Weinbautagung

Winzer suchen bei Tagung in Weinsberg Auswege aus der Krise

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Der baden-württembergische Agrarminister Hauk versucht Wengertern mit markigen Worten und Fördergeldern Mut zu machen. Aber auch sonst ist bei der 72. Württembergischen Weinbautagung einiges geboten.

Dunkle Wolken, aber auch Lichtblicke über der Württemberger Weinlandschaft, so wie hier in einem teils gerodeten Weinberg im Kochertal bei Oedheim.
Foto: Kilian Krauth
Dunkle Wolken, aber auch Lichtblicke über der Württemberger Weinlandschaft, so wie hier in einem teils gerodeten Weinberg im Kochertal bei Oedheim. Foto: Kilian Krauth  Foto: Krauth, Kilian

Wer Wein moderat genießt, nicht säuft, kann sein Wohlbefinden steigern“ und so „in einem Land, in dem sonst Milch und Honig fließen“, seinen Beitrag zur Rettung des Weinbaus leisten. Denn: „Ohne Württemberger wäre das Leben zwar möglich, aber fast sinnlos.“ So umriss der aus Baden stammende Agrarminister Peter Hauk bei der 72. Württembergischen Weinbautagung in Weinsberg die aktuelle Schieflage der Branche. Sinkender Weinkonsum, befeuert durch Anti-Alkohol-Kampagnen und Sparzwänge der Verbraucher, bei gleichzeitig steigenden Betriebskosten führten dazu, dass immer mehr Wengerter in Existenznot gerieten, ihre Rebflächen aufgäben – und ein Teil der Kulturlandschaft verloren gehe.

Blankenhorn: „Mehr Innovationen, mehr Anpassung, mehr Marketing“

Während Gastgeber und LVWO-Direktor Dieter Blankenhorn vor zahlreichen Branchenvertretern im Saal und im Homeoffice „mehr Innovationen, mehr Anpassung, mehr Marketing“ forderte, umriss Hauk, wie die Politik Winzern helfe. Insgesamt stünden 2025 im Landesetat 20 Millionen Euro zur Verfügung. Im Januar habe man ein Sofortprogramm aufgelegt, das Hilfen von EU, Bund und Land bündele. Zudem habe Stuttgart den Steillagenzuschuss von 3000 auf 5000 Euro pro Hektar aufgestockt. Flankierend unterstützte man die Absatzförderung, Qualitätsprogramme, den Weinexport sowie Weintourismusprojekte. Auf EU-Ebene setze er sich für eine EU-Frostbeihilfe und die Wiederzulassung eines speziellen Pflanzenschutzmittels für Ökos ein, so Hauk mit Blick auf den Klimawandel. Zudem sollte die zeitweise Weinbergbrache von der EU als Ökoleistung anerkannt werden.

„Kreative Ideen, neue Wege und das positive Image gilt es zu bewahren“

Als Mutmacher trat Ulrich Dura vom  Regierungspräsidium (RP) Stuttgart auf. „Wein ist Genuss, Leidenschaft, Tradition“. Der Weinbau werde „selbstverständlich nicht untergehen. Wir haben gute leistungsfähige Betriebe, die auf ertragssicheren Standorten wirtschaften.“

Randlagen aber würden wegfallen. Zur Bewahrung der Kulturlandschaft seien „Unterstützungsmöglichkeiten“ im öffentlichen Interesse, so Dura. Und: Jede Krise biete Chancen – auch wenn man sie auf Anhieb nicht sehe. „Kreative Ideen, neue Wege und das positive Image gilt es zu bewahren.“

Weinabsatz in Deutschland ist seit 2020 um 25 Prozent gesunken

Vor diesem Hintergrund zeigte Steffen Zeyer von der Weinbauschule Kostenstrukturen und betriebliche Anpassungsmöglichkeiten auf. Weltweit werde trotz Rodungen nach wie vor zu viel Wein produziert – und immer weniger getrunken. Hierzulande sei der Absatz seit 2020 um 25 Prozent gesunken. Gleichzeitig drückten Südländer zunehmend auf den deutschen Markt, stellten schon 60 Prozent der verkauften Flaschen, und drückten die Preise. So kosteten zwei Drittel der Weine im Discounter weniger als vier Euro pro 0,75-Liter-Flasche. 

Betriebskosten steigen, Preise stagnieren

Auf der anderen Seite hätten Winzer mit steigenden Kosten zu kämpfen, der Mindestlohn sei seit 2015 um 51 Prozent auf 12,82 Euro/Stunde gestiegen, die Betriebsmittelkosten seit 2021 um 18 Prozent. Insgesamt fielen für einen Hektar Kosten von 15 000 Euro an, die Auszahlungsleistung liege aber meist unter 10 000 Euro. Sehr detailliert zeigte Zeyer, wie sich der Weinbau – etwa mit robusteren Sorten, geringerer Pflege, Kooperationen, Flächentausch, Vollernter – betriebswirtschaftlich nicht oder „noch“ rentieren könne und wann er zukunftsfähig sei: Ganz sicher nicht mit Sonderangeboten, sondern mit Preissteigerungen von 20 Prozent, über den Export, neue – eher alkoholreduzierte – Produkte und mehr Weintourismus.

Womöglich führten Rodungen zu einem Marktgleichgewicht, wobei die Rebflächen „geordnet“ reduziert werden müssten, so Zeyer, um dem Tourismus nicht zu schaden. Als Alternativen böten sich Photovoltaik oder Biodiversitätsmaßnamen an. Insgesamt sollten sich Winzer mehrere Standbeine schaffen.

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