Vorstands-Beben bei Volkswagen: Personalchef Gunnar Kilian muss Posten räumen
Volkswagens Personalvorstand Gunnar Kilian scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen aus. Auch die Konzernmarke Audi hat mit dem Abgang des Topmanagers zu tun.
Gunnar Kilian gehörte mehr als sieben Jahre lang dem Vorstand des VW-Konzerns an. Der oberste Personaler von Europas größtem Autobauer war ein Strippenzieher, der Karrieren gefördert und beendet hat. Insider berichten, dass der 50-Jährige seit einigen Monaten innerhalb des Konzerns als angezählt galt. Auch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen ihm zuletzt keinen Rückhalt mehr gegeben haben.
Offiziell geht Kilian im persönlichen Einvernehmen. In der dürren Pressemeldung des VW-Konzerns werden unterschiedliche Vorstellungen bei der Steuerung von Beteiligungsgesellschaften genannt. Daher habe der Aufsichtsrat als kommissarischen Nachfolger VW-Markenchef Thomas Schäfer ernannt und den Vertrag von Kilian aufgelöst.
Personalbeben bei VW: Kilian hat sich mit den Mächtigen angelegt
Soweit die offizielle Version. Manager aus Konzernkreisen, die nah am Geschehen sind, berichten hingegen von Zerwürfnissen mit anderen Vorständen und Teilen des Betriebsrats. Gunnar Kilian ist gelernter Journalist, war unter anderem Generalsekretär und auch Pressesprecher des Konzernbetriebsrats.

Die Arbeitnehmervertreter haben ihm wohl aber zuletzt zunehmend gemieden, da der 50-Jährige das große Sparprogramm mit einem massiven Stellenabbau bei VW vorangetrieben hat. Dort verzichten an die 20.000 Menschen auf ihren Job. Zudem soll es auf Vorstandsebene Streit um den Verkauf von Tochterunternehmen gegeben haben.
Hatte Gunnar Kilian Ambitionen auf den Chefposten bei Audi?
Ein ehemaliger Vorstand des VW-Konzerns berichtet, dass auch die VW-Tochter Audi eine Rolle beim Abgang von Gunnar Kilian gespielt haben soll. So sagt der Ex-Vorstand, dass Kilian nach dem Abgang des damaligen Audi-CEO Markus Duesmann Ambitionen auf den Chefposten bei der Marke mit den vier Ringen gehabt haben soll.
Bei Audi saß der entlassene Personalvorstand zuletzt noch im Aufsichtsrat. Kilian wurde im Konzern dem Vernehmen nach auch eine zu große Nähe zu Journalisten diverserer Wirtschaftsmagazine nachgesagt. Wurden hier gezielt Informationen durchgestochen? „Der Artikel über Audi und Gernot Döllner hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt jedenfalls ein Insider.
Audi: CEO Gernot Döllner wendet sich nach Bericht an seine Führungskräfte
Das „Manager Magazin“ hatte zuletzt eine Titelgeschichte über Audi und Gernot Döllner geschrieben. Ein Bericht, der innerhalb des Unternehmens für noch mehr Unruhe als ohnehin schon gesorgt hatte. Daraufhin schickte Audi-Chef Döllner an seine Führungskräfte ein Schreiben, das der Heilbronner Stimme vorliegt. „Das s Manager Magazin widmet in seiner aktuellen Ausgabe Audi eine Titelgeschichte. Über mich steht wenig Schmeichelhaftes in dem Artikel – das freut mich nicht, aber das gehört eben dazu und damit kann und muss ich leben“, schreibt Döllner. „Was mich allerdings stört und ärgert sind Punkte, die auch gegen das Team von Audi gehen.“
Aussagen über künftige Modelle, Software und die nächste Planungsrunde würden nicht den Tatsachen entsprechen. „Es werden Audi-interne und geheime Themen in Breite und systematisch in die Öffentlichkeit getragen. Das schadet dem Unternehmen und beschädigt die Reputation von Audi“, heißt es in dem Schreiben.
Aufsichtsrat und Konzernchef danken Kilian für seine Arbeit
„Es war leider schon immer so, dass wir im Konzern oft lieber übereinander statt miteinander sprechen“, sagt eine Sprecherin, die seit über zwei Jahrzehnten für den VW-Konzern tätig ist. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch sowie der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume dankten Kilian in der Pressemitteilung ausdrücklich für die von ihm geleistete Arbeit.
„Gunnar Kilian hat in den letzten Jahren einen maßgeblichen Anteil an der Transformationsarbeit des Konzerns gehabt. Er hat den Personalbereich zukunftsfähig aufgestellt sowie die Neuausrichtung des Nutzfahrzeuggeschäfts an entscheidender Stelle mit verantwortet“, erklärte Pötsch. „Mit seinen tiefen Kenntnissen über den Konzern und seine Strukturen hat Gunnar Kilian wichtige Stellhebel für eine erfolgreiche Zukunft des Konzerns bewegt“, so Blume.
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