Stimme+
Seit 1. Juli im Amt

Neuer Ortsvorsteher in Bad Friedrichshall-Plattenwald: Das sind die Ziele von Klaus Tominski 

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Klaus Tominski ist der erste ehrenamtliche Ortsvorsteher im Bad Friedrichshaller Stadtteil Plattenwald. Das hat durchaus Vorteile gegenüber der hauptamtlichen Position.

Klaus Tominski (links) ist der neue und erste ehrenamtliche Ortsvorsteher in Bad Friedrichshall-Plattenwald. IT-Beraterin Tatjana Pothier sowie Polsterer Özgür Pehlivan sind seine Stellvertreter.
Klaus Tominski (links) ist der neue und erste ehrenamtliche Ortsvorsteher in Bad Friedrichshall-Plattenwald. IT-Beraterin Tatjana Pothier sowie Polsterer Özgür Pehlivan sind seine Stellvertreter.  Foto: Seidel, Ralf

Fragt man ihn nach dem Besonderen in seinem Stadtteil, muss Klaus Tominski nicht lange überlegen: „Bei uns im Plattenwald haben die Menschen gute Ideen und halten zusammen, wenn es darauf ankommt. Man muss ihnen aber die Gelegenheiten geben, die Grundeinstellungen auch in die Tat umzusetzen.“

Ein Beispiel war das Fest „Plattenwald feiert“ Ende Juni: Diese Veranstaltung hieß lange „Fest der Kulturen“, wurde nun umbenannt und hat gezeigt, dass im südöstlichsten Stadtteil Bad Friedrichshalls alle gemeinsam feiern – unabhängig vom kulturellen Hintergrund. Tominski: „Die Leute haben sich auch ohne Helferlisten eingebracht. Als wir für die Veranstaltung handwerkliche Unterstützung gebraucht haben, haben sich sofort Leute bereiterklärt.“

Klaus Tominski: Erster ehrenamtlicher Ortsvorsteher in Bad Friedrichshall-Plattenwald

Seit 1. Juli ist der 64-jährige Steuerberater der erste ehrenamtliche Ortsvorsteher im Stadtteil Plattenwald. Nachdem der hauptamtliche Vorgänger Mykola Heinrich im vergangenen Jahr im Ortschaftsrat keine Mehrheit für sich verbuchen konnte, hat Klaus Tominski als ältestes Mitglied des Rats den Posten interimsweise übernommen. In der Bad Friedrichshaller Gemeinderatssitzung am 1. Juli wurde Tominski offiziell ins Amt gewählt. Seine Stellvertreter sind IT-Beraterin Tatjana Pothier und Polsterer Özgür Pehlivan.

Dass er der erste ehrenamtliche Ortsvorsteher im 3.000-Einwohner-Stadtteil Plattenwald ist, betrachtet Klaus Tominski als Vorteil: „Ein hauptamtlicher Ortsvorsteher hat auch offizielle Verwaltungsaufgaben, etwa in Bezug aufs Standesamt, zu erfüllen. Das könnte ich gar nicht, da mir die Ausbildung fehlt.“

Neuer Ortsvorsteher will in Bad Friedrichshall-Plattenwald einiges bewegen

Zudem habe Vorgänger Mykola Heinrich nicht in Bad Friedrichshall-Plattenwald gewohnt. Tominski lebt seit mehr als 30 Jahren im Stadtteil, kennt die Menschen und die Plätze, ist gut vernetzt und weiß, wo der Schuh drückt. „Als Ortsvorsteher sind wir das Bindeglied zwischen den Menschen und dem Gemeinderat sowie der Stadtverwaltung. Wir sind vor Ort und ansprechbar, wenn die Leute etwas auf dem Herzen haben“, sagt die 51-jährige Pothier.

In Bad Friedrichshall-Plattenwald leben rund 3.000 Menschen.
In Bad Friedrichshall-Plattenwald leben rund 3.000 Menschen.  Foto: Berger\, Mario

Und auch wenn die finanziellen Mittel eingeschränkt sind und längst nicht alles rasch umsetzbar sein wird: Klaus Tominski und seine beiden Stellvertreter wollen im Plattenwald einiges bewegen. „Vor allem das Thema Begrünung liegt uns am Herzen“, erklärt der Ortsvorsteher. Die Dachsanierung der Grundschule sei längst überfällig. Und für die Jugend möchte sich das Trio einsetzen. Pothier: „Junge Menschen wollen draußen sein, sie brauchen Treffpunkte.“

Einsatz für Jugendliche in Bad Friedrichshall-Plattenwald

Und zwar gleich mehrere, schließlich setzen sich die Jugendlichen in Plattenwald aus mehreren Gruppen und nicht einem verbundenen Freundeskreis zusammen. Hier gilt es, beleuchtete und überdachte Orte zu finden, an denen die jungen Leute zusammenkommen können. „Wir wollen nicht nur über die Jugendlichen, sondern vor allem mit ihnen sprechen“, sagt Pothier.

Das miteinander Sprechen, der Dialog, liegt dem neuen Ortsvorsteher von Bad Friedrichshall-Plattenwald, Klaus Tominski, sehr am Herzen. „Es gilt, herauszufinden, wo die Dinge im Argen liegen – und dann Lösungen zu entwickeln. Schimpfen kann jeder, das Bessermachen und die Probleme anzupacken ist das, worum es geht.“

Ehrenamt wichtig, um Stadtteile voranzubringen

Die Spielplätze sind ebenfalls ein Bereich, bei dem Handlungsbedarf besteht. Um die Themen voranzutreiben, braucht es auch Unterstützung seitens der anderen Verwaltungsorgane. Die sei gegeben, sagt Tominski: „In unserem Ortschaftsrat ziehen wir an einem Strang, seit meiner Interimszeit unterstützen mich die Vertreter der Ämter der Stadtverwaltung und auch Bürgermeister Timo Frey hervorragend. Es ist Verständnis da, dass ich mich als Fachfremder einarbeiten muss. Hilfe ist da.“

Ehrenamt in Bad Friedrichshall

Die beiden weiteren Ortsvorsteher in Bad Friedrichshaller Stadtteilen, Michael Reiß in Duttenberg sowie Michael Mandel in Untergriesheim, sind ehrenamtlich tätig. Der Plattenwald als jüngster Stadtteil ist das einzige Viertel der Salzstadt, in dem der Ortsvorsteher im Hauptamt tätig gewesen ist. Aufgrund einer vom Bad Friedrichshaller Gemeinderat beschlossenen Hauptsatzungsänderung im Mai dieses Jahres ist fortan auch der Posten des Ortsvorstehers im Stadtteil Plattenwald im Ehrenamt zu besetzen. Nachdem die Stelle des hauptamtlichen Ortsvorstehers im Plattenwald seit Juli 2024 unbesetzt gewesen ist, hat Klaus Tominski den Posten ein Jahr lang interimsweise besetzt.

Eine weitere Besonderheit im Plattenwald ist die von Russlanddeutschen gepräge Sozialstruktur. „In vielen Haushalten wird nur Russisch gesprochen“, sagt Özgür Pehlivan. „Viele Menschen sind mit der Politik unzufrieden, wählen aus Protest die AfD.“ Bei der Bundestagswahl im Februar erhielt die Partei im Plattenwald 59 Prozent der Zweitstimmen.

Pehlivan: „Zwar sehen die Russlanddeutschen den Plattenwald als ihre Heimat an, viele bleiben aber unter sich. Im Gespräch können wir gegenseitiges Verständnis schaffen, den Zusammenhalt stärken.“ Tominski ist es wichtig, das Viertel aus der Ecke des sozialen Brennpunkts zu bewegen. In Zeiten klammer Kassen setzt er aufs Ehrenamt. „Wenn wir gemeinsam den Stadtteil vorantreiben, sind wir alle Gewinner. Jeder Erfolg motiviert.“

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben