Grünlandpflege oder Klimakiller: Wie fällt bei Rindern die Klimabilanz aus?
Rinder emittieren Methan, was den Treibhaus-Effekt anheizt. Sie beweiden aber auch Grünland und tragen so zur Speicherung von Kohlenstoff im Boden bei. Warum die Weidetiere unentbehrlich sind.

Zehntausende irische Kühe sollen getötet werden, um die Klimaziele zu erreichen: Das interne Papier des Landwirtschaftsministeriums in Dublin sorgt nicht nur in der Landwirtschaft für Aufregung. In den kommenden drei Jahren sollen demnach insgesamt 200.000 Kühe geschlachtet werden. Bisher sind ähnliche Forderungen in Deutschland nicht bekannt. Auch ohne aktive Eingriffe ist hierzulande der Bestand rückläufig.
In der Bundesrepublik hat sich die Zahl der Rinder seit dem Jahr 1990 um rund 8,5 Millionen Tiere, beziehungsweise 44 Prozent, reduziert. Der Fachverband Rind und Schwein, der Landesbauernverband und das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zeigen mit einer Reihe von Fakten, warum die Rinderhaltung in Baden-Württemberg eher Teil der Lösung ist, wenn es um mehr Klimaschutz geht.
Rinderhaltung für 40 Prozent der Methanemissionen verantwortlich
Die Rinderhaltung hat laut dem Bundesverband Rind und Schwein einen Anteil von rund vier Prozent an den deutschen Gesamtemissionen beziehungsweise 0,07 Prozent an den weltweiten Emissionen. Der Verband gibt zu, dass Rinder Emittenten von Methangas sind. Die Rinderhaltung sei für rund 40 Prozent der deutschen Methanemissionen und somit für vier Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Aus Gründen des Klima- und Ressourcenschutzes müsse die Erzeugung nachhaltiger gestaltet werden, so der Verband. Innovative Futterzusatzstoffe und andere Maßnahmen könnten die Methanemissionen von Nutztieren um 90 Prozent senken.
Milchviehhaltung als Wirtschaftsfaktor in Baden-Württemberg
Milchviehhaltung spielt eine wichtige Rolle in der heimischen Landwirtschaft und hat in Baden-Württemberg eine lange Tradition. Fast jeder vierte Euro der Verkaufserlöse stammt nach Informationen des Landesbauernverbands aus der Milchproduktion.
Baden-Württemberg ist mit 38 Prozent Flächenanteil eines der größten Besitzer von Dauergrünland. Was auf diesen Grünlandflächen wächst, lässt sich nicht direkt für die menschliche Ernährung nutzen. Dieses Wiesenfutter muss durch wiederkäuende Pflanzenfresser, wie Kühe, Schafe oder Ziegen, zu Milch und Fleisch veredelt werden. Diese landwirtschaftlichen Produkte kann dann der Mensch konsumieren.
Weidetiere tragen zum Erhalt des Gründlands als CO2-Speicher bei
Rinder sind unverzichtbar, wenn es um den Erhalt von wertvollem Grünland und damit dem wichtigsten CO2-Speicher nach dem Wald geht. Die Kuh trägt durch die Beweidung zum Erhalt des Grünlands bei. Dadurch beteiligt sie sich weit mehr an der CO2 Reduzierung, als an dessen Ausstoß. Darüber hinaus sorgt beweidetes Grünland für mehr Artenvielfalt und leistet damit einen weiteren wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Der Konsum tierischer Produkte steigt weltweit. Die Welternährungsorganisation FAO geht davon aus, dass die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln bis zum Jahr 2050 um fast 50 Prozent steigen könnte. Schnell würden in diesem Zusammenhang Forderungen nach Fleisch- und Milchverzicht und einem Abbau der Tierbestände zur Rettung des Weltklimas laut. Der Bundesverband Rind und Schwein ist sich sicher, dass ein Rückgang der Tierhaltung in Deutschland Treibhausgasverlagerungen ins Ausland provoziert: durch steigende Importe.
Rinder sind Düngemittel-Lieferanten und verwerten Reststoffe
Als Nebenprodukt produzieren Rinder Dung. Der ist seit jeher ein natürlicher und fester Bestandteil des Nährstoffkreislaufes der Landwirtschaft. Rinderdung dient dem Erhalt und der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und des Bodenlebens, erläutert der Landesbauernverband. Infolgedessen werde das Vermögen des Nutzlandes, Nährstoffe und Wasser zu speichern, erhöht.
Die Inhaltsstoffe seien für Pflanzen sehr gut verfügbar. "Das schont Ressourcen, ist klimafreundlicher und spart Kosten", so der Verband. Die Verfügbarkeit von Wirtschaftsdünger reduziert zudem die Abhängigkeit von synthetisch hergestellten Düngemitteln. Diese hatten sich nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine verknappt und deutlich verteuert.
Rinder verwerten nicht nur Gras in Form von Heu oder Silage, sondern auch Zwischenfrüchte der landwirtschaftlichen Fruchtfolge sowie Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung. Wie der Landesbauernverband ergänzt, können Rinder auch und bei der Ernte anfallende Koppelprodukte, wie zum Beispiel Stroh, verwerten. Rund 80 bis 85 Prozent dessen, was Rinder verwerten, sei nicht für die menschliche Ernährung geeignet.
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