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Umstrittenes Projekt
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Klärschlamm-Verbrennung in Walheim: EnBW will 2028 den Betrieb aufnehmen

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Das umstrittene Klärschlamm-Projekt der EnBW bei Walheim geht in die Bauphase. Dabei steht eine wesentliche Genehmigung noch aus.

So soll die Klärschlamm-Verbrennungsanlage auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Walheim einmal aussehen: Der Gebäudeblock links vor dem Schornstein wird neu errichtet, einige Teile der alten Anlage werden weiter genutzt. Montage: EnBW
So soll die Klärschlamm-Verbrennungsanlage auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Walheim einmal aussehen: Der Gebäudeblock links vor dem Schornstein wird neu errichtet, einige Teile der alten Anlage werden weiter genutzt. Montage: EnBW  Foto: Alternativer Fotograf

Die Bauarbeiten dürfen beginnen: Nachdem das Regierungspräsidium Stuttgart die Baugenehmigung für die Klärschlamm-Verbrennungsanlage am ehemaligen Kohlekraftwerk Walheim erteilt hat, soll im August ein dritter Kran auf dem Gelände errichtet und mit dem Bau der Bodenplatte begonnen werden. Das berichtete am Freitag EnBW-Projektleiter Michael Kübel.

300 Pfähle wurden zuvor auf Basis einer Vorabgenehmigung in den Boden getrieben und das Gelände zum Teil um zwei Meter aufgeschüttet. Die letzten 7000 Tonnen Steinkohle wurden während der Pfingstferien zum Kohlekraftwerk Heilbronn abtransportiert, die Kohlekessel sind seit Ende März außer Betrieb.

Übrig ist nun nur noch die Gasturbine – weshalb aber die Kraftwerksgebäude vorerst stehen bleiben. „Wir haben derzeit keine Pläne für einen Rückbau“, sagte Nils Beeckmann, Leiter Neubauprojekte disponible Erzeugung. Einen Teil der bestehenden Einrichtungen, etwa Werkstätten, Wasser- und Stromversorgung, wolle die EnBW auch für die neue Anlage nutzen.

Klärschlamm-Verbrennung bei Walheim: Inbetriebnahme 2028 geplant

Für die Klärschlammverbrennung wird ein etwa 100 Meter langer Neubau errichtet. Er besteht aus Betonbauten an den beiden Enden und einer Halle in Stahlbauweise, in der die Anlagentechnik installiert wird. An der höchsten Stelle werden 35 Meter erreicht. Die Betongebäude sollen bis Mitte nächsten Jahres errichtet sein, mit dem Anlagenbau soll erst Anfang nächsten Jahres begonnen werden.

Zum Teil, sagte Kübel, werden die Komponenten per Schwertransport oder sogar per Schiff angeliefert. Wegen der starken Verkehrsbelastung wolle die EnBW möglichst vermeiden, dass Lastwagen durch die Ortsdurchfahrt von Kirchheim fahren, kündigte er an. Außerdem werde als eine der ersten Maßnahmen eine Betonwand zur Flussseite hin errichtet, um sowohl den Lärm der Baustelle als auch der späteren Klärschlammanlieferung per Lastwagen gegen die Siedlungen am anderen Neckarufer abzuschirmen.

Die Inbetriebnahme ist bereits für Anfang 2028 geplant. Von 2029 an muss Klärschlamm in Baden-Württemberg thermisch verwertet, sprich verbrannt, und der in ihm enthaltene Phosphor als Dünger-Rohstoff zurückgewonnen werden.

Baugenehmigung für Klärschlamm-Projekt bei Walheim da, Betriebsgenehmigung noch nicht

Bislang hat die EnBW allerdings nur die Baugenehmigung erhalten. Der Antrag auf Betriebsgenehmigung soll nun erst eingereicht werden, kündigte Tim Krautschneider, Jurist beim Konzern, an: „Wir gehen davon aus, dass wir sie erhalten werden.“ Das deute sich bereits aus dem Vorbescheid an, der grundsätzlich die Genehmigungsfähigkeit des Projekts bescheinige.

Habe die Baugenehmigung noch drei Jahre in Anspruch genommen, dürfte es nun schneller gehen, erwartete er. Separat müsse auch noch eine wasserrechtliche Erlaubnis beantragt werden, in deren Zuge es auch wieder eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben werde. Diese solle bereits im Laufe des Jahres in die Wege geleitet werden.

Offen ist dann nur noch, wie sich die umliegenden Kommunen verhalten. Walheim hat bereits einmal gegen das Projekt geklagt.

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