Darum ließen sich Jungwinzer trotz Krise bewusst in Weinsberg in ihrem Beruf ausbilden
Konkurrenz aus dem Ausland und fallende Preise machen es dem Weinbau nicht einfach. Trotzdem blicken die Absolventen der Weinbauschule in Weinsberg eher positiv in die Zukunft.
Nach zwei Jahren Ausbildungszeit an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg endete am 17. Juli für drei staatlich geprüfte Technikerinnen und elf Techniker für Weinbau und Oenologie mit ihrer Verabschiedungsfeier die Berufsausbildung. Mit ihrem profunden, in der LVWO erworbenen Wissen stehen sie vor dem Sprung in die Berufspraxis.
Sinkender Weinkonsum und fallende Preise erschweren Winzern das Geschäft
Trotz der aktuellen Krise in der Weinbaubranche, mit sinkendem Weinkonsum, internationalem Wettbewerb, auf dem europäischen Weinmarkt fallenden Preisen für das Produkt Wein, blicken die elf LVWO-Absolventinnen und Absolventen optimistisch in die Zukunft. „Ich gehe zunächst nach Frankreich und dann für fünf bis sechs Monate nach Neuseeland, um international Erfahrung zu sammeln“, berichtet Jungwinzer Cyril Kleiner aus Koblenz in der Schweiz.
In beiden Ländern habe er bereits in renommierten Betrieben eine Technikerstelle. Leo Schönenberger, ebenfalls aus der Schweiz, macht sich auch keine Sorgen. Er steigt in den elterlichen Großbetrieb in Winterthur ein.

„Kleinbetriebe wie wir es sind, werden noch lange existieren, wir haben einen stabilen Kundenstamm und sind näher an der Kundschaft“, meint Heinrich Rudolf Kindhauser vom Berghof in Wiesendangen (Schweiz).
Jungwinzerin nach Abschluss an der Weinbauschule Weinsberg: „Jeder hofft, dass es wieder besser wird“
„Ich sehe meine Zukunft im elterlichen Mischbetrieb mit 70 Hektar Obst-, Acker- und Weinbau“, erklärt Annalena Spieß aus der Pfalz. Als genossenschaftlicher Winzerbetrieb sei die Situation im Weinbau wegen niedriger Auszahlungspreise schwierig, so die frischgebackene Weinbautechnikerin.
Ihr Ziel sei es, den elterlichen Betrieb später einmal zu übernehmen und mit einer Eventscheune für Hochzeiten, Verkostungen und Feste ein weiteres betriebliches Standbein zu schaffen. Ob sie den Betrieb wie bisher weiterführen könne, müsse sie sich ansehen. „Wie früher wird es nicht mehr, aber jeder hofft, dass es wieder besser wird“, sagt Annalena Spieß.
Absolventen der Weinbauschule Weinsberg: Den Traum vom eigenen Weingut verwirklichen
„Es ist gerade eine besondere Zeit, und es wird eine Herausforderung“, meint Carlo Clauß aus Baden. Er wird ebenfalls in den elterlichen Weinbaubetrieb einsteigen. Clauß meint, es werde zu wenig für den Export ins Ausland getan. Die Weinbaubetriebe müssten sehen, dass sie auf der Suche nach Innovationen zusammenarbeiten.
Ihren Traum vom eignen Weingut verwirklicht Nadine Leitner, Berufsquereinsteigerin aus Öhringen. „Ich habe einen Job in Aussicht, möchte mir aber selbst etwas aufbauen“, erklärt Leitner. Sie habe Weinberge gepachtet und wolle als leidenschaftlicher Lemberger-Fan diese Rebsorte anbauen. Als Betriebseinsteigerin sei sie sehr günstig in Eberstadt an Rebflächen gekommen.
Zukunft für Jungwinzer der Weinbauschule Weinsberg im eigenen Betrieb oder als Angestellte
„Ich sehe in der aktuell schwierigen Lage für mich als Selbstvermarkterin gute Chancen“, blickt Natalie Leitner mutig in die Zukunft. Ein zweites Standbein ihres „Weinguts in erster Generation“ soll eine Traubensaftproduktion werden.
Auch die anderen Absolventinnen und Absolventen sehen ihre Zukunft im eigenen Familienbetrieb oder im Angstellenverhältnis durchaus rosig. „Die sind alle gut, und sie haben die besten Zukunftschancen“, ist Dr. Oliver Schmidt, Leiter der Weinbauschule Weinsberg überzeugt.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare