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"Wir müssen jetzt loslegen"

Wirtschaft in Alarmbereitschaft: IHK Heilbronn-Franken plant den Ernstfall

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Die Überprüfungen der regionalen Strukturen haben bereits begonnen.


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Es waren jahrzehntelang nicht mehr gehörte Worte, die da in der jüngsten IHK-Vollversammlung zu vernehmen waren. Aber die Weltlage hat sich geändert, sowohl mit dem Ukraine-Krieg als auch mit der sich abzeichnenden außenpolitischen Wende der USA unter Donald Trump. Daher berichtete Hauptgeschäftsführerin Elke Döring den versammelten Unternehmern: "Wir haben die neue Aufgabe Defence und Security bekommen." Die Wirtschaft in Deutschland und somit in der Region soll sich also auf den Kriegsfall vorbereiten.

Koordiniert wird das Ganze beim Dachverband DIHK in Berlin. Von dort war Rainer Kambeck gekommen und berichtete der Runde: "Wir stehen noch am Anfang. Es wird zum Ende des Jahrzehnts aber damit gerechnet, dass der Bündnisfall eintreten könnte. Das heißt, dass wir jetzt loslegen müssen."

Unterstützung für Betriebe in Krisensituation: IHK in Heilbronn bereitet sich vor

Das bestätigte auch Elke Döring. Im Land hat die IHK Bodensee-Oberschwaben die Federführung übertragen bekommen. Und die Heilbronner Kammer strebe einen 14-tägig tagenden Expertenkreis an, in dem Vertreter der Branchen Energie, Verkehr, Logistik, Lebensmittel und IT sitzen sollen, berichtete sie. "Innerhalb der IHK-Organisation bereiten wir uns darauf vor, wie wir die Betriebe in einer Krisensituation unterstützen können", erklärte sie.

Auf die Kammern kämen neue hoheitliche sowie Beratungs- und Netzwerkaufgaben zu, etwa wenn es um Cybersicherheit, Infrastruktur und die Sicherstellung von Personal und Lieferketten geht oder bei der Bewerbung um Rüstungsaufträge oder der Vermittlung von Förderprogrammen. Die Unternehmen wären zum Beispiel bei der Produktion von Gütern oder Lebensmitteln sowie bei der Bereitstellung von Logistik und Baumaschinen mit eingebunden.


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Die "Koordinierungsstelle für Gesamtverteidigung" in Weingarten hat unterdessen ihre Arbeit aufgenommen. Sie soll im Rahmen der gesetzlichen IHK-Aufgaben die Kommunikation und den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Militär unterstützen, heißt es in einer Mitteilung zu ihrem Start vor wenigen Tagen. "Ziel dabei ist, die Regelungen zur Sicherung des Wirtschaftslebens in einem möglichen Verteidigungsfall oder bei hybriden Bedrohungen politisch zu begleiten, Informationen zur Vorbereitung von Unternehmen auf Krisen und Konflikte bereitzustellen sowie Unternehmen zu präventiven Maßnahmen zu beraten", heißt es weiter.

BWIHK-Präsident: Wirtschaft muss sich auf mögliche Krisenszenarien vorbereiten

"Die Wirtschaft gehört zu den zentralen Säulen unserer Sicherheit und muss sich angesichts des veränderten Umfelds auf mögliche Krisenszenarien vorbereiten", sagte Jan Stefan Roell, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK). "Eine ernsthafte und glaubwürdige Präparation für den Verteidigungsfall dient hierbei vor allem der Friedenssicherung."

Unter anderem gehe es dabei um Leitfäden für konkrete betriebliche Notfallpläne. "Es ist absehbar, dass die öffentlichen Ausgaben in diesem Bereich steigen. Nicht nur im Hinblick auf die unmittelbare Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, sondern auch, wenn zum Beispiel Verkehrswege oder Liegenschaften ausgebaut oder Soldatinnen und Soldaten verpflegt werden müssen", ergänzte Sönke Voss, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben.


Hintergrund: Wenige regionale Unternehmen produzieren für Militärbereich

Konkret mit der Produktion von Waffen oder Komponenten beschäftigen sich nur wenige Unternehmen in der Region. Dazu zählt eine Tochterfirma von Losberger de Boer, die Zelte auch für militärische Zwecke herstellt. Im Heilbronner Telefunkenpark ist mit AIM ein Hersteller von Infrarot-Sensoren ansässig. Das Unternehmen gehört je zur Hälfte Rheinmetall und Diehl.

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