Die E-Akte kommt: Das sagen Ärzte aus der Region Heilbronn
Lange überwog die Skepsis, inzwischen befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung die Einführung der elektronischen Patientenakte. Was die ePA kann und wann sie startet.
Am 15. Januar beginnt die Einführung der elektronischen Patientenakte ePA für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland. Zunächst wird die Akte in Modellregionen getestet. Wenn technisch alles funktioniert, soll die Anwendung, etwa ab Mitte Februar, auf den Rest der Republik ausgerollt werden.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gibt es eine breite Zustimmung für die ePA in der Bevölkerung. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der Befragten halten die Akte demnach für sehr sinnvoll oder eher sinnvoll.
Die E-Akte kommt: Neckarsulmer Hausarzt Neuwirth beklagt technische Störungen bei ePA
„Grundsätzlich ist das eine gute Sache, wenn die Technik funktioniert“, sagt auch der Neckarsulmer Hausarzt Dr. Tobias Neuwirth. Derzeit seien die Prozesse, etwa zum Hochladen von Befunden in die Akte, noch komplex und störanfällig. Neuwirth hofft, dass sich das mit den nächsten Updates und der Modellphase deutlich verbessern wird.
Wenn alle relevanten Gesundheitsdaten in der ePA gespeichert sind und der Arzt sie einsehen könne, sei das eine große Erleichterung im Behandlungsprozess, sagt er. Patienten haben jedoch auch die Möglichkeit, den Zugriff zu beschränken und zu selektieren, welcher Arzt welche Information sehen soll. „Ich als Arzt brauche aber Zugriff auf alle Daten, um zum Beispiel Wechselwirkungen zwischen Medikamenten auszuschließen.“
Neckarsulmer Zahnarzt Fuchs betont die Chancen der ePA
Der Neckarsulmer Zahnarzt Dr. Peter Fuchs betont ebenfalls die Chancen. „Um besser zu werden bei der Therapie von Krankheiten, ist die Sammlung von Gesundheitsdaten enorm wichtig“, sagt er. Fuchs moniert allerdings den „unfassbar komplexen Prozess“ für die Nutzung der ePA.
Die Anwendung kann in seiner Praxis theoretisch schon seit Monaten eingesetzt werden, allerdings frage kaum ein Patient danach – und wenn doch, scheitere es häufig am PIN, den der Patient parat haben müsse, um dem Arzt den Zugriff zu erlauben. „Ich verstehe nicht, warum man sich nicht einfach mit dem Handy legitimieren kann, wie bei Dutzenden anderer Anwendungen auch“, sagt er.
Patienten können die Nutzung der ePA ablehnen
Die ePA oder E-Akte ist ein digitaler Gesundheitsordner, in dem Ärzte Gesundheitsdaten wie Arztbriefe, Befunde, Medikationspläne oder Röntgenbilder speichern können – auch Patienten selbst können dort Dokumente ablegen. Die Nutzung ist freiwillig. Patienten bestimmen, wer Zugriff auf die ePA bekommt. Wer keine ePA will, kann widersprechen. Als wählbares Angebot, um das sich Versicherte aktiv kümmern müssen, war die ePA bereits 2021 eingeführt worden. Sie wurden bisher jedoch kaum genutzt.
Daher drehte die Ampel-Koalition das Prinzip mit einem Gesetz um: Jetzt bekommen alle Kassenpatienten eine E-Akte, außer man widerspricht aktiv. Die Einrichtung dürfte sich wegen der großen Menge bis zu vier Wochen hinziehen. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet mit mehr als 70 Millionen E-Akten.
Wann die SLK-Kliniken angeschlossen werden, ist unklar
Perspektivisch sollen auch Krankenhäuser und andere Gesundheitsdienstleister wie Pflegedienste angeschlossen werden. Wann das für die SLK-Kliniken der Fall sein wird, kann ein Sprecher auf Anfrage nicht sagen. Man sei jedenfalls schon seit langer Zeit dabei, die Voraussetzungen „für einen erfolgreichen Einsatz der ePA im Klinikalltag zu schaffen“, heißt es von dort.
Barmer-Managerin sieht ePA als Meilenstein
Innovations-Managerin Bérengère Codjo von der Krankenkasse Barmer sieht die ePA als „Meilenstein für moderne Gesundheitsversorgung“. Für Praxen und Ärzte werde es viel leichter, den Überblick zu behalten: „Auch angesichts des Personalmangels im Gesundheitswesen ist das eine enorme Erleichterung.
Und die ePA ist nur der Anfang. Später sollen die darüber gesammelten anonymisierten Daten der Forschung helfen, schnellere Analysen zu erstellen.“ Somit stünden in einer möglichen Krisensituation Informationen rasch zur Verfügung.
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