KI-App für Bäckereien entwickelt: Kapitalgeber investieren Millionen in Start-up Aiperia
Das als BäckerAI bekanntgewordene Start-up Aiperia will nun in anderen Bereichen und auch international durchstarten. Von Investoren erhält das Unternehmen nun frisches Geld in Millionenhöhe.

Mit den Bäckern hat es angefangen, doch nun nimmt das Start-up Aiperia auch andere Branchen ins Visier. Das Ziel lautet immer: Bessere Bedarfsplanung und damit weniger Lebensmittel, die im Müll landen.
Dafür hat das Unternehmen aus Großrinderfeld im Main-Tauber-Kreis eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die nicht nur bei den Kunden offensichtlich gut ankommt, sondern auch bei Investoren. 7,5 Millionen Euro hat Aiperia bei den Investoren ETF Partners aus London und LBBW Venture Capital aus Stuttgart eingesammelt.
Start-up mit neuem Name: Von BäckerAI über PlanerAI zu Aiperia
Bereits an Bord ist der deutsche Risikokapitalgeber Earlybird Venture Capital. „Earlybird hat uns den Weg für weiteres Wachstum bereitet“, sagt Franz Seubert, einer der drei Gründer des Start-ups aus dem Umfeld der Universität Würzburg.
Zunächst 2021 von Franz Seubert, Jan Meller und Fabian Taigel als BäckerAI gegründet, benannte sich das Unternehmen in PlanerAI um, wobei AI stets für Artificial Intelligence, also Künstliche Intelligenz, steht. Nun firmiert das Start-up unter dem neuen Namen Aiperia und strebt weiteres Wachstum an.
KI von Aiperia berücksichtigt 150 Einflussfaktoren für die Bedarfsplanung
Mit ihrer ersten KI zur Optimierung der Bedarfsplanung bei Bäckern feierte das Start-up Erfolge. Die KI, die in der Region auch von der Erlenbacher Bäckerei Förch genutzt wird, berücksichtigt mehr als 150 Einflussfaktoren wie Wetter, Jahreszeit oder Events, um die Planung der Bäcker zu optimieren und damit die Lebensmittelverschwendung um rund 30 Prozent zu reduzieren. Die umfangreichen Daten, die die KI sammelt, sind dabei das A und O.
„Wir wollen Unsicherheit quantifizieren und in Software übersetzen“, erläutert Seubert. Dass das funktioniert, hat Aiperia an mittlerweile 2600 Verkaufsstellen bewiesen. Die Gewinne der Kunden steigen Seubert zufolge um rund vier Prozent, zudem sparen sich die Bäcker rund 90 Prozent der Zeit, die sie bisher für die Bestellplanung benötigten. Und Aiperia hat seinen Umsatz im Jahr 2023 um stolze 500 Prozent gesteigert und für seine KI unter anderem den Deutschen KI-Start-up-Award 2023 erhalten.
Frisches Geld für Aiperia: Geschäftsmodell skalieren
Mit dem frischen Geld kann das Start-up nun den nächsten Schritt gehen und sein erprobtes Geschäftsmodell skalieren. Denn was im deutschen Handel funktioniert, kann auch international klappen. „Der Bäckermarkt ist viel zu klein, da beißen nicht viele Investoren an“, weiß Oliver Hanisch, CEO der Campus Founders Heilbronn.
„Wir haben das Potenzial dieses Teams früh erkannt und sie als Mentoren ermutigt, groß für ihre Lösung zu denken“, sagt er. Für Seubert war und ist die Unterstützung der Campus Founders und deren Netzwerk essenziell: „Ohne die Campus Founders würde es uns nicht mehr geben. Wir hätten aufgegeben“, sagt der Gründer.
Statt Aufgabe sollen jetzt weitere Branchen für die KI aus Großrinderfeld begeistert werden. Seubert denkt vor allem an frische, schnell verderbliche Lebensmittel oder Waren, also etwa an Metzgereien, Obst und Gemüse, Blumen und Pflanzen oder den Deli-Bereich mit frischen Snacks.
KI von Aiperia aus Großrinderfeld bei Würzburg wird permanent optimiert
Die mittlerweile 60 Mitarbeiter von Aiperia sind ständig damit beschäftigt, die KI weiterzuentwickeln und zu optimieren. Ziel ist es, den Kunden eine weitgehend automatisierte Lösung anbieten zu können, damit sich die Bäcker, Metzger, Obst- oder Blumenhändler auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren können.
Mehr Gewinn und effizientere Abläufe, weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit – so lautet das Versprechen, von dem nicht nur Aiperia und seine Kunden profitieren sollen, sondern auch Umwelt und Klima. „Wir haben bewiesen, dass es funktioniert“, ist sich Seubert sicher, dass die Erfolgsstory aus Großrinderfeld weitergehen wird.


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