Weinbau auf Talfahrt: Ein Stück Heimat steht auf dem Spiel

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Weinbau rentiert sich kaum oder nicht mehr. Warum das so kam, und was Verbraucher dagegen machen können, zeigt unser Autor auf.

Württemberger Wein war noch nie so gut wie heute. Dennoch steckt die Branche in der Krise. Warum nur?
Württemberger Wein war noch nie so gut wie heute. Dennoch steckt die Branche in der Krise. Warum nur?  Foto: Berger, Mario

Ausgerechnet jetzt, wo die Wengerter so gute Weine machen wie noch nie, stecken sie tiefer denn je in der Krise. Dies sollte auch und gerade im Jubiläumsjahr des Weinbauverbandes nicht unter den Tisch fallen. Schönreden hilft nichts.

Die Lage ist dramatisch. Sinkender Weinkonsum und explodierende Betriebskosten führten dazu, dass sich der Weinbau kaum noch oder gar nicht mehr rentiert. Das ist zwar weltweit so, doch Württemberg scheint es besonders hart zu treffen. Zu lange wähnte man sich auf einer Insel der Seligen. Alte Schwaben genossen früher locker ihre Literflaschen und blieben ihrem Wengerter treu. Export hatte man nicht nötig. Trollinger brachte Trauben in Fülle und garantierte hohe Erlöse. Gleichzeitig sorgten Genossenschaften für Stabilität.Vielleicht hat dies dazu geführt, dass man sich zu wenig um die Vermarktung kümmerte.

Die Talfahrt nimmt an Fahrt auf. Gegensteuern ist angesagt

Aber die fetten Jahre sind vorbei. Die Zahl der Wengerter hat sich in 20 Jahren halbiert. Brachflächen nehmen zu, vor allem in arbeitsintensiven Steillagen. Die Talfahrt nimmt an Fahrt auf. Gegensteuern ist angesagt. Ob die neue genossenschaftliche Werbekampagne etwas bewirkt oder die weltweit erste 0,75-Liter-Mehrwegflasche, entalkoholisierter Wein, Schorle oder Süß-und-Fruchtig-Produkte? Jedenfalls zeugen die innovativen Projekte davon, dass man sich neuen Marktsituationen stellt.

Freilich: In erster Linie leben Winzer von ihrem möglichst guten Wein. Und hier hat Württemberg enorm zugelegt. Auch die vielen bestens ausgebildeten Jungwinzer machen Mut. Und auf dem weiten Feld der Vermarktung hat sich weit über Besenwirtschaften hinaus bis hin zum Weintourismus einiges getan.Bleibt zu hoffen, dass dies bald auch wieder genügend Kunden zu honorieren wissen. Sonst bleiben immer mehr Winzer auf der Strecke – und mit ihnen ein Teil der Kulturlandschaft, ein Stück Heimat.

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