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Gelbe Tonne im Raum Heilbronn: Zu viel Verpackung landet im Restmüll

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Zu viele Verpackungen landen im Restmüll: Der Landkreis Heilbronn hat bei der Wiederverwertung noch Aufholbedarf. Das ändert sich bei der Gesetzeslage. 


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Seit fast 40 Jahren gibt es die Wertstoffhöfe im Landkreis Heilbronn. „Das war damals vorbildlich“, urteilt Verena Müller von Prezero Dual. Die Recycling-Expertin gibt aber zu Bedenken, dass die 6,9 Kilogramm pro Einwohner und Jahr, die 2025 an Dosen, Kunststoffverpackungen und Tetrapacks eingesammelt wurden, weit unter dem Landesdurchschnitt von 33,4 Kilogramm liegen.

Immerhin, mit der Einführung der Gelben Tonne im Landkreis Heilbronn habe sich der Anteil an Leichtverpackungen (LVP) auf 19 Kilogramm pro Einwohner schon fast verdreifacht. Aber: Es landet immer noch zu viel davon im Restmüll. 

Weniger Verpackungen im Müll: Das ist die Vorgabe für den Raum Heilbronn

Vorgabe des Landes-Umweltministeriums ist, die Menge an Wertstoffen im Hausmüll von derzeit etwa  35 Kilogramm pro Einwohner und Jahr bis 2030 zu halbieren oder sogar auf höchstens zehn Kilogramm zu reduzieren. Es sei die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Entsorger – wie der Städte und Landkreise – durch die jeweiligen Sammel- oder Bringsysteme die Wertstoffmengen zu steigern und damit die Hausmüllmengen zu reduzieren.

Beim Recycling, hier die Sortieranlage in Ölbronn, ist noch viel Luft nach oben.
Beim Recycling, hier die Sortieranlage in Ölbronn, ist noch viel Luft nach oben.  Foto: Hofmann, Elfi

Die neue EU-Verpackungsverordnung, die noch dieses Jahr in Deutschland umgesetzt werden soll, wird nach Einschätzung des Umweltministeriums Baden-Württemberg „Impulse für den Rezyklatmarkt“ geben. Derzeit sei es noch günstiger, Verpackungen aus Rohstoffen herzustellen, sagt Verena Müller. Aber angesichts steigender Ölpreise werde das aus alten Verpackungen gewonnene Kunststoffgranulat attraktiver. 

Verbundverpackungen stellen Entsorger vor große Probleme

Mit einer Recyclingquote von rund 70 Prozent würde Deutschland die Vorgaben der neuen EU-Verpackungsverordnung schon erfüllen. Während aber zum Beispiel bei PET-Einwegflaschen schon beinahe 100 Prozent recycelt werden, machen Verbundverpackungen den Entsorgern weiterhin große Probleme.

"Getränkekartons landen noch oft im Restmüll, weil viele nicht wissen, dass die in die Gelbe Tonne gehören“, setzen Vertreterinnen der Dualen Systeme wie Verena Müller auf Aufklärung. Die Papier-, Kunststoff- und Aluminiumanteile müssen in einem Wasserbad getrennt werden. „Schwieriger sind fest miteinander verbundene Kunststoffe, die zum Beispiel für Fleisch-Verpackungen verwendet werden.“ Hier berate man die Konsumgüterindustrie. „Schickes Design bedeutet nicht immer gutes Recycling“, betont Müller. 

Deutschland ist beim Recycling nicht überall ein „Musterschüler“

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) moniert daher, dass Deutschland zwar beim Recycling ein „Musterschüler“ sei, aber die Quoten für Getränkekarton-, Glas- und Verbundverpackungen klar verfehlt werden. Nicht recyclingfähige Verpackungen und Fehlwürfe in den Gelben Tonnen oder dem Gelben Sack, die immer noch 30 Prozent ausmachen, werden verbrannt. „Aus Turnschuhen, Staubsaugerbeuteln, Schwimmflügeln und vergleichbaren Fehlwürfen kann selbst die leistungsfähigste Sortieranlage keinen Neukunststoff gewinnen“, stellt Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin Kreislaufwirtschaft beim Umweltbundesamt, fest. 

Die EU-Verpackungsverordnung enthält grundlegende Anforderungen an Verpackungen im Hinblick auf die Zusammensetzung, die Gestaltung, die Wiederverwendbarkeit und Verwertung. Die Vorgaben werden nun in eine nationale Ausführungsverordnung, das neue Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz umgesetzt. Für die Hersteller bedeutet das: Zukünftig müssen alle Verpackungen recyclingfähig sein.

Aber immerhin die Hälfte dessen, was an LVP-Wertstoffen eingesammelt wird, geht tatsächlich ins Recycling. Moderne Sortieranlagen wie in Ölbronn im Enzkreis, in der auch die Heilbronner Chargen sortiert werden, trennen mit Infrarot-Scannern zuverlässig nach verschiedenen Kunststoffarten auf. So erhalte man sortenreines Recyclat, mit dem neue Verpackungen hergestellt werden können. 

Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung verschärfen sich die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit, so Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR: „Gefordert sind die Hersteller, denn ab 2030 dürfen nur noch Verpackungen in Verkehr gebracht werden, die zu mindestens 70 Prozent stofflich verwertbar oder wiederverwendbar sind. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung recyclinggerechten Designs.“ 

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