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Überkapazitäten

Werden in deutschen VW-Werken in Zukunft Autos aus China gebaut?

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Der VW-Konzern kämpft weltweit mit Überkapazitäten. Statt Werke zu schließen sucht der Autobauer Alternativen. Nun kommt die Idee ins Spiel, an deutschen Standorten Fahrzeuge chinesischer Marken zu fertigen.


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Chinesische Automarken gewinnen in Europa immer mehr an Boden. Im ersten Quartal waren sie für rund 3,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland verantwortlich, wie sich aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes ablesen lässt. Vor allem zwei Marken liegen aktuell vorne: BYD und MG Rowe, die im ersten Quartal zusammen deutlich mehr als die Hälfte der chinesischen Neuzulassungen in Deutschland ausmachten. Eine Studie der Unternehmensberatung Horváth zeigt: Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) sind offen für chinesische Modelle. Anfang 2024 waren es noch lediglich 37 Prozent.

VW-Konzern kämpft mit Überkapazitäten – eine Million Fahrzeuge zu viel

Seit einigen Wochen bietet ASW Automobile Modelle von BYD in Heilbronn an. Der Marktstart ist nach Angaben eines der größten Autohändlers der Region geglückt. „Wir hatten uns für den ersten Monat 30 bis 40 Autos vorgenommen. Dass wir in nur drei Wochen jetzt bereits 100 Fahrzeuge verkauft haben, freut uns natürlich sehr“, sagt Geschäftsführer Lars Krause. 

Unterdessen kämpft der VW-Konzern mit massiven Überkapazitäten an seinen knapp 100 Standorten weltweit. Aktuell planen die Wolfsburger eine weitere Absenkung der Produktionsvolumen von einer Million Fahrzeugen. Unter anderem deswegen sind zuletzt auch Gerüchte über ein weiteres Sparprogramm für den Audi-Standort Neckarsulm aufgekommen. Das hat Produktionsvorstand Gerd Walker mittlerweile dementiert.

„Es gibt intelligentere Methoden, als gleich ein Werk zu schließen“, sagte Konzernchef Oliver Blume dem "Manager Magazin". In Osnabrück stellt das Unternehmen 2027 die Produktion von VW-Fahrzeugen ein. Nun wird aktuell mit der Rüstungsindustrie verhandelt, um das Werk anderweitig zu nutzen. 

Ein Blick auf das VW-Stammwerk in Wolfsburg. Aktuell wird nach Lösungen gesucht, um Produktionskapazitäten im Konzernverbund weiter zu senken.
Ein Blick auf das VW-Stammwerk in Wolfsburg. Aktuell wird nach Lösungen gesucht, um Produktionskapazitäten im Konzernverbund weiter zu senken.  Foto: Benjamin Müller

Ministerpräsident Lies sorgt sich um Beschäftigung der VW-Angestellten

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat nun vorgeschlagen, den Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken zu prüfen. In China entwickle und baue Volkswagen bereits VW-Modelle für den chinesischen Markt. Wenn konkurrierende Hersteller nun in Europa und Deutschland chinesische Autos bauen wollten, „dann sollten wir das selber sein aus China heraus, und dann soll es in unseren Werken stattfinden, damit Kolleginnen und Kollegen hier gesicherte Beschäftigung haben“, so Lies. Das Land Niedersachsen ist mit 20 Prozent der Stimmrechte zweitgrößter Anteilseigner von VW nach der Holding der Familien Porsche und Piëch.

VW-Chef Blume: „Chinesische Wettbewerber schauen auch auf Fabrikkosten“

„Chinesische Wettbewerber drängen tatsächlich auf den europäischen Markt. Aber auch für sei sind die Fabrikkosten sehr relevant“, sagte Konzernchef Oliver Blume dem „Manager Magazin“ im Hinblick auf die deutlich höheren Gehälter in Deutschland. Aktuell fertigen die Marken aus dem Reich der Mitte nahezu ohne Ausnahme in ihrer Heimat und bringen ihre Autos per Schiff nach Europa. Ob es tatsächlich zur Fertigung von China-Autos bei VW in Deutschland kommt, ist derzeit offen. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats heißt es, dass man sich aktuell ein solches Vorgehen nur mit Herstellern vorstellen könnte, mit denen Marken aus dem VW-Konzern bereits in China kooperieren.

Lies: „Standrote des VW-Konzerns langfristig erhalten“

Ende Februar hatte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg den Audi-Standort Neckarsulm und die Redaktion der Heilbronner Stimme besucht. In Anbetracht der Krise der Automobilindustrie – „Es ist eine extrem schwere Zeit, muss man wirklich sagen“ – war Lies wichtig zu betonen, dass man über die Marken des VW-Konzerns hinweg keine Standorte gegeneinander ausspielen wolle. Ziel müsse es sein, „alle Standorte so auszulasten, dass sie auch in einer schwierigen Phase eine Grundlage für eine Zukunftsentwicklung haben und dass sie langfristig erhalten bleiben.“ Das gelte wirklich für alle Standorte, so Lies, ganz gleich, ob es sich um Werke von VW, Audi oder anderer Marken drehe.

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