Junge Metzgerin: "Das Schlachten ist nichts Schlimmes"
Die 21-jährige Fleischermeisterin Isadora Bächtle aus Brackenheim spricht im Interview über das Image von Metzgereien, fleischlose Ernährung – und warum ihr das Schlachten nichts ausmacht.

Stolz steht Isadora Bächtle neben der Meisterurkunde, die an der Wand der Metzgerei Pfenninger in Gemmingen hängt: Ihre Ausbildung hat die 21-jährige Brackenheimerin schon als Jahrgangbeste absolviert, im April dieses Jahres schloss sie nun ihren Meisterkurs, der einem Bachelor Professional gleichkommt, erfolgreich ab. Welche Zukunft sie für den Metzgerberuf sieht, warum er für Frauen noch wenig attraktiv scheint und warum ihr das Schlachten nichts ausmacht, erklärt sie im Interview.
Frau Bächtle, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Meister. In vier Monaten haben Sie vor allem Aufgaben und Prozesse Ihres Handwerks vertieft, es ging viel um Buchhaltung. Sie könnten einen eigenen Metzgereibetrieb eröffnen – ist das eine Option für Sie?
Isadora Bächtle: Ich denke nicht, da mich mein Chef ideal fördert und unterstützt und wir ein tolles Arbeitsklima haben.
Immer mehr Metzgereien schließen, weil es keine Nachfolger gibt. Hat der Metzgerberuf Zukunft?
Bächtle: Natürlich werden es immer weniger Betriebe, weil die Leute den Job nicht mehr machen wollen und es immer schwieriger wird, geeignete Fachkräfte zu finden. Es gibt auch nur noch wenige Fleischerschulen, weil der Beruf nicht mehr so attraktiv ist und ihn kaum jemand erlernen oder einen Meister machen möchte. Aber ich denke, der Metzgerberuf hat auf jeden Fall Zukunft. Ich glaube, dass die guten Handwerks-Metzgereien weiterhin bestehen, da die Menschen Wert auf Qualität legen.
In den vergangenen Jahren reduzieren immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum, ernähren sich vegetarisch oder vegan. Könnte dieser Trend dafür sorgen, dass den kleineren Metzgereien die Kundschaft ausbleibt?
Bächtle: Das glaube ich nicht, gerade die ortsansässigen Metzgereien haben ihre Stammkundschaft, die die Qualität und Regionalität schätzt.
Der aktuelle Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung von 2021 belegt, dass immer mehr junge Menschen in Ihrem Alter auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten. Wie oft essen Sie Fleisch in der Woche?
Bächtle: Ich esse täglich Fleisch, bis zu drei Mal am Tag. Am liebsten Leberwurst. Mein Fleisch hole ich hier im Betrieb, bei allen anderen frage ich gern skeptisch nach, woher das Fleisch kommt (lacht).
Dann halten Sie sich aus der Debatte um den Fleischkonsum heraus?
Bächtle: Für mich wird es immer Fleisch geben, da es meine tägliche Arbeit ist. Jeder kann selbst entscheiden, wie er sich ernährt.
Sie sind über ein Schulpraktikum auf den Beruf gekommen. Warum ein Handwerk und kein Studium?
Bächtle: An meiner Schule hatten wir Werken, haben mit Rohstoffen gearbeitet und herumgeschraubt. Das hat mir immer gut gelegen. Ich wusste, dass ich etwas Handwerkliches machen möchte. Meine Oma hat dann zum Spaß vorgeschlagen, dass ich in eine Metzgerei reinschnuppern soll. Das habe ich mir dann ernsthaft überlegt und gedacht: Eigentlich hat sie recht.
Was hat Sie am Metzgerberuf fasziniert?
Bächtle: Es ist einfach ein schöner Beruf. Man ist beim ganzen Prozess dabei: Am Anfang ist das Schwein, und aus dem kann man viele Spezialitäten herstellen. Es gibt die unterschiedlichsten Produkte, das ist schon sehr vielfältig und spannend. Gerade bei uns in Deutschland ist die Auswahl an Wurst so groß wie fast nirgends. Für jeden ist etwas dabei.
Sie kommen aus keiner klassischen Metzgerfamilie. Wie blickt Ihre Familie auf Ihren Beruf?
Bächtle: Meine Familie ist sehr stolz auf mich und sieht meinen Werdegang positiv. Meine Mutter meinte, wenn es mir nicht gefällt, kann ich die Ausbildung jederzeit abbrechen. Denn gerade körperlich ist der Beruf sehr intensiv.
Auch ein Grund, warum es weniger Azubis gibt.
Bächtle: Die Metzgereibranche hat generell ein schlechtes Image, das auch von früher kommt: Metzger, das sind die Brutalen, Grobschlächtigen, die mit Blut befleckt sind. Dabei ist der Beruf gar nicht mehr so: Die Hygienebestimmungen und Auflagen zum Tierwohl sind sehr hoch. So hoch, dass viele Betriebe gar nicht mehr selbst schlachten. Persönlich habe ich immer positive Rückmeldungen bekommen, wenn ich sage, dass ich Metzgerin bin.
Woher kommen die Tiere, die Sie montags und donnerstags schlachten?
Bächtle: Wir schlachten alles selbst: Um die 20 Schweine, die direkt aus Gemmingen kommen, außerdem ein bis zwei Rinder, manchmal auch Lämmer und Kälber. Die Tiere kommen aus einem Umkreis von 20 Kilometern. Sie werden am Vortag gebracht, dürfen sich noch im Stall ausruhen, damit sie keinen Stress haben und die Fleischqualität gut ist.
Wie war es für Sie, als Sie zum ersten Mal ein Tier geschlachtet und es zerlegt haben?
Bächtle: Es war ungewohnt, ich war aufgeregt. Am Anfang schaut man zunächst zu und bekommt viel erklärt. Wenn man das dann ein paar Mal gemacht hat, klappt es schon gut.
Läuft dieser Prozess für Sie automatisiert ab oder denken Sie daran, dass Sie ein Lebewesen töten?
Bächtle: Man ist sich schon dessen bewusst, dass es sich um ein Lebewesen handelt. Aber an sich macht man sich vielleicht auch zu viele Gedanken. Mir macht das nichts aus. Früher war es das Normalste überhaupt, aber wenn man mit dem Tier gut umgeht, es gut behandelt, ist das an sich nichts Schlimmes.
Dann sorgen die großen Massenbetriebe für ein schlechtes Image der Metzgereien?
Bächtle: Wenn im Internet wieder ein Video von den Zuständen in den Großbetrieben auftaucht und das medial diskutiert wird, wirkt sich das immer gleich auf die ganze Branche aus. Das macht den Beruf an sich auch unattraktiv.
Sie arbeiten als einzige Fleischerin mit vier weiteren Metzgern, einem Azubi und einer Aushilfskraft. Im Metzgereiberuf sind Frauen noch eine Seltenheit. Woran, glauben Sie, liegt es, dass so wenige Metzgerinnen werden wollen?
Bächtle: Generell, glaube ich, haben viele den Beruf an sich nicht auf dem Schirm. Erst recht Frauen denken nicht daran, dass sie ihn erlernen könnten, obwohl es ein schöner Beruf ist. Ich stehe jeden Morgen gerne auf und freue mich auf die Arbeit, weil sie mir Spaß macht.
Gab es denn in Ihrem Meisterkurs junge Frauen?
Bächtle: Grundsätzlich waren wir ein großer Kurs, was an der Corona-Pandemie liegen könnte – wir waren 68 Teilnehmer, darunter acht Frauen. Es war interessant sich auszutauschen, die Meisterschüler kamen aus ganz Deutschland. Man hat Produkte kennengelernt, die man vorher nicht kannte. Was mich fasziniert hat: Die Bayern stehen selbstbewusst zu ihrer Tradition und ihrem Handwerk. Das gibt es bei uns weniger.
Es ist Grillsaison. Welches Fleisch empfehlen Sie?
Bächtle: Ich empfehle Spareribs im St. Luis Cut mit Honigglasur, dazu Rosmarin-Kartoffeln und Barbecue-Dip.
Zur Person
Isadora Bächtle wird am 12. Mai 2002 geboren und wächst in Brackenheim auf. Mit 16 Jahren absolvierte sie ein Schulpraktikum im Metzgerhandwerk. Ihre dreijährige Ausbildung zur Fleischerin in der Metzgerei Reinwald in Brackenheim schließt Bächtle im Sommer 2021 als Jahrgangsbeste ab und wechselt als Gesellin zur Metzgerei Pfenninger in Gemmingen. Im April schließt Bächtle ihren viermonatigen Meisterkurs an der Fleischerschule Bayern (Augsburg) ab. In ihrer Freizeit spielt sie Fußball beim TGV Dürrenzimmern und kümmert sich um ihre acht Bienenvölker.
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Kommentare
Silke Weber am 07.07.2023 13:17 Uhr
??? Das Schlachten ist nichts Schlimmes? Ich bin geschockt und frage mich, was man erlebt haben muss, um so einen Satz sagen zu können. Menschen die Fleisch essen möchten / müssen, können den Tod eines Tieres vielleicht in Kauf nehmen, aber zu sagen, es sei nicht schlimm, das ist der Hohn für jedes geschlachtete Tier!!! Albert Schweitzer sagte schon: Ich bin LEBEN das leben will, inmitten von LEBEN das LEBEN WILL!!! Es gibt heutzutage so viele Alternativen um blutlos satt zu werden!