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Iran-Krieg

Aral-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe: Staat nimmt sich 60 Prozent vom Benzinpreis

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Die Spritpreise in Deutschland sind wegen des Iran-Kriegs stark gestiegen, Preise jenseits der zwei Euro Liter sind inzwischen normal. Nun äußert sich der Chef von Aral gegen Abzocke-Vorwürfe und die Versorgungslage.


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Tanken ist immens teuer geworden. 2,24 Euro kostet aktuell ein Liter Super im bundesweiten Durchschnitt. Dieser Preis ist im Vergleich zur Vorwoche etwas gestiegen. Der Preis für einen Liter Diesel liegt bei 2,43 Euro. Er ist gegenüber dem Wert vor sieben Tagen stark gestiegen. Vor Beginn des Iran-Kriegs lag der Preis für Super laut Markttransparenzstelle für Kraftstoffe bei 1,83 Euro pro Liter, der Preis für Diesel bei 1,75 Euro.

Die Spritpreise hängen eng mit dem Rohölpreis zusammen. Auch dieser geht seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 stark nach oben. Er ist zuletzt erneut angestiegen, weil kaum noch Schiffe die Straße von Hormus passieren können. Durch die Meerenge am Persischen Golf werden nahezu 30 Prozent des weltweit verschifften Öls transportiert, rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs.

Aral wehrt sich gegen den Vorwurf, sich zu bereichern

Seit dem 1. April gilt die neue Spritpreis-Regelung – Erhöhungen für Diesel und Benzin an Tankstellen sind nur noch einmal am Tag möglich. Täglich um 12 Uhr. Ergebnis waren zum Teil extreme Preissprünge nach oben. Über Ostern sprach der ADAC von einem „Preisschock“ an Tankstellen. Nun mehren sich die Vorwürfe gegen die großen Mineralölkonzerne, dass sie die Situation bewusst ausnutzen.

Aral wehrt sich gegen den Vorwurf, sich am Konflikt im Nahen Osten zu bereichern. Vorstandschef Achim Bothe verweist darauf, dass die Steuern auf Mineralöl in Deutschland besonders hoch sind und der Staat vom Benzinpreis an der Zapfsäule 60 Prozent beansprucht.

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„In Deutschland haben wir eine besondere Situation – eine hohe Steuer- und Abgabenlast, auch im europäischen Vergleich. Beim Benzin sprechen wir grob von rund 60 Prozent des Tankstellenpreises, beim Diesel von etwa 50 Prozent“, betont Bothe im Gespräch mit Auto, Motor und Sport. „Wenn Sie aktuell Benzin tanken, wird damit deutlich mehr als ein Euro pro Liter als Steuern und Abgaben abgeführt, also vor allem Energiesteuer, CO2-Abgabe, THG-Quote und Mehrwertsteuer.“

Aral-Chef: Kraftstoffpreis richtet sich nach Preisen zur Wiederbeschaffung

Auch die Kritik daran, dass die Preise unmittelbar nach Beginn des Iran-Krieges gestiegen sind, obwohl noch günstig eingekaufte Kraftstoffe in den Tanks lagerten, weist Bothe zurück. Der Kraftstoffpreis richte sich immer nach den Preisen zur Wiederbeschaffung.

„Wenn ich heute Kraftstoff verkaufe, den ich morgen wieder anbieten will, bin ich automatisch im Nachkauf, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Deshalb diskutieren wir nicht darüber, was das einzelne Molekül im Tank mal gekostet hat, sondern über das, was ich morgen bezahlen muss, um die Ware wieder bereitzustellen“, so Bothe.

Deshalb reagierten die Kraftstoffpreise auf Krisen unmittelbar. „Wenn man sich die internationalen Produktpreise anschaut, reden wir pro Tag über Preissprünge von teils mehr als zehn Cent pro Liter.“

Versorgung mit Kraftstoff ist laut Aral-Chef aktuell sichergestellt

Der Vorwurf, die Preise stiegen schneller an, würden aber nur langsam sinken, stimmt nach Aussage des Aral-Chefs nicht. „Wenn ein Konflikt ausbricht, steigt die Unsicherheit, und Märkte reagieren sofort. Der Rohölpreis springt. Und umgekehrt reagieren Märkte auch schnell nach unten, wenn Signale Richtung Entspannung kommen – bis sie wieder relativiert werden und der Preis erneut steigt“, sagt Bothe.  „Es gibt Ausschläge also grundsätzlich in beide Richtungen.“

Die Versorgung mit Kraftstoff sei aktuell sicher, so Bothe. „Derzeit haben wir keine Versorgungsengpässe an Aral-Tankstellen.“ Nicht festlegen will sich der Aral-Chef allerdings, ob das auch so bleibt beim Fortgang der Krise. „Ich bitte um Verständnis, dass ich aufgrund der sehr volatilen Lage keine Prognosen abgeben kann.“ Allerdings warne Wirtschaftsministerin Katherina Reiche „zu Recht vor möglichen Auswirkungen des Konflikts“.

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