsdelikte verringern.
Playa de Palma auf Mallorca: Diebe lenken Touristen ab
Der Öhringer Timo Hofmann reist regelmäßig nach Palma de Mallorca. Als Timm Rock tritt er mit Songs wie „Mallemythos“ in dieser Saison mehrfach in der MK Arena auf. Oliver Deville hat auch Timm Rocks aktuelle Nummer "Desperate Saufboys" produziert. Timo Hofmann selbst habe auf Mallorca noch keinen Schaden durch kriminelle Handlungen erlitten, aber mehrere seiner Bekannten: „Einem Kumpel von mir ist dieses Jahr ein iPhone 17 aus der Tasche geklaut worden. Das hatte er sich gerade erst drei Tage zuvor gekauft“, berichtet Hofmann.
Das Vorgehen der Taschendiebe auf Mallorca kennt Hofmann aus mehreren Erzählungen an der Playa de Palma: „Die lauern zu zweit oder zu dritt vor den großen Lokalen, verwickeln die Touristen in ein Gespräch. Einer lenkt ab und setzt dem Angesprochenen beispielsweise einen Hut auf – und ein anderer greift in die Tasche.“ Der Öhringer empfiehlt: „Man sollte in den Touristen-Zentren nie alleine unterwegs sein. Gefühlt sind die Diebstähle mehr geworden.“
Zur eigenen Sicherheit: Micha von der Rampe fährt auf Mallorca mit dem Taxi
Micha von der Rampe ist mit der Party-Szene am Ballermann gut vertraut. Seit mehreren Jahren spielt er seine Gute-Laune-Nummern wie „Partyanimal“ im Megapark. Aktuell ist der Brackenheimer mit dem Traktor vom Zabergäu in Richtung Mallorca unterwegs. Der 29-Jährige berichtet: „Grundsätzlich fühle ich mich auf Mallorca sicher. Aber Vorfälle wie der Angriff auf Simon Kreß nehmen einen schon mit.“
Micha von der Rampe überlässt auf Mallorca nichts dem Zufall: „Ich schaue immer, dass ich nachts auf Mallorca in einer Gruppe unterwegs bin und meide dunkle Gassen.“ Falls er nach Auftritten alleine nach Hause geht, nimmt er ein Taxi.“ Der „Suffpilot“-Sänger: „Das hat nichts mit Star-Allüren, sondern mit persönlicher Sicherheit zu tun. Und ein gewisses Restrisiko bleibt immer.“
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Kommentare
Stefan am 23.04.2026 17:12 Uhr
Das sind schon Sorgen...