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Ökonomen: Gas und Öl aus Russland verteuern heißt Putin schaden

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Ein bisschen Embargo? Ein Vorschlag zweier Professoren weist einen Mittelweg zwischen Lieferstopp und Untätigkeit.

Das Gas aus Russland strömt weiter.
Das Gas aus Russland strömt weiter.  Foto: Marijan Murat (dpa)

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Die Bundesregierung beharrt darauf: Ein Gasembargo würde Deutschland wirtschaftlich mehr schaden als Russland. Also fließt das Gas weiter von Ost nach West und das Geld von West nach Ost. Denn ein bisschen Embargo ist nicht möglich. Oder doch?

Weitgehend unbeachtet in der aktuellen Debatte blieb ein Gastbeitrag der Ökonomen Ottmar Edenhofer und Axel Ockenfels im "Handelsblatt" vor gut einer Woche.

Dort plädierten die zwei Professoren aus Berlin und Köln für eine sogenannte Importabgabe auf Gas und Öl aus Russland, eine Art Sondersteuer; die in Deutschland bezahlt werden muss. "Erstens können die Bezugspreise für Abnehmer steigen", nennen die zwei Autoren einen möglichen Effekt. Das hätte zur Folge, dass Einsparpotenziale vor allem in der Industrie genutzt werden müssten.

Marktmechanismen wirken dann in die richtige Richtung

"Zweitens reduziert sich der Gewinn Russlands", lautet eine weitere These. Denn russische Energie steht im Wettbewerb mit Gas und Öl aus anderen Bezugsländern. Weil dieses dann im Vergleich billiger wäre, sähe sich Russland möglicherweise gezwungen, Preise anzupassen, während die Marktmechanismen dafür sorgen, dass sich Deutschland zügig auf einen möglichen Gaslieferstopp vorbereitet.

"Und drittens entstehen Einnahmen für den Westen, die sonst zumindest teilweise in Russlands Staatskassen geflossen wären." Mit diesem Geld könne man beispielsweise über einen Treuhandfonds den Wiederaufbau in der Ukraine irgendwann mitfinanzieren. Aus moralischer Sicht kein unwichtiges Argument. Natürlich wäre auch eine gezielte Entlastung von Verbrauchern möglich.

Kein Kommentar aus Berlin

Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich auf die Anfrage unserer Zeitung, ob es sich mit dem Instrument befasst, nicht.


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ARCHIV - 03.05.2006, Thüringen, Eischleben: In einer Verdichterstation des Erdgasversorgers Wingas überwacht ein Mitarbeiter den Betriebsablauf. Die Anlage ist Teil der "Sachsen-Thüringen-Erdgas-Anbindungsleitung - STEGAL". Wingas ist eines der führenden Gashandelsunternehmen in Deutschland und eine 100-prozentige Tochter des russischen Erdgasproduzenten Gazprom. Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) setzt die Bundesnetzagentur als Treuhänderin für die deutsche Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom ein. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Gasimporte: Deutschland muss bewusst Schäden in Kauf nehmen


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