Neckarsulmer Jungwinzer legt Lehrweingarten mit robusten Rebsorten an
Immer mehr Brachflächen zeugen von der Krise des Weinbaus. Der Neckarsulmer Jungwinzer Daniel Bauer lässt sich nicht entmutigen. Er legt einen Lehrweingarten an und stellt sich auch sonst breit auf.
„Nicht jammern, sondern weiterschaffen und Pioniergeist an den Tag legen.“ So in etwa macht sich Daniel Bauer Mut – der allgemeinen Schieflage im Weinbau zum Trotz. Dabei belässt es der 34-jährige Neckarsulmer nicht beim Reden. Er tut auch etwas. Zum Beispiel am Scheuerberg. Während derzeit dort wie vielerorts Rebanlagen aufgegeben werden, weil sich der Weinbau kaum noch rentiert, hat der Jungwinzer von der Stadt einen zwölf Ar großen Trollinger-Wengerter hinzugepachtet. „Und dies auch noch in Steillage mit Spitzzeile“, erklärt er, also mit denkbar schlechten Rahmenbedingungen – und einer aus der Mode gekommenen Sorte.
Sieben Ar davon hat Bauer jetzt komplett neu angelegt, ausschließlich mit pilzwiderstandsfähigen Sorten, kurz Piwis, die er für rund zwei Euro das Stück bei der Rebschule der Genossenschaftskellerei Heilbronn bezogen hat, insgesamt 225 kleine Setzlinge, überwiegend aus der in Österreich gekreuzten Sorte Donauriesling. Den Anfang jeder Zeile zieren ganz verschiedene Piwis: von Solaris über Muscaris und Sauvitage bis hin zu Souvignier gris und Hibernal.
Neckarsulmer Jungwinzer Daniel Bauer legt Lehrweingarten mit robusten Rebsorten an

Als Ganzes soll der Wengert als Wein-Lehr-Garten dienen. Dabei bilden die knorrigen Trollinger-Stöcke mit ihrer unkonventionellen Erziehungsart einen Kontrast zu den „Zukunftssorten“, wie die Piwis gerne bezeichnet werden. Ihr Hauptvorteil: Sie müssen kaum noch mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt werden. Das schont laut Bauer nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel des Wengerters.
Der Arbeitsaufwand sei auch wegen des Wuchses geringer. Und geschmacklich könnten die meisten Züchtungen inzwischen mit Traditionssorten mithalten. „Da sind echt coole Sachen dabei.“
Neckarsulmer Jungwinzer Daniel Bauer: Lehrgarten soll über Vorteile wenig bekannter robuster Rebsorten aufklären
Doch Piwis haben auch einen Haken: Ihre Namen und damit ihr Qualitätspotenzial sind kaum bekannt. Eben dies will Daniel Bauer mit seinem Lehrgarten und entsprechenden Info-Tafeln ändern. Ganz bewusst hat er ihn neben dem neuen Höhepunkt des Weinlehrpfads am Scheuerberg angepflanzt: an einem einladenden Aussichtspunkt mit großem Holzfass und Liegebänken. So diene er nebenbei als Anziehungspunkt für Spaziergänger, bei Führungen oder bei Bauers touristischen Rundfahrten mit dem Planwagen.

Winzer brauchen heutzutage mehrere Standbeine, etwa auch im Tourismus
„Als Winzer brauchst du heute mehrere Standbeine“, weiß Bauer, „vom Traubenabliefern oder vom Weinverkauf allein kannst du keine Familie mehr ernähren“. Großvater Albin und Vater Urban hätten das schon längst mit der eigenen Besenwirtschaft und einer Brennerei am Stammsitz in der Schlossgasse erkannt. Er selbst sei im Herbst inzwischen mit einem Traubenvollernter als Lohnunternehmer unterwegs – und eben verstärkt auf dem weiten Feld des Weintourismus.
Im Juli werde er den 10,6 Hektar großen Familienbetrieb von seinem Vater übernehmen, sagt der 34-Jährige. „Es muss ja irgendwie weitergehen.“
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