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Baden-Württemberg

Kriminalstatistik verzeichnet weniger Diebstähle – Einzelhändler-Verband widerspricht

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In Baden-Württemberg verzeichnet die Polizei weniger Diebstähle. Das ist das Ergebnis der Polizeilichen Kriminalstatistik. Einzelhändler können die Erkenntnis nicht bestätigen – und widersprechen.


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Deutlich weniger Diebstähle und eine höhere Aufklärungsquote in Baden-Württemberg: Das sind Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik, die Innenminister Thomas Strobl am Donnerstag vorstellt. Die Statistik verzeichnet alle Fälle, die die Polizei bearbeitet hat. 

Auf dem Papier ist es eine erfreulich anmutende Entwicklung. Rund 158.000 Diebstähle hat es 2025 im Land gegeben, etwa acht Prozent weniger als noch im Vorjahr. Wenn man die Pandemiejahre nicht mitzählt, ist das der zweitniedrigste Stand der vergangenen zehn Jahre.

Polizeiliche Kriminalstatistik für 2025: Schäden durch Diebstahl auf Höchststand

Auch die Aufklärungsquote ist laut Innenministerium hoch: 38 Prozent der Diebstahl-Fälle werden aufgeklärt. „Das zeigt, dass die Polizei sich erfolgreich und mit langem Atem kümmert“, sagt Strobl. Laut den Zahlen machen Diebstähle mit knapp 29 Prozent den größten Anteil an allen registrierten Straftaten aus. Nach Ladendiebstählen kommen Fahrraddiebstähle und Diebstähle von Autos oder Autoteilen. Mehrere Audi-Diebstähle mit der Keyless-Go-Masche hatten 2025 auch den Raum Heilbronn beschäftigt. 

Allerdings haben die Schäden, die durch Diebstahl entstehen, einen neuen Höchststand erreicht. 220 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr – zwar zehn Prozent weniger als im Vorjahr, langfristig ist das jedoch der zweithöchste Wert in zehn Jahren. Als Gründe dafür nennt Strobl die Preissteigerungen und dass sich Diebe auf hochpreisige Ware konzentrieren. 

Handelsverband Baden-Württemberg: Diebstahl-Problem deutlich größer

Deutlich weniger Diebstähle im Land? Der Handelsverband Baden-Württemberg kann diesen Eindruck nicht bestätigen – im Gegenteil. Die Lage im Einzelhandel sei „weiterhin dramatisch“, heißt es in einer Mitteilung. „Denn die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet ausschließlich das Hellfeld ab – also nur angezeigte und erfasste Straftaten. Die tatsächliche Dimension des Problems liegt deutlich darüber.“ Im Raum Heilbronn haben kürzlich vermehrte Hofladen-Diebstähle für Aufsehen gesorgt.

Laut einer Studie des EHI Retail Instituts sei in Baden-Württemberg allein 2023 und nur durch Ladendiebstahl ein Schaden in Höhe von 580 Millionen Euro entstanden. „Tendenz weiter steigend.“ Durch Technik und Kontrollen versuchen Einzelhändler im Raum Heilbronn dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

„Die statistisch rückläufigen Zahlen geben keine Entwarnung. Für die Händlerinnen und Händler ist Ladendiebstahl tagtäglich Realität – mit teils existenzbedrohenden Schäden“, erklärt Roland Fitterer, Präsident des Handelsverbands Südbaden und Inhaber mehrerer Edeka-Supermärkte.

Warum viele Diebstähle nicht mehr angezeigt werden

Das Problem: Viele Diebstahl-Fälle werden nicht angezeigt oder fallen erst bei der Inventur auf. „Der bürokratische Aufwand einer Anzeige, selbst wenn der Täter auf frischer Tat ertappt wird, ist erheblich. Gleichzeitig sind die Einstellungsquoten hoch und die Konsequenzen für Täter häufig gering“, kritisiert der Handelsverband. 

Immer wieder würden Einzelhändler erleben, dass sie Diebe erwischen, die Polizei rufen, Hausverbot erteilen, das Verfahren dann aber eingestellt wird, erklärt ein Sprecher des Verbands gegenüber unserer Redaktion. „Für viele Betriebe steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Hier braucht es spürbaren Bürokratieabbau und praxistaugliche Anzeigeverfahren.“

Diebesbanden konzentrieren sich auf Alkohol und hochpreisige Waren

Insbesondere der Bandendiebstahl habe zugenommen. Alkohol und hochpreisige Ware seien beliebte Ziele. Mit der Folge, dass solche Produkte in Supermärkten weggesperrt werden müssen. Laut dem Sprecher wirkt sich das auf den Umsatz aus: Wer für eine Flasche Whisky erst an der Kasse Bescheid geben muss, überlege sich den Kauf noch mal.

Von der künftigen Landesregierung fordert der Verband deshalb ein Maßnahmenpaket gegen Ladendiebstahl. Zu den Forderungen gehört, dass Videoüberwachung mit Künstlicher Intelligenz (KI) eingesetzt werden darf, Polizei und Staatsanwaltschaften gestärkt werden und Verfahren schneller ablaufen. „Der Einzelhandel darf mit diesem Problem nicht allein gelassen werden. Wir brauchen moderne Prävention, effiziente Strafverfolgung und spürbare Konsequenzen für Täter“, erklärt Verbandspräsident Roland Fitterer.

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