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Am Landgericht Heilbronn
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Prozess gegen mutmaßliche Dealer: Was wusste die Bande aus dem Zabergäu?

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Der Racheplan im Zabergäu sollte heftig ausfallen. Waren die mittlerweile verurteilten Dealer in den geplanten Vergeltungsschlag der mutmaßlichen Dealer aus dem nördlichen Heilbronner Landkreis eingeweiht?


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Ein Racheakt hätte es mutmaßlich werden sollen. Doch fuhren die Angeklagten geradewegs in einen Hinterhalt? Mit Baseballschläger, Schlagring, Schreckschusspistole und Machete bewaffnet, sollen drei Mitglieder einer mutmaßlichen Drogendealer-Bande aus dem nördlichen Heilbronner Landkreis am 27. Juni des vergangenen Jahres ins Zabergäu aufgebrochen sein. Das mutmaßliche Motiv: Rache.

Am Tag davor hatte eine Konkurrenz-Dealerbande aus dem Zabergäu mutmaßlich mehrere der Angeklagten in einer Bad Friedrichshaller Wohnung überfallen – und dort sechs Kilogramm Marihuana und zwei Kilogramm Haschisch erbeutet. Drei dieser Männer aus dem Zabergäu wurden am Heilbronner Landgericht bereits – unter anderem wegen bewaffneten Drogenhandels und schweren Raubes – zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Zwei haben das Urteil akzeptiert, einer der Angeklagten hat Revision eingelegt.

Drogendealer-Bande aus dem Zabergäu wusste offenbar über Plan der Heilbronner Konkurrenz Bescheid 

Am fünften Verhandlungstag gegen das mutmaßliche Dealer-Sextett aus dem Landkreis Heilbronn stand an diesem Donnerstag, 22. Mai, am Heilbronner Landgericht die Frage im Raum, inwiefern die Gruppe aus dem Zabergäu über die Rachepläne Bescheid gewusst hatte. Schließlich wollten die zuvor Überfallenen mutmaßlich ein Mitglied der gegnerischen Gruppe, den sie als Beteiligten des Raubes erkannt haben wollten, unter Vortäuschung eines Drogen-Geschäfts entführen, foltern und unter diesem Druck das Versteck der geraubten Drogen erfahren. Während der Verhandlung stand daher die Auswertung der Chat-Verläufe in sozialen Netzwerken im Zentrum.

Darin war zwischen Mitgliedern der Zabergäuer-Gruppe davon die Rede, dass Heilbronner vorbeikommen würden. Offenbar seien diese bewaffnet. Der Leiter der Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei, wollte darin aber kein eindeutiges Zeichen dafür sehen, dass die Zabergäuer einen Hinterhalt geplant hatten. Die Infos seien zu unspezifisch, um konkret auf die Angeklagten, die alle mit Drogenproblemen zu kämpfen haben, schließen zu können. Offenbar hatte daraufhin auch keine lückenlose Untersuchung der Chat-Verläufe der mutmaßlichen Beteiligten stattgefunden, wie mehrere Verteidiger in Richtung des Ermittlungsleiters kritisierten.

Drogengeschäfte und die mutmaßliche Konkurrenz zwischen zwei Dealer-Banden beschäftigen derzeit das Heilbronner Landgericht.
Foto: Lina Bihr
Drogengeschäfte und die mutmaßliche Konkurrenz zwischen zwei Dealer-Banden beschäftigen derzeit das Heilbronner Landgericht. Foto: Lina Bihr  Foto: Bihr, Lina

Vor Urteilsverkündung in Heilbronn: Mutmaßlicher Racheplan wohl wegen Verwechslung gescheitert 

Für die Urteile im Prozess könnte es relevant sein, ob sich im Vorfeld des geplanten Racheakts eine Art Empfangskomitee der gegnerischen Bande im Zabergäu formiert hatte. Letztendlich kam es nicht zur Durchführung des mutmaßlich geplanten Racheakts, weil die Angeklagten mutmaßlich einen unbeteiligten Motorroller-Fahrer für einen der Konkurrenten gehalten hatten und sie nach Erkennen ihres Fehlers vom Plan abgesehen haben sollen.

Weitere Versuche, Näheres zur Kenntnis der Rache aufseiten der Zabergäuer Gruppe herauszufinden, blieben fruchtlos: Die drei als Zeuge geladenen, bereits verurteilten Mitglieder konnten keine neuen Erkenntnisse beitragen oder machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Nächster Verhandlungstermin: am Montag, 26. Mai.

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