Stimme+
In Podcast

Reinhold Würth prägt Unternehmenskultur: Manager Heckmann gibt seltene Einblicke

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Eine ungewöhnliche Anekdote aus dem Führungsalltag gibt Einblick in die Unternehmenskultur von Würth. Auch kleine Erfolge werden gefeiert, aber nie ohne Anspruch. Wie Reinhold Würth das Unternehmen noch heute prägt.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Wenn Norbert Heckmann über den Erfolg von Reinhold Würth spricht, dann geht es weniger um Zahlen als um Haltung. Getragen von Kundennähe, Vertrauen in Mitarbeiter und konsequenter Umsetzung habe der bekannte Unternehmer aus einem kleinen Schraubenhandel einen Weltkonzern geformt. Bis heute präge der 90-Jährige die Kultur des Hohenloher Unternehmens. Für Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung von Würth Deutschland, ist genau das der eigentliche Schlüssel hinter dem langfristigen Erfolg, wie er dem Influencer Tim Gabel erzählte.

In einem bald fünfstündigen Podcast, der bereits Mitte März aufgezeichnet und nun ausgestrahlt wurde, plauderte Norbert Heckmann aus dem Nähkästchen und verriet, wie die Zusammenarbeit mit Reinhold Würth ist. „Wir haben eine schillerndsten Figuren der Nachkriegsgeschichte als Chef: Es macht viel Freude mit ihm zusammenzuarbeiten. Aber es ist auch herausfordernd, weil die Latte ziemlich hoch hängt.“

Auch bei einem Prozent Umsatzplus kann es ein Lob von Reinhold Würth geben

Heckmann, seit 2008 verantwortlich für Würth Deutschland, erinnerte sich an Diskussionen mit dem Unternehmer, die bei 13 Prozent Umsatzplus im Jahr härter ausfallen konnten als bei nur einem Prozent. Bei entsprechend guten Rahmenbedingungen habe Würth gerne gefragt, ob 13 Prozent Plus wirklich ausreichend wären – oder nicht doch 15 oder 17 Prozent drin waren. In anderen Jahren habe er auch für ein Prozent Plus ein Lob bekommen. „Er misst dich nicht am Erfolg, sondern daran, was möglich gewesen wäre“, sagt Heckmann. „Das ist außergewöhnlich.“

Norbert Heckmann ist seit 2008 verantwortlich für Würth Deutschland und hat in seiner Zeit gelernt, wie Reinhold Würth tickt.
Norbert Heckmann ist seit 2008 verantwortlich für Würth Deutschland und hat in seiner Zeit gelernt, wie Reinhold Würth tickt.  Foto: nicht

Die Würth’sche Grundhaltung dahinter sei, mit sich selbst immer ein wenig unzufrieden zu sein und Dinge besser machen zu wollen. Da bleibe auch das Management nicht verschont. „Wenn ich sage: Herr Würth, das Ding ist in drei Wochen fertig. Dann sagt er: ’Herr Heckmann, drei Wochen? Drei Stunden!’ Das meint er wirklich so“, erklärte Heckmann zugespitzt. Ein Kundenmagazin musste statt in vier Wochen in zwei fertig sein. „Vier Wochen wären schon Speed gewesen“, so der Geschäftsleiter.

Am Ende gab es Getränke für alle 8000 Mitarbeiter der Adolf Würth KG 

In der Folge hatte Heckmann die fertige Beilage dem Chef nicht mehr vorgelegt – weshalb der ihn natürlich kurz darauf anrief. „Ich habe ihm gesagt, dass das der Geschwindigkeit geschuldet war und ich bei der Wiedervorlage kürzen musste. Da hat er nur gelacht“, berichtet Heckmann im Podcast. Alle paar Jahre wette er auch mit Reinhold Würth, das letzte Mal im Oktober 2024. Das Jahr war aufgrund der Rahmenbedingungen auch bei Würth schwierig verlaufen und der Oktober nicht wirklich gut angelaufen.

„Viele fühlen sich wegen Reinhold Würth im Unternehmen sicher und geborgen.“

Norbert Heckmann

Heckmann meinte trotzdem, dass Würth Deutschland in dem Monat noch wachsen werde – Würth hielt dagegen. Einsatz waren zwei Kästen Guinness, Champagner hatte Würth abgelehnt, weil er keinen trinke. Tatsächlich behielt Heckmann am Ende Recht, Würth wuchs im Oktober 2024 um 0,2 Prozent. „Wir haben in der Geschäftsleitung dann mit Guinness angestoßen und ihm Fotos geschickt.“ Würth habe das so gut gefallen, dass er dem Management auftrug, jeden der mehr als 8000 Mitarbeiter der Adolf Würth KG mit Getränken zu versorgen.

Wow-Moment: Bei einem Zukauf sprach Würth Heckmann das Vertrauen aus

Allerdings machte Würth klar, dass er zwar die beiden Kästen für die Geschäftsleitung bezahlt. Für alle anderen Getränke musste das Unternehmen selber aufkommen. Würth hat sein gesamtes Kapital in Stiftungen eingebracht, im Vergleich zu anderen Unternehmen nehme er „eine ganz bescheidene Summe raus, um seinen Lebensstandard und den der Familie zu bedienen und reinvestiert das allermeiste ins Unternehmen“, sagt Heckmann. Dadurch habe Würth eine hohe Eigenkapitalquote, könne viel Geld reinvestieren und so das Wachstum beschleunigen.

Unternehmer Reinhold Würth prägt bis heute die Unternehmenskultur in der Würth-Gruppe.
Unternehmer Reinhold Würth prägt bis heute die Unternehmenskultur in der Würth-Gruppe.  Foto: Bernd Weißbrod (dpa)

Neben seinem eigenen Vater, einem Handwerker, der der Allgemeinheit als Bürgermeister etwas zurückzahlte, sei Reinhold Würth ein großes Vorbild für ihn, sagt Heckmann. „Er war schon immer ein Charismatiker, wenn Reinhold Würth am Mikrofon steht und etwas anspricht: Da hörst Du zu, da ist Totenstille.“ In Erinnerung geblieben ist ihm die Freigabe für einen Unternehmens-Zukauf. Würth selbst wusste nicht, ob der Kauf richtig war, aber er vertraute Heckmann mit den Worten, dass er schon das richtige für das Unternehmen tun würde. „Danach stand er auf und verließ den Raum.“ Ein Wow-Erlebnis für ihn.

Wegen Reinhold Würth fühlen sich viele Mitarbeiter sicher und geborgen 

Nach einem halben Jahr aber fragt der Unternehmer schon nach, wie es läuft. „Du kommst nicht raus. Er guckt, ob du das das Vertrauen zurückzahlst“, sagt Heckmann, aus dessen Sicht viele Mitarbeiter gerade wegen des Chefs bei Würth arbeiten. „Viele fühlen sich wegen ihm im Unternehmen sicher und geborgen.“ Denn auch wenn Würth die operative Verantwortung früh abgegeben habe, hätte er sich nie aus dem Unternehmen zurückgezogen. „Das hat er meiner Meinung nach wirklich exzellent gemacht“, sagt Heckmann.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben