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Ex-Lidl-Manager aus Heilbronn führt Tannenhof bei Berlin durch die Insolvenz

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Der Werderaner Tannenhof vor den Toren von Berlin ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Geführt wird er vom früheren Lidl-Manager Christian Mai. Das sind die Hintergründe. 


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Einer der größten Weihnachtsbaumverkäufer der Republik, der Werderaner Tannenhof vor den Toren von Berlin, hat Insolvenz angemeldet. Geschäftsführer in dem Familienbetrieb ist ein früherer Lidl-Manager aus der Region.

Christian Mai (38) hat in Heilbronn studiert und auf dem Bildungscampus seine Doktorarbeit im Bereich Volkswirtschaftslehre geschrieben. Seit 2019 führt er den Hof in zweiter Generation. Sein Vater Gerald hatte ihn nach der Wende ab 1991 auf dem Gebiet der früheren DDR in Werder an der Havel aufgebaut.  

Ex-Lidl-Manager aus Heilbronn führt Tannenhof bei Berlin durch die Insolvenz

Den Antrag für die geordnete Insolvenz hat Christian Mai Anfang August eingereicht, wie er unserer Redaktion bestätigt. Den Ausschlag für den Schritt habe letztlich eine hohe Steuer-Nachforderung des Finanzamts nach einer Betriebsprüfung gegeben. Diese betreffe die Zeit vor seiner Tätigkeit im Betrieb, wie Mai sagt.

Zusätzlich laufe das Geschäft auf dem Hof schon seit dem Frühjahr deutlich schwächer als im Vorjahreszeitraum. Mai spricht von einem Umsatzminus von 40 Prozent, selbst bei eigentlich beliebten und gut eingeführten Veranstaltungen wie einer Schlagernacht. Das Wetter sei an vielen Veranstaltungstagen schlecht gewesen, außerdem sei eine deutliche Konsumzurückhaltung bei den Kunden spürbar, auch bei der Grünen Woche in Berlin, wo der Hof regelmäßig mit seinen Produkten vertreten ist.

Hinzukommen würde, dass der Diebstahl von landwirtschaftlichen Maschinen durch einen Mitarbeiter auf seinem zweiten Hof bei Triptis in Thüringen das Unternehmen schwer belastet hat, erzählt Mai. „Das waren also herbe Einschnitte an vielen Stellen.“ 

Event- und Gastronomiebereich soll ausgebaut und wirtschaftlich gestärkt werden

Natürlich sei die Situation belastend. „Das Gefühl des Scheiterns ist schon da.“ Allerdings ist Mai davon überzeugt, dass die geordnete Insolvenz und der weitere Umbau des Tannenhofs der richtige Weg ist, um den Betrieb in eine gute Zukunft zu führen. „Dafür werden wir alles tun. Der Tannenhof ist ein Herzensprojekt unserer Familie. Diese Phase ist herausfordernd – aber auch eine Chance, uns nachhaltig neu aufzustellen.“

Vor allem zwei Dinge sollen sich nun ändern: Die Anzahl der Verkaufsstellen für Weihnachtsbäume in Berlin und dem Umland werde weiter von zuletzt 70 auf etwa 30 reduziert. „Wir betreiben nur noch solche Stellen, die auch wirtschaftlich gut laufen und setzen auf unsere eigenen Bäume, statt aus Skandinavien zuzukaufen“, sagt Mai. Vom Anspruch, den Kunden bis zum 24. Dezember mittags noch eine Auswahl an Bäumen anbieten zu wollen, werde man sich verabschieden. „Tannenbäume sind verderbliche Ware und es muss gelten, sie bis 22. Dezember alle zu verkaufen. Wer in letzter Minute noch einen Baum will, kann ihn sich aber immer noch bei uns auf dem Hof selbst schlagen.“ Gleichzeitig soll der Event- und Gastronomiebereich mit Hochzeiten oder saisonalen Veranstaltungen, mit Mini- und Fußballgolf weiter ausgebaut werden. Dieser Bereich werde schon jetzt sehr gut angenommen, so Mai.   

Insolvenzverwalterin lobt Struktur – Betrieb läuft trotz Krise uneingeschränkt weiter

Mai betont, der Betrieb, der zuletzt vier Millionen Euro Jahresumsatz gemacht hatte, gehe an allen Stellen wie gewohnt weiter. Erste positive Effekte der Umstrukturierung erwartet er ab Ende des laufenden Geschäftsjahres.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin Friederike Engelmann-Matz von der Kanzlei Römermann sagt unserer Redaktion, sie habe selten einen so gut strukturierten Insolvenzantrag gesehen, der zum richtigen Zeitpunkt gestellt worden sei: „Man merkt, dass der Familie daran gelegen ist, das gut zu entwickeln. Da kann man schnell miteinander arbeiten.“ Wichtig sei nun, dass die Menschen aus der Region den Tannenhof weiter unterstützen, so Engelmann-Matz weiter. „Dann kann man da noch richtig was schaffen.“  

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