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Sitzung des Bildungsbeirats

Starke Nachfrage nach Ganztagsbetreuung: Defizite an manchen Heilbronner Schulen

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Ganztags- und Ferienbetreuung sind beliebt, auch wenn Schulgebäude nicht immer dafür geeignet sind. Ein Drittel der Kinder hat bei der Einschulung  Sprachförderbedarf.  Und: 2025/2026 wird an Gymnasien wieder G9 eingeführt. 

14 Prozent der Kinder mit Gymnasialempfehlung gehen derzeit auf 14 Prozent der Kinder mit Gymnasialempfehlung gehen derzeit auf eine Gemeinschaftsschule.
14 Prozent der Kinder mit Gymnasialempfehlung gehen derzeit auf 14 Prozent der Kinder mit Gymnasialempfehlung gehen derzeit auf eine Gemeinschaftsschule.  Foto: Berger, Mario

Ganztagsbetreuung an der Grundschule, mangelnde Sprachkompetenz bei jedem dritten Erstklässler und was G9 für Schulen und Verwaltung bedeutet: Jede Menge Themen prasselten auf die Mitglieder des Bildungsbeirats bei seiner Sitzung ein. Noch dazu ohne Vorlage, wie Anna Christ-Friedrich (SPD) monierte. Vieles sei eben "brandaktuell", so Sozialbürgermeisterin Agnes Christner zur Erklärung. 

"Wir sind nicht an dem Punkt, an dem wir nichts mehr zu tun hätten, aber die Ausgangslage ist gut", sagte .Julia Speidel vom Amt für Familie, Jugend und Senioren. Ab 2026 haben alle Kinder ab Klasse 1 Anspruch auf acht Stunden Betreuung täglich, auch in den Ferien.  Derzeit sind die Angebote in Heilbronn schon stark nachgefragt. An Paul-Meyle- und Gebrüder-Grimm-Schule müssen die Zeiten aber noch ausgeweitet werden. Frankenbach, Alt-Böckingen und Biberach sind noch Halbtagsschulen. Allgemein müssen die Tage, an denen geschlossen ist, von derzeit 25 auf 20 Tage reduziert werden. 

Nicht alle Schulgebäude in Heilbronn sind für den Ganztag geeignet

Geeignete Räume zu finden, ist ein Problem, weil Mensa und Platzbedarf bei älteren Schulgebäuden teils noch kein Thema waren. Zudem reiche mancherorts die Kapazität der Sporthallen nicht. Individuell suche die Verwaltung nach Lösungen, so Speidel, bis hin zu Neu- oder Umbaumaßnahmen.

Melanie Haussmann, geschäftsführende Schulleiterin in Heilbronn, außer für Gymnasien und Berufsschulen, bat darum, dass zum Wohle der Kinder schnell gehandelt werde. Acht Stunden in der Schule seien lang und anstrengend für die Kinder. "Der Lebensraum Schule hat sich komplett verändert und kann nicht mehr aussehen wie vor 30 Jahren." Die Herausforderungen seien groß, der Weg und der Rechtsanspruch trotzdem richtig, so Tanja Sagasser-Beil (SPD). Beispiel Ferienbetreuung: "Es ist für Eltern quasi unmöglich, ihr Kind die  ganzen Ferien lang zu betreuen." 

30 Prozent der Kinder vor der Einschulung haben Sprachförderbedarf

Weil 30 Prozent eines Jahrgangs vor der Einschulung nicht ausreichend gut deutsch sprechen, soll das Programm "Sprachfit" vor dem Schulstart Förderung bieten. In Heilbronn liegt der Sprachförderbedarf bei Kindern um bis zu zehn Prozent über dem des Landes, heißt es in der Vorlage. Wenn sich Erstklässler immer noch schwertun, kommen sie künftig in Juniorklassen, die die Grundschulförderklassen ablösen.  Je nach Rechenmodell zwischen 140 und 380 Kindern erwartet die Stadt hier ab 2025.

Im Schuljahr 2025/2026 startet G9 an den Gymnasien

Spannend bleibt die für das Schuljahr 2025/2026 anvisierte Umstellung von G8 auf G9, die mit Fünft- und Sechstklässlern startet.  Liegt die Übergangsquote aufs Gymnasium derzeit bei rund 45 Prozent und aktuell bei 535 Kindern, könnten es nach einem Rechenmodell künftig 650 sein, möglich ist aber auch, dass die Zahl gleich bleibt. 

Die Grundschulempfehlung bekommt wieder mehr Gewicht

Bei der Grundschulempfehlung spielen dann die Einschätzung des Lehrers, zentrale Arbeiten in Deutsch und Mathe (Kompass 4) und der Elternwunsch eine Rolle. Sind Lehrer und Eltern unterschiedlicher Meinung, wird das Kind zusätzlich getestet. Den Werkschulabschluss soll es nicht mehr geben. 

Neu ist auch das Startchancenprogramm des Landes, das sozial benachteiligte Schüler stärken soll, vor allem in Deutsch und Mathe. 13 Schulen in Heilbronn hat das Kultusministerium dafür ausgewählt. Kriterien waren unter anderem, wie viele Familien im Leistungsbezug sind oder Migrationshintergrund haben. Auch Kaufkraft und Anzahl der Bücher im Haushalt spielten eine Rolle. Im Schuljahr 2026/2027 soll es richtig losgehen. Wie genau, ist aber noch offen. "Uns fehlt im Moment noch ein bisschen die Klarheit. Wir wissen nicht mit welchem Personal das geschehen soll, und wer das bezahlt", so Agnes Christner. 

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