Vergeltungsplan nach Überfall aufs eigene Drogenlager? Die Angeklagten im Drogendealer-Prozess am Heilbronner Landgericht sind zwischen 19 und 22 Jahre alt.
Foto: Lina Bihr
Foto: Bihr, Lina
Drogenhandel, verbotener Waffenbesitz, eine geplante Entführung mit beabsichtigter Folter sowie eine Verfolgungsjagd mit der Polizei vor der Festnahme: Die Anklageschrift klingt wie der Stoff für einen Krimi-Blockbuster.
Seit diesem Montag, 14. April, sind sechs junge Männer aus dem Landkreis Heilbronn im Alter zwischen 19 und 22 Jahre vor dem Heilbronner Landgericht angeklagt. Die Vorwürfe: Die allesamt ledigen Verdächtigen mit unter anderem deutscher, italienischer, tschechischer, syrischer sowie kosovarischer Staatsbürgerschaft sollen 2023 und 2024 als Gruppe, jedoch in unterschiedlicher Personen-Konstellation, im Raum Heilbronn in großem Stil mit Drogen gehandelt haben.
Anklage am Heilbronner Landgericht: Unter anderem 97 Kilogramm Cannabis
Dabei sollen sie gemeinsam mindestens einen Umsatz im hohen sechsstelligen Bereich erzielt haben. Die Anklage wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln beruft sich auf insgesamt 20 Taten, bei denen die Angeklagten in Summe 97 Kilogramm Cannabis und fast zwei Kilogramm Kokain umgesetzt haben sollen.
Ein Großteil des Rauschgifts soll einer der Angeklagten in seiner Wohnung in Bad Friedrichshall gelagert haben. Dort soll es am 26. Juni 2024 zu einer folgenschweren Auseinandersetzung gekommen sein: Mindestens fünf Mitglieder einer rivalisierenden Drogendealer-Bande aus dem Zabergäu sind mit Pfefferspray, Axt und Messer bewaffnet in die Wohnung eingedrungen und sollen dabei sechs Kilogramm Marihuana und zwei Kilogramm Haschisch erbeutet haben. Dieser Fall wird in einem anderen Verfahren am Heilbronner Landgericht verhandelt.
Mutmaßlicher Racheplan zwischen Dealerbanden im Raum Heilbronn
Durch diesen Überfall sollen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft ihre Vormachtstellung im Heilbronner Drogendealer-Milieu gefährdet gesehen haben. Also schmiedeten sie mutmaßlich einen Racheplan: In Textnachrichten auf dem Messenger-Dienst Snapchat sollen die Verdächtigen geplant haben, ein Schein-Drogenschäft mit einem gezielten Mitglied der rivalisierenden Bande einzugehen. Dazu habe man ein Treffen auf dem Parkplatz der Katharina-Kepler-Schule in Güglingen vereinbart.
Der weitere Plan soll vorgesehen haben, den Konkurrenten zu entführen und ihn mit einem Sack über dem Kopf und einem Knebel im Mund in einer Scheune in Bad Friedrichshall gefangen zu halten. Zudem sollen die Angeklagten vorgehabt haben, dem Entführten einen Finger zu brechen und ihm anal Gegenstände einzuführen. Ziel der Folter: Sie hätten auf diese Weise erfahren wollen, wo sich die geraubten Betäubungsmittel befinden und wer an dem Überfall vom Vortag beteiligt gewesen sei.
Drogendealer-Prozess am Landgericht Heilbronn: Urteil Ende Mai
Doch zur Ausführung des mutmaßlichen Racheplans kam es nicht: Als sich drei der Angeklagten – laut Staatsanwaltschaft maskiert und mit Baseballschläger, Schlagring, Schreckschusspistole und Machete bewaffnet – in Güglingen eingefunden haben, erschien der als Entführungsopfer auserwählte Konkurrent nicht. Stattdessen traf die Polizei ein, die Zeugen zwischenzeitlich alarmiert hatten. Nach einer Verfolgungsjagd, bei der der Fahrer des Trios zahlreiche Verkehrsregeln missachtet und unter Drogeneinfluss gestanden haben soll, gelang es den Beamten, das Auto auszubremsen.
„Als mögliche Strafen stehen drei bis fünf Jahre im Raum.“Thilo Kurz
Unter anderem wegen gemeinschaftlichen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, versuchter Geiselnahme mit geplanter Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes befinden sich die Angeklagten seit August in Untersuchungshaft.
Vorsitzender Richter Thilo Kurz erklärt am Prozess-Auftakt: „Als mögliche Strafen stehen drei bis fünf Jahre im Raum. Allerdings ist das konkrete Strafmaß noch vom Erkenntnisgewinn während der anstehenden Sitzungen, dem Verhalten der Angeklagten vor Gericht sowie möglichen Geständnissen abhängig.“ In diesem Zusammenhang seien auch mildere oder gar zur Bewährung ausgesetzte Strafen denkbar. Der Prozess geht am Donnerstag weiter. Die Urteile sollen Ende Mai fallen.
Banden-Konkurrenz
Seit Mitte März sind drei der mindestens fünf Beteiligten am Überfall auf das Konkurrenz-Drogenlager in Bad Friedrichshall am Landgericht Heilbronn angeklagt. Dabei sollen die Zabergäuer laut Staatsanwaltschaft Marihuana im Wert von rund 24.000 Euro sowie zwei Kilogramm Haschisch erbeutet haben. Dazu legt die Staatsanwaltschaft ihnen gemeinschaftlichen Handel mit Betäubungsmitteln in 14 Taten zur Last. Die drei Verdächtigen haben die Taten bereits gestanden
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