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Die elektronische Patientenakte ePA kommt: „Behandlung wird sicherer“

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Fax und CD-Rom sollen Geschichte sein: Im Januar 2025 bekommen alle Kassenpatienten in Deutschland die ePA. Bérengère Codjo von der Krankenkasse Barmer erklärt, was das bedeutet.

Die elektronische Patientenakte, kurz ePA. Alle Kassenpatienten in Deutschland bekommen in Kürze Zugriff darauf. Für Ärzte gibt es eine einmonatige Testphase in Modellregionen.
Die elektronische Patientenakte, kurz ePA. Alle Kassenpatienten in Deutschland bekommen in Kürze Zugriff darauf. Für Ärzte gibt es eine einmonatige Testphase in Modellregionen.  Foto: dpa

Die elektronische Patientenakte, kurz ePA, gibt es schon seit einigen Jahren, aber nur ein Bruchteil der Versicherten hat sie installiert, genutzt wird sie so gut wie nicht. Das soll sich ändern. Im Januar 2025 wird die ePA flächendeckend eingeführt. Was das für Patienten bedeutet, erklärt Bérengère Codjo von der Krankenkasse Barmer.

Was ändert sich für Patienten?

Bérengère Codjo: Patienten werden einen digitalen Ordner haben, in dem Ärzte und in einem zweiten Schritt auch andere Akteure im Gesundheitswesen, also zum Beispiel Pflegekräfte, alle für die Behandlung relevanten Informationen ablegen. Die Daten werden dort zentral gespeichert und der Patient hat die Hoheit darüber und Zugriff darauf, das ist ein großer Fortschritt.

Bérengère Codjo von der Innovationsabteilung der Barmer in Berlin ist zuständig für die Kommunikation rund um die ePA.
Bérengère Codjo von der Innovationsabteilung der Barmer in Berlin ist zuständig für die Kommunikation rund um die ePA.  Foto: privat

Warum?

Codjo: Der wesentliche Unterschied ist, dass der Patient seinen Arzt bisher immer nach seinen eigenen Daten fragen musste, wenn er sie zum Beispiel zum nächsten behandelnden Arzt mitnehmen wollte. Die Daten wurden dann in unterschiedlicher Form ausgehändigt, als CD oder Brief oder Fax, was unkomfortabel war. Mit der ePA gibt es nun eine zentrale Stelle zum Speichern von wichtigen medizinischen Infos.

Worin sehen Sie den Vorteil?

Codjo: Ärzte bekommen mehr Informationen und die Patienten werden mündiger, denn sie können die Behandlung viel besser nachvollziehen und mit ihrem Arzt darüber sprechen. Das trägt zu mehr Behandlungssicherheit bei, vor allem für chronisch Kranke, die häufig zehn Medikamente und mehr einnehmen und viele behandelnde Ärzte haben. Für sie ist es kaum möglich, den Überblick zu behalten. Künftig werden e-Rezept-Daten automatisch einlaufen und Patienten können zudem Befunde für die ePA freigeben. Der nächste Behandler oder das Krankenhaus sieht dann, welche Medikamente schon verabreicht werden und ob zum Beispiel bei einer Operation etwas Bestimmtes zu beachten ist, zum Beispiel, weil der Patient Blutverdünner nimmt.

Ab wann ist die ePA für Patienten im Raum Heilbronn verbindlich verfügbar?

Codjo: Patienten bekommen ihre Akte zwischen dem 15. Januar und dem 15. Februar. Die Krankenkassen legen diese für sie an. Für die Ärzte gibt es zunächst eine Testphase in mehreren Modellregionen im selben Zeitraum. Dabei wird zum Beispiel geprüft, wie lange es dauert, Dokumente in die ePA zu übertragen oder ob die Berechtigungsvergabe funktioniert. Denn Patienten können Berechtigungen für einzelne Ärzte vergeben und für andere den Zugriff einschränken. Die Anbieter der Praxissoftware sind verpflichtet, die Modellregionen mit Priorität zu versorgen. Danach folgen die anderen Regionen. Auch Baden-Württemberg kann die entsprechenden Updates schon bekommen, es hängt davon ab, wie schnell die Anbieter arbeiten.

Was tun Patienten ohne Handy und PC?

Codjo: Die Nutzung der ePA ist davon unabhängig. Ärzte verwalten die ePA für Patienten, die keine solchen Geräte haben. Zusätzlich gibt es bei den Krankenkassen ab 15. Januar eine Ombudsstelle. Das Personal dort hilft Patienten dabei, die digitalen Einstellungen gemäß ihren Wünschen vorzunehmen und zum Beispiel den Zugriff für eine bestimmte Praxis zu begrenzen. Patienten können auch eine Vertretung benennen, die per App für sie die Akte pflegt. Möchte ein Patient in die Akte selbst reinschauen, braucht er die App seiner Krankenkasse.

Was ändert sich für die Ärzte und andere Behandler?

Codjo: Aus unserer Perspektive ist die ePA ein Meilenstein für moderne Gesundheitsversorgung. Für Praxen und Ärzte wird es viel leichter, den Überblick zu behalten. Auch angesichts des Personalmangels im Gesundheitswesen ist das eine enorme Erleichterung. Und die ePA ist nur der Anfang. Später sollen die darüber gesammelten anonymisierten Daten der Forschung auch helfen, schnellere Analysen zu erstellen. Somit stehen in einer möglichen Krisensituation die richtigen Informationen im richtigen Moment zur Verfügung.

Zur Person: Bérengère Codjo ist in der Innovationsabteilung der Barmer Krankenkasse in Berlin zuständig für die Kommunikation rund um die elektronische Patientenakte (ePA). 

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