Stimme+
Milch-Werk

Nach Landliebe-Aus in Heilbronn: Gewerkschaft NGG wirft Theo Müller Täuschung vor

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Gewerkschaft NGG unterstellt Theo Müller, dass die Schließung der Landliebe-Werke von Anfang an geplant gewesen sei. Zahlreiche Fehler sollen aber schon von Friesland-Campina gemacht worden sein. Kampflos soll das Werk in Heilbronn nicht aufgegeben werden.

Schon zu Zeiten von Friesland-Campina sollen für das Werk Heilbronn Fehler in der Sortimentspolitik gemacht worden sein. Das wirft die Gewerkschaft NGG der Unternehmensleitung vor.
Schon zu Zeiten von Friesland-Campina sollen für das Werk Heilbronn Fehler in der Sortimentspolitik gemacht worden sein. Das wirft die Gewerkschaft NGG der Unternehmensleitung vor.  Foto: Berger\, Mario

Die Gewerkschaft NGG will für den Kampf um das Heilbronner Joghurtwerk der Unternehmensgruppe Theo Müller mobil machen. "Wir sind jetzt im Kampfmodus", sagt der Heilbronner Bezirks-Geschäftsführer Frank Meckes. In den kommenden Wochen sollen Aktionen für den Erhalt des Standorts stattfinden.

"Wir haben gezeigt, was man durch koordinierten Widerstand bewirken kann", sagt Meckes. Als Unilever 2019 das Heilbronner Knorr-Werk schließen wollte, habe gemeinschaftlicher Protest der Belegschaft mit Politik und Gesellschaft der Stadt Heilbronn mit zu dem Umdenken der Konzernführung geführt. Statt der Schließung wurde am Ende eine Standortsicherung vereinbart mit dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für die nächsten zehn Jahre.


Schließung des Landliebe-Werks in Heilbronn: Theo Müller hat keinen guten Ruf bei Gewerkschaft NGG

Diesmal wird es aber noch schwerer werden, ist sich Meckes im Klaren: Bei Unilever habe zum Beispiel die Tarifbindung nie zur Debatte gestanden. Mit der Übernahme durch Müller im April vergangenen Jahres war sie für den Heilbronner Molkerei-Standort hingegen weggefallen. Für Beschäftigte, die damals schon am Standort angestellt waren, gilt sie noch in der Nachwirkung. Verhandlungen zur Rückkehr zur Tarifbindung konnten bislang nicht aufgenommen werden. Die Unternehmensgruppe hat keinen guten Ruf in Gewerkschaftskreisen: Es gibt nur wenige Werke mit Betriebsräten, berichtet Meckes. "Müller hat eine völlige Abneigung gegen Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen."

Für den Bezirks-Geschäftsführer verdichten sich die Anzeichen immer mehr zu dem Verdacht, dass die Stilllegung des Standorts von Anfang an geplant gewesen sei. "Auf der jüngsten Betriebsversammlung im Dezember haben die Mitarbeiter Aussagen zur künftigen Auslastung verlangt. Da kam von der Werksleitung null Verbindlichkeit, nichts Konkretes", erinnert er sich. "Es war offenbar der Plan von Müller, sich alleine die Marke Landliebe zu sichern."

Fehlt Müller der Wille für Investitionen in Landliebe-Standort in Heilbronn?

Einen erst jetzt festgestellten Investitionsstau könne die Gewerkschaft nicht nachvollziehen. "Ich unterstelle mal, dass sich solch ein großer Konzern einen Betrieb und seine Strukturen vor dem Kauf genau anschaut." Und selbst wenn – Geld wäre bei einem Unternehmen mit einem Umsatz von 8,8 Milliarden Euro und einer Gewinnrücklage von 2,3 Milliarden Euro in der Bilanz des Jahres 2022 genügend vorhanden. "Nur der Wille fehlt."

Fehler seien aber auch schon vom Vorbesitzer Friesland-Campina gemacht worden, räumt Meckes ein. "Es ist ein völlig falsches Markenprofil gefahren worden", kritisiert er: Die Abfüllung von Handelsmarken habe die Marge der eigenen starken Marke Landliebe unnötig unter Druck gesetzt. Dadurch sei deren Geschäft "an die Wand gefahren" worden, meint der Gewerkschafter. Da helfe es auch wenig, dass Heilbronn der einzige Standort im gesamten Müller-Konzern sei, der über eine Glasabfüllung für Joghurt verfüge.

Schlechte Auslastung des Landliebe-Werks – Ist das der Grund für die Schließung in Heilbronn?

In der Branche war die schlechte Auslastung der Heilbronner Werks ein offenes Geheimnis, wie Kreise berichten. Sichtbar sei es dadurch geworden, dass erhebliche Mengen an Milch bereits seit längerem an andere Abnehmer gehen.


Mehr zum Thema

Müller Milch will auch das Joghurtwerk von Friesland Campina in Heilbronn übernehmen. Ob das ein kartellrechtliches Problem ist, wird weiter geprüft.
Stimme+
Meinung
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Schließung des Müller-Joghurtwerks ist für Heilbronn ein Nackenschlag


Für die etwa 420 Beschäftigten in Heilbronn und Schefflenz erweist sich die geplante Schließung bis Mitte 2026 als Nachteil, hat Meckes ausgerechnet: Eingetragen wurde die neue Firma Landliebe GmbH zum 1. Juni 2022. Von da an gilt laut Betriebsverfassungsgesetz eine Frist von vier Jahren, innerhalb der kein Sozialplan von Arbeitnehmerseite her erzwungen werden kann. Dadurch erhalte die Belegschaft nur Abfindungen in einem freiwilligen Sozialplan. Dies sei bei der Schließung des Landliebe-Werks Köln auch so geschehen. Die NGG wolle jedenfalls kämpfen, sagt Meckes. "Noch hat dieser Standort eine Zukunftschance - wenn man das will."

Müller plante die Landliebe-Übernahmen von langer Hand

Die Unternehmensgruppe Theo Müller hat die Übernahme von Landliebe offensichtlich schon länger geplant. Wie aus dem Geschäftsbericht für 2022 hervorgeht, besteht bereits seit Juni 2022 eine Landliebe GmbH, deren Gesellschaftsvertrag im April als LLHN Molkerei GmbH eingetragen wurde. Im Juni wurden außerdem die Firmen LLK Molkerei, LLNOK Molkerei, LLHN Property und LLK Property gegründet, Eigentümer jeweils die Unternehmensgruppe Theo Müller in Fischach. Die Kürzel verweisen auf die Standorte Köln (K), Heilbronn (HN) und Schefflenz (NOK).

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben