Zu wenig Hausärzte: Problem droht laut Untersuchung noch größer zu werden
Die Zahl der Hausärzte könnte sich in den kommenden Jahren weiter reduzieren – dies ist ein Ergebnis einer neuen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung. Wie man dem Trend entgegenwirken könnte.
Es gibt zu wenig Ärzte in Deutschland – dieses Problem ist nicht neu, aber es könnte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. So fehlt es nicht nur an Fachärzten, sondern auch an Hausärzten, aktuell sind rund 5000 Stellen unbesetzt, davon etwa 1000 in Baden-Württemberg.
Umfrage der Bertelsmann-Stiftung: Mangel an Hausärzten droht sich auszuweiten
Diese Zahl könnte sich verdoppeln und der Nachwuchs wird diese Entwicklung nur teilweise auffangen können. Eine neue repräsentative Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Universität Marburg kommt zu dem Ergebnis, dass knapp ein Viertel der Hausärzte in den nächsten fünf Jahren ihre Tätigkeit aufgeben.
Diejenigen, die weiterarbeiten wollen, möchten ihre Wochenarbeitszeit bis 2030 um durchschnittlich 2,5 Stunden reduzieren. Aktuell arbeiten Hausärzte im Schnitt 44 Stunden pro Woche, 2012 waren es noch 57,6 Stunden. 56 Prozent wären aber bereit, unter bestimmten Bedingungen längere Arbeitszeiten zu akzeptieren, 42 sind dazu eher nicht bereit.
Zu wenige Hausärzte: Sorgen wegen Altersstruktur
Trotzdem geben 72 Prozent der Befragten an, dass sie mit ihrer Arbeit aktuell zufrieden sind. Sehr unzufrieden sind dagegen nur vier Prozent. Besonders der ländliche Raum ist von einer ärztlichen Unterversorgung bedroht, doch in der Untersuchung der Bertelsmann Stiftung arbeiten aktuell 51 Prozent der Befragten eher im ländlichen Raum, 49 Prozent in Städten.
Im Stadt- und Landkreis Heilbronn ist die Versorgung in diesem Bereich teils noch gut, doch die Altersstruktur gibt Anlass zur Sorge. Um diesem Problem entgegenzuwirken, beschloss zum Beispiel der Heilbronner Gemeinderat im Mai ein kurzfristiges Maßnahmenpaket, für das 200.000 Euro zur Verfügung stehen.
Hausärzte entlasten: Der Schlüssel heißt Digitalisierung
Der Negativ-Trend könnte laut den Autoren durch das geplante Primärarztsystem der Bundesregierung weiter befeuert werden. Denn dadurch steige der Druck und die Auslastung der Praxen weiter an.
Diese Aussichten sind zwar nicht gerade rosig, doch laut den Autoren müsse es nicht zwingend zu einer Verschlechterung in der hausärztlichen Versorgung kommen. Zentral sei, dass Ärzte wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben und weniger für Bürokratie und Verwaltung aufwenden müssen.
Nur zwölf Prozent der Ärzte antworten auf die Frage, ob sie ausreichend Zeit für ihre Patienten haben, mit ja. Knapp die Hälfte gibt an, nicht genügend Zeit für die Patienten zu haben. Damit die Entlastung gelingt, müssten Abläufe wie Terminmanagement, Befundaustausch und Diagnostik stärker digitalisiert werden, heißt es.
Außerdem sollten bestimmte Aufgaben an nicht ärztliche Berufsgruppen im Gesundheitswesen ausgelagert werden. Das Potenzial, dass solche Auslagerungen entlastend wirken können, schätzen 72 Prozent der befragten Ärzte als eher groß oder sehr groß ein. „Nach unserer Ansicht sollten die Strukturen und Abläufe im Gesundheitssystem modernisiert werden, statt Versorgungsengpässe durch noch mehr Steuerzuschüsse oder höhere Kassenbeiträge stopfen zu wollen“, schreiben die Autoren.

Stimme.de