Mit Axt und Sturmhauben: Mutmaßliche Drogendealer gestehen Überfall auf Konkurrenten
Mit brachialer Gewalt sollen fünf mutmaßliche Drogendealer aus dem Zabergäu in eine Bad Friedrichshaller Wohnung eingedrungen sein. Die Geschädigten wollten sich tags darauf rächen.
Mit Pfefferspray, Axt und Messer bewaffnet sollen mindestens fünf Männer Ende Juni am helllichten Tag mit Sturmhauben in die Wohnung eines Konkurrenten in Bad Friedrichshall-Kochendorf eingedrungen sein. Ein Nachbar will sogar eine Pistole gesehen haben. Laut Heilbronner Staatsanwaltschaft haben die Räuber dabei sechs Kilogramm Marihuana im Wert von rund 24.000 Euro sowie zwei Kilogramm Haschisch erbeutet.
Drei von ihnen sitzen seit Mitte März auf der Anklagebank des Heilbronner Landgerichts. Mittlerweile sind sie geständig im Sinne der Anklage. Diese legt den Beschuldigten zur Last, im Zeitraum von August 2023 bis August 2024 im Raum Heilbronn gemeinschaftlich mit Betäubungs- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln Handel getrieben zu haben. Angeklagt sind 14 Taten, die sich insgesamt auf knapp elf Kilogramm Cannabis, 25 Gramm Kokain und weitere rund 780 Tilidin-Tabletten beziehen.
Brutale Gewalt in Drogenszene: Der fünfte mutmaßliche Täter ist derzeit noch flüchtig
Im Laufe des Verfahrens vor der 15. Großen Jugendkammer haben sie einen vierten Mittäter genannt. Gegen ihn wird zu einem späteren Zeitpunkt ein separates Verfahren eröffnet. Der mutmaßlich fünfte Täter ist flüchtig. Offenbar befindet er sich derzeit in der Türkei.
Die Geschädigten sprachen bei der polizeilichen Vernehmung zunächst nur von einem Einbruch, bei dem die Täter Umzugskartons gestohlen hätten. Davon, dass sie offenbar eine nicht geringe Menge Drogen in der Wohnung eines Kochendorfer Mehrfamilienhauses gelagert hatten, sagten sie kein Wort. Vermutlich, um sich nicht selbst zu belasten.
Zwei junge Frauen, die sich während des Überfalls zufällig in der Wohnung aufhielten, bestätigten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Vor ihrer Aussage im Zeugenstand wurden sie offenbar von der beraubten Bad Friedrichshaller Gruppierung bedrängt. „Ihre Aussage war für uns kein neuer Erkenntnisgewinn“, sagte der Vorsitzende Richter Thilo Kurz. Weil die Tat auf Video aufgezeichnet ist.
Überfall auf Wohnung in Bad Friedrichshall: Gruppierung heckte bestialischen Vergeltungsplan aus
Um sich die gestohlenen Drogen wiederzubeschaffen, heckten die Bad Friedrichshaller offenbar einen bestialischen Vergeltungsplan aus. Sie kannten die Maskierten aus dem Zabergäu und wollten denjenigen von ihnen in eine entlegene Scheune entführen, von dem sie wussten, dass er mit einem motorisierten Zweirad unterwegs ist.
Laut Handyauswertung planten sie, den Entführten zu foltern, um den Verbleib der geraubten Drogen zu erfahren. Von Zähne ziehen und Fingernägel ausreißen war offenbar ebenso die Rede wie davon, dass sie ihm Lachgas rektal einführen wollten. Dabei stellten sie sich offenbar die Frage, wann ein Mensch platzen würde. Als sie ihrem Opfer auflauerten, hielten sie allerdings den falschen Zweiradfahrer an und bekamen es laut Richter offenbar mit der Angst zu tun.
Über den Verbleib der geraubten Drogen ist laut Richter Kurz derzeit nichts bekannt. Möglicherweises haben es die Beschuldigten in einem Waldstück versteckt. Nicht weit davon fand die Polizei ein Fahrzeug der mutmaßlichen Tätergruppe auf, dessen Scheiben eingeschlagen und dessen Reifen zerstochen waren.
Ursprünglich hatte die Kammer 27 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Angesetzt waren zudem zehn Prozesstage. Aufgrund des Geständnisses der Angeklagten müssen nicht mehr alle Zeugen gehört werden. Auch die Zahl der Verhandlungstage dürfte sich reduzieren. Die nächste Sitzung findet am 16. April statt.
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