In der Region gibt es viele Wege, um mehr Erzieher in die Kitas zu bringen
Erzieherinnen und Erzieher sind überall händeringend gesucht: Neckarsulm wirbt sogar im Ausland, Gemmingen erhöht das Gehalt, und in Ausbildungsstätten startet ein neues Angebot.

Erzieherinnen und Erzieher sind überall gefragt. Das Land startet sogar mit der Werbekampagne "Mehr bekommst du nirgendwo", um Personal zu gewinnen. Fachschulen weisen darauf hin, dass Jugendliche in der Ausbildung Bafög beantragen können, das vom Einkommen der Eltern unabhängig ist. In der Region werben Kommunen per Instagram, und sie gehen sogar ins Ausland.
Neckarsulm will Fachkräfte im Ausland gewinnen
Dazu gehört Neckarsulm. Dieses Jahr soll eine Kampagne beginnen, "um qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen", betont Rathaussprecher Andreas Bracht. Im Blick sei das europäische Ausland. Erste Erfahrungen lassen sich derzeit nicht abschätzen. "Der Zeitplan für die Rekrutierungskampagne wird derzeit mit den Kooperationspartnern festgelegt."
Gemmingen zahlt Zweitkräften mehr Geld
Auch Gemmingen ist aktiv. Die Gemeinde war 2022 mit einem gravierenden Mangel an Betreuungsplätzen und Personal ins neue Jahr gestartet. "In einem Kraftakt aller Beteiligter", so Bürgermeister Timo Wolf, habe man diesen Mangel beseitigen können. Personal für die vier Kindergärten in Gemmingen und Stebbach - einschließlich einem neuen Naturkindergarten - habe man nicht über Anzeigen, sondern "in der Direktansprache" gefunden, so Wolf. Zusammen mit dem Gemeinderat habe man sich im Laufe des Jahres außerdem entschieden, die Löhne für Zweitkräfte anzuheben. Gemmingen war zu diesem Zeitpunkt im unmittelbaren Umfeld die "einzige Gemeinde, die noch nach Tarif bezahlt hat".
Fachschulen starten mit Sozialpädagogischer Assistenz, die sich an Hauptschüler richtet

Auch bei der Ausbildung tut sich etwas. Fachschulen bereiten sich auf das Angebot vor, Personen zur Sozialpädagogischen Assistenz auszubilden. Dazu gehören die Katholischen Fachschulen St. Martin in Neckarsulm, die damit im kommenden Schuljahr beginnen will. Mit 20 bis 25 Schülern rechnet Schulleiter Thomas Ochs. Hauptschüler hätten sich schon bislang für den Beruf des Erziehers interessiert, sagt er. Bislang brauchte man aber die Mittlere Reife.
Jugendliche mit Hauptschulabschluss profitierten deshalb von dieser neuen Möglichkeit. Sie erhielten damit einen ersten Abschluss, könnten sich im Anschluss daran weiterqualifizieren. Auch bei den Trägern der Einrichtungen komme die Möglichkeit gut an. Sozialpädagogische Assistenten seien keine ungelernten pädagogischen Kräfte mehr, sagt er. Sie könnten anders eingesetzt werden, das wirke sich auf den Stellenschlüssel aus.
Auch die Erzieherakademie in Heilbronn erweitert ihr Portfolio um die Sozialpädagogischen Assistenz. Schulleiterin Isabel Engelhaus hat dieselben Beweggründe wie ihr Neckarsulmer Kollege: Damit können auch Hauptschüler einsteigen, bei Interesse dann noch weitermachen. "Wir wollen junge Schüler begleiten", sagt sie.
Auch die Christiane-Herzog-Schule in Heilbronn bildet Erzieher aus. Dort werde angedacht, dass es eine Ausbildung in Teilzeit geben soll, sagt Verena Kelly, die die Abteilung Sozialpädagogik leitet. Nur: Es fehlten nicht nur Erzieher, sondern auch Fachkräfte in der Ausbildung, sagt sie. Neu ist, dass die Fachschule für Sozialpädagogik das sogenannte Marte-Meo-Konzept mit Videosequenzen verwendet.
Wer den Beruf ausübt, ist froh. Eunike Schwarzkopf und Isabel Böckle sind Schülersprecherinnen der Erzieherakademie. Erzieher würden zwar manchmal belächelt, sagt Eunike Schwarzkopf. Sie blickt aber auf die Entwicklung, die Kinder durchleben. "Wir tragen aber eine große Verantwortung." Das sieht Isabel Böckle genauso. Nur spielen, nur aufpassen? "Wir haben einen Bildungsauftrag", betont sie. Der Beruf erfüllt die beiden. Eunike Schwarzkopf erzählt: "Man sieht jeden Tag lachende Gesichter, man bekommt so viel zurück von den Kindern."
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