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Wirtschaft fürchtet schwere Schäden durch US-Zölle – „grober ökonomischer Unfug“

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Die USA gelten als wichtigster Markt in Baden-Württemberg. Wirtschaftsverbände kritisieren nun die Zoll-Politik Trumps und fordern eine entschlossene Reaktion der Europäischen Union.


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Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle dürften der deutschen Wirtschaft schweren Schaden zufügen. So geht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln davon aus, dass der kumulierte wirtschaftliche Schaden für die Bundesrepublik über die vierjährige Amtszeit Trumps rund 200 Milliarden Euro betragen könnte und für die Europäische Union etwa 750 Milliarden Euro. „Das deutsche BIP läge im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle“, schreibt das IW. Wirtschaftsverbände sind in großer Sorge.

60 Prozent der Maschinenbauer wären von Strafzöllen betroffen

„Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten pauschalen Strafzölle von 20 Prozent auf alle Produkte aus der EU richten auf beiden Seiten des Atlantiks Schaden an“, sagt Bertram Kawlath, Präsident des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Durch Strafzölle würden bilaterale Handelsprobleme nicht gelöst, vielmehr führten sie zu einer Spirale der Abschottung. „Denn die EU wird wohl mit Gegenzöllen auf die US-Zölle reagieren“, sagte Kawlath. Rund 60 Prozent der VDMA-Mitglieder hätten in einer Umfrage angegeben, stark oder sehr stark von den US-Zölle betroffen zu sein. Daher sprach sich der Verbandschef dafür aus, Zölle abzuschaffen, „denn sie schaden Produzenten und Konsumenten in beiden Regionen“.

Die deutschen Maschinenbauer wären stark von den US-Zöllen betroffen.
Die deutschen Maschinenbauer wären stark von den US-Zöllen betroffen.  Foto: Jens Büttner

Kawlath wies darauf hin, dass die amerikanische Industrie bei bestimmten Schlüsseltechnologien auf Anbieter von Maschinen und Anlagen aus dem Ausland angewiesen seien. „Hier stehen seit Jahrzehnten die deutschen und europäischen Maschinenbauunternehmen als zuverlässige Lieferanten zur Verfügung“, betonte der VDMA-Präsident.

USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Baden-Württemberg

Für die Wirtschaft in Baden-Württemberg sind die USA der wichtigste Absatzmarkt. Darauf weist der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) hin. So haben baden-württembergische Unternehmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von 34,81 Milliarden Euro in die USA exportiert. Die Importe aus den USA nach Baden-Württemberg lagen bei 18,34 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Exportgütern aus Baden-Württemberg zählen Kraftwagen und Kraftwagenteile (9,2 Milliarden Euro) und pharmazeutische Erzeugnisse (8,5 Milliarden Euro).  


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Zu den neuen Zöllen sagt BWIHK-Vizepräsident Claus Paal: „Das ist eine schlechte Nachricht für Baden-Württemberg. Denn eine verlässliche Planung wird dadurch unmöglich.“ Schon jetzt hinterlasse die Trumpsche Zollpolitik Spuren bei Wirtschaft und Verbrauchern. Paal sprach sich dafür aus, das Gespräch mit den USA zu suchen, „wenngleich die Chancen auf eine schnelle Einigung aktuell sicher nicht gut sind“. Europa müsse seine eigene Rolle im Welthandel stärken und gezielt Freihandelsabkommen mit Regionen auf der ganzen Welt vorantreiben, so Paal.

Unternehmerverband UBW fordert entschlossenes Auftreten der EU

„Jetzt gilt es, dass Deutschland und die EU geschlossen und entschlossen auftreten, um in Verhandlungen einen drohenden Handelskrieg doch noch abzuwenden“, sagte Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), am Donnerstag in Stuttgart: „Der Paukenschlag aus dem Weißen Haus sollte nun aber auch die künftigen Koalitionäre in Berlin wachrütteln. Sie sollten sich endlich dieser neuen Realität stellen und nun konsequent Reformen einleiten, um Bürger und Betriebe angesichts der drohenden Belastungen wirkungsvoll zu entlasten.“

UBW: Preisdruck wird durch US-Zölle zunehmen

Die neue Zollpolitik der US-Regierung bedeute eine radikale Abkehr vom bisherigen regelbasierten freien internationalen Handel, von dem alle Länder profitiert hätten, sagte Barta: „Das wird allen Seiten schaden, zuallererst den Verbrauchern und Unternehmen in den USA. Denn sie bezahlen die Zölle. Für sie wird alles, wo Importe drinstecken, teurer werden.“

Doch auch für die hiesigen Unternehmen, die in die USA exportieren, sei mit erheblichen Auswirkungen zu rechnen, so der UBW-Hauptgeschäftsführer: „Der Preisdruck wird zunehmen, die Margen werden sinken. Wenn sich deutsche Produkte in den USA deutlich verteuern, gehen die Nachfrage und die Umsätze zurück.“ Für Unternehmen und Beschäftigte in Baden-Württemberg stehe dabei besonders viel auf dem Spiel, denn die USA seien außerhalb des europäischen Binnenmarktes der mit Abstand wichtigste Abnehmer von Produkten ‚Made in The Länd‘.

Baden-Württembergische Unternehmen wie Mercedes-Benz werden unter den US-Zöllen leiden
Baden-Württembergische Unternehmen wie Mercedes-Benz werden unter den US-Zöllen leiden  Foto: Marijan Murat

Deutschland und die EU seien nun gefordert, die US-Regierung von diesem „groben ökonomischen Unfug“ abzubringen, so Barta: „Ziel ist es, über Verhandlungen zu einem Abkommen zu gelangen, in dem Handelshemmnisse nicht auf-, sondern zum beiderseitigen Nutzen abgebaut werden und eine Eskalation des Handelsstreits vermieden wird.“ Ohne die glaubwürdige Androhung effektiver Gegenmaßnahmen werde sich die narzisstisch anmutende Trump-Administration allerdings kaum an den Verhandlungstisch bewegen lassen. 

Handwerk sieht Rückfall in handelspolitische Steinzeit

Zum Zollpaket der US-Regierung erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): „Dieser Zollhammer führt die Welt zurück in die handelspolitische Steinzeit. Deutschland und Europa müssen jetzt schnellstmöglich eine Antwort darauf finden. Ansonsten rasen wir im Schnellzug gegen eine Wand.“

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