Wahlkampf in Heilbronn: Das sagen die Parteien zur Kinderbetreuung
Am 9. Juni werden überall in Baden-Württemberg neue Gemeinderäte gewählt: Wie sich die Listen zur Kommunalwahl in Heilbronn für die Kinderbetreuung einsetzen wollen.

Die darbende Innenstadt, Kinderbetreuung, Sicherheit, Wohnen und Bauen sowie nicht zuletzt Mobilität: Themen wie diese treiben die Bürger derzeit mehr denn je um. Die Stimme fragte im Vorfeld der Kommunalwahl am 9. Juni Sprecher der Listen für den Heilbronner Gemeinderat an, was sie dazu sagen. Heute geht es um die Kinderbetreuung.
CDU: Familienpolitik beinhaltet, die frühkindliche Bindung zu stärken
Teil der christdemokratischen Familienpolitik ist es, die frühe kindliche Bildung zu stärken. So steht die CDU auch in Zukunft zum kostenlosen Kindergartenplatz (Ü3). Wichtiger Begegnungsort für Kinder seien Spielplätze. So fordert die Partei, dass Heilbronn im Städteranking zu den Städten gehört, die die größte Spielfläche pro Kind hat. Und: Der Lernort Schule muss gelingen. Ziel sei es, dass es alle Jugendlichen zum Schulabschluss schaffen. Daraus ergebe sich der Auftrag – alle – gleichermaßen zu fordern und zu fördern.
Grüne: Kinderbetreuung als Maßnahme gegen Fachkräftemangel
Zuverlässige Kinderbetreuung sei eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel. Viele Eltern möchten nach der Geburt ihres Kindes rasch wieder in den Beruf zurückkehren. Sie wünschten sich deshalb Betreuungsmöglichkeiten, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Diese sind sehr unterschiedlich. Besonders wichtig sei eine Gute Unterstützung für Alleinerziehende. Die Grünen machen sich stark für gute, zuverlässige und flexible Kinderbetreuung auch in den Ferien. Die Gebühren müssen so gestaltet sein, dass sich die Arbeit noch lohnt.
SPD: SPD hält am gebührenfreien Kindergarten fest
Am Heilbronner Erfolgsmodell gebührenfreier Kindergarten hält die SPD fest. Sobald das Land endlich in die Förderung der Kindertagesbetreuung einsteigt, werde man dieses auch für unter Dreijährige umsetzen. Auch die Sprachförderung in allen Kindertageseinrichtungen sei ein echter Mehrwert, den die SPD weiter optimieren wolle. Sie schaffe mehr Kindergartengruppen, die auch in den Randzeiten und während der Ferien Öffnungszeiten anbieten, um damit arbeitende Eltern zu entlasten.
FDP: Sprachentwicklung muss gefördert werden
Sie fordert unter anderem die Stärkung der frühkindlichen Bildung, „insbesondere durch passgenaue Förderung bei der Sprachentwicklung mit dem Ziel, dass alle Kinder bei der Einschuldung über ein vergleichbares Sprachniveau verfügen“. Außerdem setzt sich die FDP für den Ausbau von Kitas sowie eine stärkere Honorierung der Fachkräfte ein, „da diese für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf essentiell sind“, was auch dem Fachkräftemangel entgegenwirke.
AfD: Deutsche Sprache als Bildungssprache "oberstes Gebot"
Bei der Kinderbetreuung ist die „Hinführung zur deutschen Sprache als Bildungssprache“ für die AfD „oberstes Gebot“. Dies müsse so früh wie möglich angegangen werden, spätestens aber ab drei Jahren. Nicht nur Sprache, auch fehlendes Personal sei ein großes Problem. Und: „Gegen den Bau von weiteren Kindertagesstätten hätten wir auch nichts dagegen.“ Eine Besonderheit in Heilbronn ist der gebührenfreie Kindergarten für alle Kinder ab drei Jahren. „Das unterstützen wir ausdrücklich.“
FWV: Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten
Sie setzen sich für eine bedarfsdeckende Versorgung von Kindern mit Kita-Plätzen ein und begleiten die Bedarfsplanung kritisch. Auch wenn ein Fachkräftemangel bei Erzieherinnen besteht, sei es obersten Ziel, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten. Dabei stellt die Ü-3-Gebührenfreiheit eine wichtige Entlastung für Familien dar. Weil immer mehr U3-Angebote nutzen, müsse die Familienentlastung im städtischen Haushalt neu gedacht werden.
Die Linke: Heilbronn muss mehr Erzieher einstellen
Sie macht sich für den Erhalt der kostenfreien Kindergärten stark und fordert eine Ausweitung auf die Kindertagesstätten. „Soziales Lernen und Bildung beginnt im Kleinkindalter“, sagt Gruppensprecher Konrad Wanner. Darüber hinaus müsse die Stadt ihre Bemühungen verstärken, um Erzieher einzustellen. Die verlässliche Ganztagesschule und kostenloses Schulessen müsse Standard werden.
Pro: Nicht an den Kleinsten der Gesellschaft sparen
An kostenlosen Kindergartenplätzen müsse man festhalten. „Denn es kann nicht sein, dass jede Theaterkarte mit 90 Euro bezuschusst und an den Kleinsten unserer Gesellschaft eingespart wird.“ Pro trete weiterhin für den Bau neuer und die Renovierung alter Kitas ein. Die Ausbildung junger Betreuer müsse gefördert werden, um jedem Kind einen Platz gewähren zu können. „Eltern, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren (U3) selbst betreuen, sollten dafür finanziell entlastet werden.“
UfHN: Betreuungskosten bei der Steuer geltend machen
Pro Kind und Jahr können bis zu 6000 Euro Betreuungskosten bei der Steuer geltend machen. Davon zieht das Finanzamt zwei Drittel, also maximal 4000 Euro, von der Steuer ab. Dieser Steuerfreibetrag entfällt, bei kostenlosen Kindergartenplätzen. Warum? Sozialgestaffelte und zugleich niedrige Gebühren könnten den gleichen Effekt haben, dass das, was dann von Einzelnen noch gezahlt wird, nahezu vom Finanzamt zurück kommt. Diese Mehrerlöse der Stadt sollten ausschließlich zusätzlich zum bisherigen Budget in Betreuung, Ausstattung und Personal fließen.
Gemeinsam für unser HN: Mangel an qualifizierten Erziehern
Nicht die Anzahl der Plätze oder Kosten, sondern der Mangel an qualifizierten Erziehern definiert den Handlungsbedarf. Personalmangel sei Hauptgrund für begrenzte Aufnahmekapazitäten und lange Wartezeiten. Es brauche mehr ergebnisorientierten Konzepte, um das Berufsbild des Erziehers attraktiver zu machen. Andere Kommunen, etwa Neckarsulm und Schwäbisch Hall, seien hier positive Beispiele.
Die Partei: Kinderarbeit löst Fachkräftemangel
Die Vertreter von Die Partei setzen sich für Kinderarbeit ein. Das löse den Facharbeitermangel und die mangelnde Kinderbetreuung.
BIG: Ausbau der Betreuungsplätze und flexible Betreuungszeiten
Die Qualität und Verfügbarkeit der Kinderbetreuung ist aus Sicht des Bündnisses für Innovation & Gerechtigkeit ein entscheidender Faktor für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Partei schlägt deshalb einen Ausbau der Betreuungsplätze sowie flexible Betreuungszeiten vor: Für Fethi Akdogan steht außerdem fest, dass die Qualität der Betreuung durch regelmäßige Fortbildungen des Personals und eine angemessene Ausstattung der Einrichtungen gesichert und stetig verbessert werden muss.
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