Wie die Kita Schnakennest in Auenstein dem Fachkräftemangel begegnet
Spielgruppen bieten Eltern in Auenstein wieder Planungssicherheit. Konzept läuft seit Februar. Wegen Personalmangels mussten im vergangenen Jahr häufig Öffnungszeiten reduziert werden, manchmal auch kurzfristig. Jetzt sorgen am Nachmittag Spielgruppen für Entspannung.

"Wir haben wieder mehr Planungssicherheit", freut sich Elternbeirätin Katharina Vogel. Ihr Sohn Julius (4) besucht eine der beiden Ganztagsgruppen im Kinderhaus Schnakennest in Auenstein - und seit dort im Februar ein neues Konzept gestartet ist, auch wieder regelmäßig. Wegen Personalmangels mussten im vergangenen Jahr häufig Öffnungszeiten reduziert werden, manchmal auch kurzfristig. "Teilweise war freitags noch alles in Ordnung, und montags hieß es plötzlich Kindergarten-Notbetrieb", beschreibt Vogel die Situation. Jetzt sorgen am Nachmittag Spielgruppen für Entspannung.
"Mit den Fachkräftelücken, die auf Kitas und Schulen zukommen, werden alle Träger sich bemühen müssen, neue Wege zu gehen", blickt die Sachgebietsleiterin Kindertageseinrichtungen der Gemeinde Ilsfeld, Nicole Friedrich, in die Zukunft. Im Schnakennest kamen einige Faktoren zusammen: Zuerst war die Personaldecke durch einen höheren Krankenstand wegen der Pandemie ausgedünnt, dann wurden mehrere Erzieherinnen gleichzeitig schwanger und mussten sofort freigestellt werden, eine Kollegin hat die Leitung des neuen Waldkindergartens übernommen.
Extreme Arbeitsbelastung
Das brachte nicht nur eine extreme Arbeitsbelastung fürs verbliebene Team mit sich. "Irgendwann war klar, es muss wieder Kontinuität rein, um den Eltern Planungssicherheit zu gewährleisten", so Friedrich. "Auch die Elternbeiräte haben uns angesprochen. So sind wir auf die Idee mit den Spielgruppen gekommen." Rechtlich gebe es diese Möglichkeit erst seit kurzem, betont die 40-Jährige. "Die Spielgruppe muss allerdings unter zehn Stunden in der Woche bleiben, ansonsten bräuchte man eine Betriebserlaubnis für Kindertageseinrichtungen." Deshalb sind die Öffnungszeiten gegenüber einem regulären Ganztagsbetrieb weiterhin reduziert: von Montag- bis Donnerstagnachmittag um eine, Freitagnachmittag um drei Stunden.
Seit Februar werden die 40 Ganztagskinder von 7 bis 13.30 Uhr von sieben Erzieherinnen betreut. Dann übernimmt bis 16 Uhr ein fünfköpfiges Team aus ungelernten Kräften, bastelt, spielt und singt mit den Mädchen und Jungen. Etwa ein halbes Jahr Vorlaufzeit war nötig, um das neue Konzept zu installieren. "Es galt, auch die Fachkräfte mitzunehmen, denn plötzlich werden die Räume nachmittags von anderen Personen genutzt", erläutert Friedrich.
Weil es für Spielgruppenleiterinnen keine Fortbildungen gibt, haben sie und Einrichtungsleiterin Melanie Gotter-Wurm das übernommen. "Wir haben einen Methodenkoffer gepackt", so Gotter-Wurm. Vier Tage lang ging es um Themen wie Aufsichtspflicht, Hygiene, Brand-, Daten- und Kinderschutz. Pädagogische Grundlagen wurden vermittelt: "Wie gestalte ich eine Kreissituation, wie schlichte ich einen Streit, wie arbeite ich mit den Eltern zusammen?", zählt Gotter-Wurm Beispiele auf. "Viel kommt aus dem Bauch heraus, wenn man keine entsprechende Ausbildung hat. Das haben wir mit Fachwissen unterfüttert", sagt Friedrich. Zusätzlich haben die Spielgruppenkolleginnen "Erste Hilfe am Kind" gelernt.
In den "normalen" Kita-Alltag integriert
Schon vor dem offiziellen Start durfte das neue Team ab Januar in den Gruppen mitarbeiten. Das hat Claudia Braun (60), die vorher mehr als 15 Jahre im hauswirtschaftlichen Bereich der Kita Sternschnuppe tätig war, viel gebracht: "Wir haben die Kinder und den Tagesablauf kennengelernt, Vertrauen aufgebaut." Die neuen Kolleginnen würden auch weiterhin in den "normalen" Kita-Alltag integriert, etwa, um sich Rüst- und Handwerkszeug von den Pädagoginnen abzuschauen, berichtet Friedrich. "Mindestens einmal in der Woche sind sie am Vormittag mit dabei." Und täglich beginnt ab 13 Uhr die Übergabe.
"Wir sind hier herzlich aufgenommen worden. Das hat es uns einfach gemacht, Fuß zu fassen", freut sich Corinna Küstner. Die 50-Jährige ist gelernte Friseurin, hat nach der Familienphase als Springerin in Ilsfelder Kitas gearbeitet, zeitweise in der Küche. Jutta Karle kommt aus dem Bürobereich, ist aber schon seit Jahren Springerin und Betreuerin von Inklusionskindern. Zuletzt war die 56-Jährige fest in der orangen Gruppe von Andrea Lutz im Schnakennest. Dass es auch vertraute Gesichter im Spielgruppen-Team gibt, "hat uns Eltern eine gewisse Sicherheit gegeben", sagt Katharina Vogel.
Auch die Erzieherinnen sind dankbar für die Unterstützung. Sie hätten wieder mehr Zeit für die pädagogische Arbeit, wie die Beobachtung und Förderung der Kinder oder die Projektarbeit, erklärt Melanie Gotter-Wurm. "Es ist wieder erfüllender", ergänzt Andrea Lutz.
Zufriedene Eltern trotz Umstellung
"Alle sind sehr zufrieden", ist laut Katharina Vogel der Tenor der Eltern zum neuen Konzept im Auensteiner Schnakennest. Anlaufschwierigkeiten habe es nur in Sachen Kommunikation gegeben, so die Elternbeirätin. "Ich bringe mein Kind morgens zu Frau Lutz und hole es nachmittags bei Frau Braun ab", nennt Vogel ein Beispiel. Informationen, ob das Kind vormittags hingefallen ist oder ob es sonst etwas Besonderes gab, werden jetzt per Kindergarten-App von der Erzieherin mitgeteilt. Was nachmittags war, erfahren die Eltern beim Abholen von den Spielgruppenleiterinnen. "Das ist eine Umstellung", weiß die Sachgebietsleiterin Kindertageseinrichtungen, Nicole Friedrich. Die Gemeinde Ilsfeld hat insgesamt elf Kindertagesstätten, bisher wird das neue Konzept nur im Schnakennest praktiziert.
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