KI im Handwerk: Bäckerei Förch in Erlenbach setzt auf Künstliche Intelligenz
Die Bäckerei Förch in Erlenbach setzt auf Künstliche Intelligenz. Mit der App "BäckerAI" eines Würzburger Start-ups wollen sie effizienter werden. Wo genau die KI helfen kann.

Wer auf dem Weg von der Arbeit nach Hause noch schnell beim Bäcker hält, um ein bestimmtes Brot mitzunehmen, ist enttäuscht, wenn das Regal leer und das gewünschte Produkt bereits ausverkauft ist. Gleichzeitig macht die Bäckerei Umsatzverlust, hätte sie doch ein Brot mehr verkaufen können. Damit Brote, Brezeln, Brötchen und süße Stückchen den Kunden in der optimalen Menge angeboten werden, ohne dass zugleich am Ende des Tages zu viel übrig bleibt, kommt bei der Bäckerei Förch seit einiger Zeit eine Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Zuerst hatte der SWR berichtet.
"Bis wir die KI genutzt haben, hat meine Frau Rita die Mengen für über zehn Filialen mit je 50 Artikeln selbst berechnet", erzählt Produktionsleiter Felix Gosch, der seit 2016 im Familienbetrieb der Bäckerei Förch arbeitet. "Die täglich über 650 Produkte nach Bedarf für unsere Filialen anzupassen, war sehr zeitintensiv und anstrengend." Doch dann sei man durch Zufall auf einen Bericht über ein Start-up-Unternehmen aus Würzburg gestoßen, das die App "BäckerAI" entwickelt hat.
Die auf künstlicher Intelligenz basierende Technologie speziell für die Bäckerbranche ermittle anhand von mehr als 150 verschiedenen Faktoren automatisch die ideale Bestellmenge für jede Filiale. Ziel sei es, dadurch den Umsatz durch eine maximale Warenverfügbarkeit zu steigern, Retourenmengen und Zeitaufwand zu reduzieren sowie Rohstoffe und Energie einzusparen.
Bäckerei Förch setzt in Erlenbach auf KI: So wird Künstliche Intelligenz genutzt
"Wir haben Kontakt aufgenommen und gemeinsam das System für unsere Bäckerei aufgesetzt", erzählt Gosch. Mithilfe der Entwickler habe man das Programm mit allen wichtigen und notwendigen Daten gefüttert und mit dem Kassensystem verknüpft, sodass am Ende alle 16 Filialen mit beispielsweise Öffnungszeiten und dem jeweiligen Sortiment hinterlegt waren. "Zusätzlich zu diesen Daten berücksichtigt die KI bei der Mengenberechnung auch Faktoren wie Wochentag, Wetter, Verkehr, Schulferien und Baustellen", ergänzt Personalmanager Louis Füger. Dadurch könne das Programm sehr genau berechnen, welche Filiale welche Produkte an welchem Tag in welcher Menge benötige.
"Zu Beginn haben wir das Programm recht genau kontrolliert, doch es lief gleich sehr gut. Das System trainiert sich selbst auch immer mehr, je mehr Daten und Werte über die Zeit gefüttert werden", so Füger. Inzwischen sei die BäckerAI im Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken. Mit einem Vorlauf von rund zwei Tagen plane man die zu produzierenden Mengen. Schwierigkeiten habe das Programm lediglich, wenn es um Feiertage gehe. "Letztes Jahr sind Silvester und Heiligabend auf einen Sonntag gefallen. Das war zuletzt vor elf Jahren der Fall, sodass die KI natürlich keine Werte zur Berechnung hatte", berichtet Louis Füger.
Bäckerei in Erlenbach setzt auf Apps wie "BäckerAI" und "Too good to go"
"Für uns geht die Kosten-Nutzen-Rechnung auf jeden Fall auf", so Gosch. "Ohne die KI müssten wir für diese Arbeit inzwischen zwei Personen anstellen." Vor der Technologie habe man oftmals Filialen im Landkreis auch ein zusätzliches Mal anfahren müssen, um Produkte nachzuliefern. "Das machen wir überhaupt nicht mehr." Erfreulich sei auch, dass sich durch die BäckerAI die Retourenmenge reduziert habe.
"Und das, was am Ende des Tages übrig bleibt, wird zu Futtermittel oder geben wir über 'Too good to go' ab. Das ist eine App, über die Selbstabholer bei uns zu einem günstigeren Preis überschüssige Waren bestellen können."
Künstliche Intelligenz: Die Technologie der Zukunft
Künstliche Intelligenz (KI) oder auch artifizielle Intelligenz (AI) ist einer der wichtigsten Trends in der Digitalisierung und hält in immer mehr Branchen Einzug. KI ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem maschinellen Lernen befasst. Mit KI wird versucht, menschliches Lernen und Denken auf Computer zu übertragen. Viele Unternehmen setzen KI in der Entwicklung, Produktion oder Verwaltung ein.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz erklärt, dass 69 Prozent der deutschen Unternehmen KI für die wichtigste Zukunftstechnologie halten. Es werde erwartet, dass KI-basierte Lösungen im produzierenden Gewerbe ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 30 Mrd. Euro ermöglichen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt soll durch den Einsatz von KI bis zum Jahr 2030 um 11,3 Prozent steigen.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare