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Lehrermangel in Heilbronn – "Wie soll es unter diesen Umständen weitergehen?"

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Bessere Bezahlung und zusätzliche Schulsozialarbeit: GEW-Sprecher Harald Schröder sieht dringenden Handlungsbedarf angesichts des Lehrerengpasses in der Region Heilbronn.

von Lisa Könnecke und dpa

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Die Zukunft rund um das Bildungssystem in Baden-Württemberg sieht alles andere als rosig aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchtet, dass der Lehrkräftemangel in den Schulen wegen der Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung erheblich verschärft wird.

"Bis 2030 werden insgesamt über 110.000 Lehrkräfte fehlen sowie mehrere hunderttausend Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe", sagte GEW-Chefin Maike Finnern der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". 

Lehrermangel in Heilbronn: GEW fordert bessere Arbeitsbedingungen

Die GEW-Chefin sieht in der Ganztagsbetreuung große Chancen. Der schrittweise Rechtsanspruch biete eine einzigartige Gelegenheit, die Bildungslandschaft in Deutschland nachhaltig zu stärken. "Gerade deshalb ist es von großer Bedeutung, die Herausforderungen klar zu benennen und Lösungen anzubieten", sagte Finnern. "Durch qualitative Weiterbildungen und gute Arbeitsbedingungen muss der Ganztag zu einem attraktiven Arbeitsfeld werden."


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Harald Schröder, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW im Raum Heilbronn, pflichtet dem auf Anfrage der Heilbronner Stimme bei. Seit Jahren gebe es auch in der Region einen signifikanten Mangel an Lehrkräften. „Unabhängig von der Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung muss man sich fragen, wie es unter diesen Umständen weitergehen soll."

Ganztagsbetreuung als vielversprechender Weg für mehr Bildungsgerechtigkeit

Schröder betont, dass die GEW ganz klar hinter der Ganztagsbetreuung stehe. Diese sei der beste Weg, um Bildungsgerechtigkeit zu fördern. „Aber dafür braucht es ausgebildete Lehrkräfte.“

Darüber hinaus seien Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen und Schulkrankenschwestern unerlässlich – Personal, das sich um die Kinder kümmert und sie nicht allein lässt, getreu dem Motto: „Kümmert euch um euch selbst.“

Warum stockt Baden-Württemberg nicht in der Bezahlung auf?

Außerdem müssten dringend Schritte unternommen werden, um den Lehrberuf attraktiver zu gestalten, fordert Schröder. Unter anderem durch eine angemessene Bezahlung. Viele Bundesländer hätten mittlerweile auf A13 aufgestockt, Baden-Württemberg habe diese Anpassung nach wie vor nicht vorgenommen. „Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn Lehrkräfte in benachbarte Bundesländer abwandern.“

Neben einer angemessenen Entlohnung fordert Schröder auch bessere Teilzeitmöglichkeiten, insbesondere für junge Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen. Es sei nicht akzeptabel, dass Teilzeitkräfte regelmäßig in „motivierenden Schreiben“ gebeten würden, ihre Stunden aufzustocken. Außerdem brauche es mehr Grundschulen, in denen es "schön ist, zu arbeiten". Die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn hebt Schröder als Paradebeispiel hervor, mit Blick auf Ausstattung und Architektur. "Vergleicht man sie mit öffentlichen Schulen in der Stadt Heilbronn, erkennt man deutliche Unterschiede." Es liege auf der Hand, wo sich Lehrer eher vorstellen könnten, zu arbeiten.

Kritik von Experten: Bildungspolitik in Deutschland wird oft hinten angestellt

Hinzu komme, dass pädagogische Hochschulen für das Grundschullehramt nach wie vor einen Numerus clausus hätten, obwohl dieser nur Sinn mache, wenn es mehr Bewerber als Studienplätze gebe – was derzeit nicht der Fall sei.

Sein Fazit: Die Bildungspolitik werde oft hinten angestellt, sobald Finanzpolitiker das Zepter übernehmen. Deutschland müsse bereit sein, in Bildung zu investieren. „Derzeit ist kein Silberstreifen am Horizont zu erkennen.“

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