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Neckarsulm

Feuerwehr im Katastrophenschutz immer aktiver

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Neben der jetzt geforderten „Kriegstüchtigkeit“ gibt es Szenarien vom Großbrand bis zu Starkregen, bei denen die Hilfsdienste zum Schutz und der Versorgung gebraucht werden. 

Kai Lindheimer ist seit Anfang des Jahres hauptamtlicher Kommandant der Neckarsulmer Feuerwehr.
Kai Lindheimer ist seit Anfang des Jahres hauptamtlicher Kommandant der Neckarsulmer Feuerwehr.  Foto: Niklas Hesser

Kai Lindheimer ist ein „positiver Mensch“. So charakterisiert sich Lindheimer selbst, der seit 1. Januar der Kommandant der Neckarsulmer Feuerwehr ist. 200 Einsatzkräfte, darunter fünf Hauptamtliche, hören auf sein Wort. 

Und das muss manchmal klar sein: „Man muss offen und zielstrebig sein.“ Schließlich ist die Feuerwehr für die Sicherheit der 27.000 Einwohner in Neckarsulm verantwortlich. Dass dies neue Aufgaben mit sich bringt, zeigt sich darin, dass jetzt auch die Schulen und damit die Jugend fit gemacht werden, was bei einer „Großschadenslage“ zu tun ist. 

Beispielsweise wenn ein Reisebus verunglückt. Das wird Thema der nächsten Hauptübung am Samstag, 31. Mai, um 9 Uhr auf dem unteren Aquatoll-Parkplatz beim „Strandkorb“ sein. „Unsere Aufgabe ist es, die Verletzten zu bergen“, stellt Lindheimer klar. Aber, in Zusammenarbeit mit anderen Rettungs- und Hilfsdiensten, müssen auch diejenigen versorgt werden, die verunsichert und hungrig sind, oder denen kalt ist. „Stellen wir uns vor, wir müssten im Winter bei minus zehn Grad ein Hallenbad evakuieren.“ 

Aus diesem Grund steht auf dem Hof des Magazins ein Abrollcontainer des Bevölkerungsschutzes, der beheizbar ist, in dem Menschen sitzen oder liegen und etwas essen und trinken können. 

Feuerwehr Neckarsulm setzt neue Anforderungen im Katastrophenschutz um 

Bei Hochwasser, Großbränden, oder, was jetzt immer wieder genannt wird, auch im Kriegsfall, ist der Katastrophenschutz eine wichtige Aufgabe. „Wir setzen das als eine der ersten Feuerwehren im Landkreis um“,  betont Lindheimer. Dem 34-jährigen Familienvater ist vor allem wichtig: die Selbsthilfe. „Die Bürgerinnen und Bürger haben die Verpflichtung, für ihre Sicherheit zu sorgen.“

Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz ist nachzulesen, was man für den Notfall zu Hause haben sollte: Eine Taschenlampe, ein Akku-betriebenes Radio, Trinkwasser und dauerhaft lagerbare Essensvorräte. „Eventuell auch Sandsäcke gegen Starkregen und Hochwasser“, ergänzt Lindheimer. Die Stadt Neckarsulm setzt hier ein Konzept zum Starkregen-Management um, auch das Feuerwehrmagazin selbst ist davon betroffen. 

Notfalltreffpunkte bieten Schutz und Sicherheit

Bei Kampfmittelfunden oder großflächigen Stromausfällen, wie es jetzt in Eppingen geprobt wurde, dienen fünf Notfalltreffpunkte im Stadtgebiet als Anlaufstelle. „Sie dienen der Versorgung, dem Schutz und der Sicherheit der Bevölkerung, aber auch dem schnellen Austausch von Informationen. Wir haben Strom und Licht und sind auch erreichbar.“ Wenn Telefone und das Handy-Netz nicht mehr funktionieren, könne man in der Feuerwache oder dem Notfalltreffpunkt schnell Hilfe bekommen. „Schutzräume sind nicht mehr vorhanden“, stellt Stadt-Sprecher Andreas Bracht klar.  

Auch bei „normalen Einsätzen“, von denen die Neckarsulmer Wehr mit den Abteilungen Dahenfeld und Obereisesheim 350 im Jahr hat, wird „die Technik immer anspruchsvoller“, weshalb Lindheimer dafür ist, auch bei kleineren Feuerwehren Hauptamtliche einzustellen. Alleine die Wartung und Prüfung der 25 Fahrzeuge und neun Abrollbehälter, aber auch die Brandverhütung, die bei größeren Gebäuden Vorschrift ist, erfordere immer mehr Expertise. 

Fordernde Einsätze, wie das tagelange Hochwasser vor einem Jahr, lassen die Einsatzzeiten steigen. Zuständig sei man für das gesamte Stadtgebiet vom Kaufland im Süden bis zur B27 Richtung Bad Friedrichshall. „Wenn jemand einen Unfall meldet und nicht genau weiß, wo er ist, rücken wir auf jeden Fall aus.“ Auf der Autobahn ist die Feuerwehr Neckarsulm von den Ausfahrten Untereisesheim bis Bretzfeld und auf der A81 bis Weinsberg/Ellhofen zuständig. „Die technische Hilfe macht einen Großteil der Einsätze aus.“ Auch, weil es zunehmend mehr automatisierte Notrufe durch E-Calls bei verunfallten Autos gibt. „Das ist aber sinnvoll, wie automatisierte Brandmeldeanlagen in Gebäuden, weil oft niemand die Feuerwehr alarmiert“, betont der Kommandant. 

Feuerwehr oft auch bei der Überlandhilfe im Einsatz

Bei bestimmten Stichworten, wie etwa „Großbrand Audi“, werden automatisch die umliegenden Wehren mit alarmiert. Im Gegenzug leisten auch die Neckarsulmer Floriansjünger Überlandhilfe. „Wir machen nicht an der Stadtgrenze Halt.“ Wichtig sei, ohne Zeitverlust schnell am Einsatzort zu sein. „Dann stimmt man sich mit den anderen ab, wer was zu tun hat.“

Gebäude an der Kapazitätsgrenze

Im vergangenen Jahr hatte es Unruhe in der Neckarsulmer Feuerwehr wegen der anstehenden Kommandantenwahl gegeben. Diese hatte Kai Lindheimer nicht betroffen, es ging um einen Mitbewerber. Mittlerweile sei aber Ruhe eingekehrt. „Es hat sich alles zum Positiven gedreht.“ Die Abteilungen arbeiteten sehr gut zusammen, das Führungsteam stehe hinter ihm. Die Wehr habe ein hohes Ansehen bei der Stadtverwaltung und der Bevölkerung, betont der Kommandant. „Wir haben hier Rückenwind und eine hohe Wertschätzung für das Ehrenamt.“ Gleichwohl freue man sich, wenn mehr Aktive das Personal verstärken würden. Und – dieses Signal sendet der Kommandant Richtung Rathaus und Gemeinderat: „Die Gebäudestruktur ist an der absoluten Kapazitätsgrenze.“  

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